Berlin-KöpenickManchmal kann das Schicksal in einem einzigen Moment eine neue Wendung bekommen. Der bulgarische Innenverteidiger Wassil Boschikow hat am Sonntagabend im Nations-League-Spiel gegen Finnland mit seinem ruppigen Einsteigen gegen Joel Pohjanpalo wohl kaum bezwecken wollen, dass der Stürmer des 1. FC Union sich verletzt. Aber es passierte. Pohjanpalos Sprunggelenk wurde bei dem Foul so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der 26-Jährige zunächst minutenlang behandelt und dann ausgewechselt werden musste. Am Montag folgte die bittere Wahrheit: Der Leihstürmer von Bayer 04 Leverkusen muss operiert werden, fällt „längerfristig“ aus, wie die Eisernen bekannt gaben. Fraglich ist, ob der Finne sich in diesem Jahr noch erholt.

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Joel Pohjanpalo kann erst mal nicht mehr für Union gegen den Ball treten.

Dabei stehen für die zuletzt so erfolgreichen Eisernen gerade jetzt so etwas wie die Wochen der Wahrheit an. Bis zur Pseudo-Winterpause gibt es keine Spielpausen mehr, das Team von Trainer Urs Fischer muss in den kommenden Wochen beweisen, ob die teils unwirklich wirkenden Topleistungen der ersten sieben Spieltage, die den 1. FC Union bis auf Rang fünf in der Tabelle katapultierten, konstant und gegen Spitzenteams abrufbar sind. Denn bis Weihnachten messen sich die Eisernen noch mit dem FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und mit dem Stadtrivalen Hertha BSC. Und so stellt sich schon vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln am Sonntag (18 Uhr) die Frage, wer in Bezug auf den 1. FC Union eher Pessimist und wer eher Optimist ist.

Die Pessimisten würden anmerken, dass den Köpenickern ausgerechnet jetzt die Optionen im Angriff ausgehen. Denn weiterhin fehlt Stürmer Anthony Ujah, der mit seiner Erfahrung und aufgrund seiner Qualitäten der optimale Ersatz für Pohjanpalo wäre. Die derzeit einzige Option im Sturmzentrum ist die Liverpool-Leihgabe Taiwo Awoniyi, der bereits in der Vorsaison beim FSV Mainz 05 lediglich auf ein einziges Bundesligator kam. Die Pessimisten wären mindestens skeptisch, ob das für die Spitzenteams der Bundesliga ausreicht.

Vertrauen in Trainer Urs Fischer

Die Optimisten sehen indes, dass sich der Nigerianer schon nach wenigen Wochen am Stadion An der Alten Försterei sichtbar weiterentwickelt hat. Bereits gegen die TSG Hoffenheim sorgte der 23-Jährige für Chaos in der Defensive der Kraichgauer. Sein erster Treffer für den 1. FC Union scheiterte an diesem Abend lediglich an seiner Aufregung.

Darüber hinaus kennen die Optimisten Unions Trainer Urs Fischer lange genug, um davon überzeugt zu sein, dass der Schweizer Trainerfuchs auch für den Ausfall von Pohjanpalo eine Lösung findet, die nicht nur den Gegner (negativ), sondern auch die eigenen Anhänger (positiv) überrascht. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Eisernen unter seiner Führung aus der Not heraus neu erfinden.