Berlin-Köpenick - Es war ein spannender Tag, den Andreas Luthe am Mittwoch erlebte. Die Taskforce Zukunft Profifußball, der der Torwart des 1. FC Union angehört, veröffentlichte am Vormittag ihre ersten Ergebnisse mit Reformvorschlägen. „Ich habe den Prozess und die Gespräche in der Arbeitsgruppe sehr genossen“, erklärte der 34-Jährige im Nachgang, bekräftigte aber auch: „Niemandem in der Taskforce reichen diese Ansätze, die Arbeit beginnt erst. Unser Anliegen ist, dass wir in den nächsten Monaten in detaillierte Gespräche gehen können.“

Dennoch war es ein weiteres Highlight in der ohnehin schon aufregenden Saison des Torhüters. Für die Eisernen bestritt er in der Hinrunde jedes Spiel, verpasste erst am vergangenen Sonnabend gegen Borussia Mönchengladbach die ersten Liga-Minuten, nachdem er mit Gegenspieler Marcus Thuram und Mitspieler Robin Knoche zusammengerauscht war. „Als ich danach auf dem Boden lag, habe ich noch gedacht, dass ich auf jeden Fall weitermachen kann. Doch als ich hochgezogen wurde, bin ich erst mal Karussell gefahren“, erinnert er sich. Rückblickend sagt er: „Gerade bei einer potenziellen Gehirnerschütterung müssen wir Profis vor uns selbst geschützt werden. Wir haben einfach den Drang, immer weiterzuspielen und es gibt Momente, in denen das gefährlich werden kann.“

Unterstützung von Urs Fischer

Bei Luthe bestätigte sich der Verdacht glücklicherweise nicht, nach einigen Minuten in absoluter Ruhe und umfangreichen Tests am Sonntag konnte der Keeper nach den freien Tagen zum Wochenbeginn wieder voll mittrainieren und wird am Sonnabend im Spiel beim FSV Mainz 05 wieder das Tor der Köpenicker hüten. Daran ließ Trainer Urs Fischer schon wenige Minuten nach der Partie gegen Mönchengladbach keinen Zweifel.

Der Schweizer scheint ohnehin ein großer Fan des Routiniers und seiner ausgeglichenen, fokussierten Art zu sein, auch wenn die beiden offenkundig kein so besonderes Verhältnis verbindet, wie es beispielsweise bei Stürmer Taiwo Awoniyi („Er ist wie ein Vater für mich“) und Fischer der Fall ist. „Er ist unbestritten ein großartiger Trainer, der es vor allem versteht, die Mannschaft, bestehend aus verschiedenen Altersgruppen und Charakteren, auf ein gemeinsames Ziel auszurichten“, sagt Luthe dennoch. Und einer, der dem 34-Jährigen in der Hinrunde auch den Rücken stärkte, als nach dem verlorenen Derby gegen Hertha BSC (1:3) Stimmen lauter wurden, Fischer möge doch Konkurrent Loris Karius mal eine Chance im Tor geben.

„Ich weiß, dass das Spiel gegen Hertha BSC sicher nicht mein stärkstes Spiel für Union war“, erklärt Luthe heute, bekräftigt aber auch: „So etwas wirft mich aber nicht aus der Bahn. Wichtig ist, dass wir danach hart dafür gearbeitet haben, dass ich mich wieder steigern konnte.“ Dem gebürtigen Velberter ist es ohnehin lieber, wenn er jenseits des Rampenlichts an seinem Spiel arbeiten kann. „Ich bin kein Schauspieler, der gern im Mittelpunkt stehen möchte. Mir geht es darum, dass wir als Mannschaft Spiele gewinnen.“

Wenn es nach Luthe geht, würde er das auch gerne noch einige Jahre machen. Nach seinem Vertragsende in Köpenick 2022 soll es auf jeden Fall noch weitergehen. „Mit 34  kenne ich mich so gut, dass ich auf jeden Fall noch weiterspielen will. Ich will auch nicht mit meinem 20 Jahre alten Torwart-Ich tauschen. Und habe auch gar keine großen Ziele mehr. Ich will einfach noch auf dem höchstmöglichen Niveau spielen.“