Berlin-Köpenick - Die Partie des 1. FC Union gegen Eintracht Frankfurt hatte alles, was man für ein unterhaltsames Fußballspiel braucht. Erst die blitzartige Zwei-Tore-Führung nach nur sechs Minuten durch die Tore von Robert Andrich (2.) und Max Kruse (6.), dann der Ausgleich aus dem Nichts durch einen Doppelpack von André Silva (27., 37.). In der Schlussphase dann erst der Rückstand durch Bas Dost (79.), dann doch noch der Ausgleich durch den erneut brillanten Max Kruse (82.). Ein echtes Fußballfest, jedoch irgendwie bittersüß.

Bittersüß deshalb, weil für die Eisernen nach der frühen Zwei-Tore-Führung selbstverständlich mehr drin gewesen wäre, das Ergebnis am Ende dennoch leistungsgerecht war. Dennoch stellt sich nach der Partie die Frage, was bei den Köpenickern, vor allem in Anbetracht der Paarungen in den kommenden Wochen, überwiegt: Der merkliche moralische Einbruch nach dem Anschlusstreffer der Gäste oder aber der Kampfgeist, das Spiel am Ende nach einer keineswegs schlechten Leistung wenigstens mit einem Punkt zu beenden.

Klar, optimistisch gesehen überwiegen die harten Fakten. Max Kruses sechstes Saisontor, bereits jetzt die Hälfte der letztjährigen Bestmarke von Sebastian Andersson, war kein Glückstreffer, sondern das Produkt puren Willens, diese Partie nicht kampflos aufgeben zu wollen. Den Punkt nehmen die Köpenicker im Kampf um den Klassenerhalt - alles andere ist kein Thema! - gerne mit, sind zudem seit acht Spielen ungeschlagen. Außerdem dominierte die Mannschaft von Urs Fischer die Frankfurter mindestens 25 Minuten lang nach Belieben. Darauf lässt sich aufbauen, auch wenn es gegen den FC Bayern oder Borussia Dortmund geht.

Was passiert, wenn Union im Derby in Rückstand gerät?

Doch leise bleibt eben doch die Frage, wie dieser zwischenzeitliche Einbruch nach 25 Minuten dann doch passieren konnte. Wo war die Souveränität, wo das Selbstbewusstsein, das die Eisernen in den vergangenen Wochen und vor allem nach dem 2:0 eigentlich für sich hätten beanspruchen können? Was passiert, wenn die Eisernen, was man ja durchaus in Betracht ziehen muss, gegen die kommenden Topteams in Rückstand geraten. Oder - was theoretisch auch passieren kann - im Derby am kommenden Freitag bei Hertha BSC. Ist ein ähnlicher Einbruch erneut zu erwarten?

Die kurze Antwort: Nein! Weil der 1. FC Union schon in den vergangenen Wochen bewiesen hat, dass er mit Rückschlägen umgehen kann.

Die lange Antwort: Nein! Doch die Eisernen werden die Fehleranalyse nach diesem Spiel etwas tiefgreifender anstellen müssen, denn vieles, was in den genannten vergangenen Partien gut funktionierte, klappte gegen Frankfurt eben gar nicht. Sheraldo Becker muss, nach den Lobpreisungen der vergangenen Wochen, lernen, dass nicht jedes Spiel nach dem Matchplan der Köpenicker ablaufen wird und die Ruhe bewahren, wenn es eben anders kommt. Grischa Prömel darf sich gerne Fehler erlauben, jedoch sollten nicht gerade zwei in einem Spiel zu zwei Gegentoren führen, auch wenn er mit 58 Prozent gewonnenen Zweikämpfen noch der beste Unioner war. Die Hintermannschaft, sonst so souverän, darf nicht noch einmal die Nerven verlieren, wenn der Gegner drückt und das nächste Tor erzwingen will und sich gerne fragen, wie überschaubare 58 Prozent der beste Zweikampfwert im Team sein können, wenn Frankfurts Evan N'Dicka 76 Prozent abräumte. 

Moral hat die Mannschaft jedenfalls mit dem späten Ausgleich bewiesen. Deshalb betonte auch Trainer Urs Fischer nach dem Spiel: „Für mich ist das Glas halbvoll und nicht halbleer. Bei mir überwiegt das Positive. Diese ersten 25 Minuten zu erleben, dann, wie das Spiel kippt, das war wichtig für uns, um daraus zu lernen.“