Berlin - Eigentlich dachte ich, ich wüsste alles über die damalige Zeit. Aber, und sei es dem Alter geschuldet, manches gerät in Vergessenheit. Hand aufs Herz: Hätten Sie sich noch daran erinnert, dass Aufstiegsheld Sven Beuckert im Pokalviertelfinale gegen Bochum am Dezember 2000 mitten im Spiel durch Robert Wulnikowski ersetzt werden musste? Ich nicht! Und ich bin seit über 20 Jahren Union-Reporter.

Am 26. Mai ist es genau 20 Jahre her, dass der 1. FC Union im Endspiel um den DFB-Pokal stand. Christian Dexne erinnert an diese Zeit in seinem Beitrag auf RBB am Abend (22.15 Uhr) in einer 45-minütigen Doku über den Weg der Eisernen zum Aufstieg in die 2. Liga und den Weg nach Europa.

Für all die, die schon Entzugserscheinungen haben, weil jetzt Sommerpause ist, ist das genau der richtige Ersatz-Stoff für Live-Kicks. Sven Beuckert, Ronny Nikol und Jörg Böhme kommen zu Wort. All die Unionfans mit den rot-weißen Perücken, die seinerzeit vom Eisernen Virus e.V. unter der Führung von Steffen Demmrich und Ralph Beringer an den Mann gebracht worden waren. André Rolle, die Stimme der Alten Försterei, als langjähriger Stadionsprecher. Ex-Präsident Heiner Bertram, der für den ersten Aufschwung der einstmals als unaufsteigbar geltenden Köpenicker stand.

Manche Szenen sind wie ein Wimmelbild

Für all diejenigen, die das damals miterleben konnten, ein Hochgenuss. Manche Szenen sind wie ein Wimmelbild. Man entdeckt immer wieder neue Details. Grit Lehmann, die langjährige Sekretärin und gute Seele des Vereins. Der leider viel zu früh verstorbene Kaffee-Kai Kunke. In manch alten SFB-Beiträgen hört man die Stimme von Jörg Hellwig, in dessen Garten die Mannschaft nach dem 5:0 gegen Wilhelmshaven den Aufstieg feierte. Nina Hagen, die trotz Playback im Olympiastadion einfach nur falsch singt. Hach!!

Hans Meyer, seinerzeit Trainer von Borussia Mönchengladbach, der wie schon 1993 mit Chemnitz gegen die Hertha-Bubis im Pokal an einer Berliner Mannschaft scheitern sollte. Das wackelige VIP-Zelt hinter dem Stadion. Das Stadion ohne Überdachung und echte Haupttribüne. Das Entstehen der Flutlichtmasten, die seit 2000 das weithin sichtbare Wahrzeichen des Stadions sind und künftig beim Ausbau weichen müssen. Da können und dürfen ruhig Tränen fließen.

Dieser Film lohnt sich: Gerne auch für die Generation von Unionfans, die erst nach dieser Zeit eisern sozialisiert wurden.