Berlin - Auf die erste Berliner Zeit dürfte Genki Haraguchi mit gemischten Gefühlen zurückblicken. Zwischen 2014 und 2018 kickte der Japaner, heute 30 Jahre alt, für Hertha BSC. Wirklich glänzen konnte er in seiner Zeit selten. Vor allem fehlte dem offensiven Mittelfeldspieler die Torgefahr.

Dass er nun beim 1. FC Union seine zweite Chance in der Hauptstadt bekommt, die die Eisernen am Donnerstag offiziell machten, liegt daran, dass er zuletzt bei Hannover 96 sehr passabel aufspielte und in 98 Spielen 15 Tore erzielte und 16 vorbereitete. Weshalb Oliver Ruhnert, Union-Geschäftsführer Profifußball, über die jüngste Verpflichtung sagt: „Genki Haraguchi ist ein Spieler, der den deutschen Fußball bereits seit vielen Jahren kennt und uns dabei mit seinen Leistungen überzeugt hat. Er ist ein technisch versierter, häufig torgefährlicher Fußballer, der uns Kreativität und Ballsicherheit bringen kann.“

Mit der Verpflichtung Haraguchis bleiben die Eisernen ihrem Stil treu, Spieler zu verpflichten, deren Verträge andernorts auslaufen. Vor Haraguchi hatte Union bereits Rani Khedira (FC Augsburg) und Levin Öztunali (Mainz 05) ablösefrei von Bundesligakonkurrenten verpflichtet. Paul Jaeckel wechselt vom Aufsteiger Greuther Fürth nach Köpenick, auch dafür wird keine Ablöse fällig. Einzig für Tymoteusz Puchacz, der von Lech Posen zu Union kommt, müssen die Eisernen tief in die Tasche greifen. Mit den kolportierten 3,5 Millionen Euro wäre er der teuerste Transfer.

Serdar Dursun gilt als Kandidat bei den Eisernen

Gerüchte über einen Transfer Haraguchis an die Alte Försterei gab es schon länger. Weil aber zwischenzeitlich Schalke 04 und der eine oder andere finanzstarke Premier-League-Klub ebenfalls ein Auge auf den ablösefreien Profi geworfen hatten, schienen die aus dem Rennen. Womöglich war die Europa-Qualifikation nun aber der entscheidende Trumpf für die Eisernen. Gut möglich, dass Haraguchis Landsmann und neuer Union-Kollege Keita Endo, 23, den letzten Anstoß in Richtung Berlin-Comeback gab. „Ich hatte eine tolle Zeit in Hannover. Jetzt freue ich mich aber, auch in der nächsten Saison wieder die Möglichkeit zu haben, in der Bundesliga spielen zu können. Union hat in den letzten Jahren bewiesen, was möglich ist, wenn man hart und als Team arbeitet“, schwärmt Haraguchi über die neue Herausforderung.

Diese Argumente sollen offenbar auch Serdar Dursun dazu bewegen, in der kommenden Saison für Union aufzulaufen. Der 29-Jährige, der in der vergangenen Saison 27 Tore für Zweitligist Darmstadt 98 erzielte und damit treffsicherster Stürmer war, steht wohl ebenfalls kurz vor einem Wechsel nach Köpenick. Wie Haraguchi wäre er ablösefrei, gemischte Erstliga-Erfahrungen fehlen ihm hingegen.