Berlin - Max Kruse ist zurück. Gegen die TSG Hoffenheim stand der ehemalige Nationalspieler nach einer fast dreimonatigen Verletzungspause wieder in der Anfangsformation des 1. FC Union, brachte sich als Einfädler, Torschütze und – so lange seine Kräfte reichten – als leidenschaftlicher Vorarbeiter beim Pressing ein. Das ist die eine gute Nachricht für die Fans der Eisernen von diesem Fußballnachmittag im Stadion An der Alten Försterei. Die andere lautet: Trotz einer schwachen Mannschaftsleistung konnte die Elf von Urs Fischer mit dem 1:1 (1:1) gegen die Kraichgauer ihren Heimnimbus wahren, ist mit 34 Punkten nach 23 Spielen noch immer weit über Soll und auf dem besten Wege, vorzeitig den Klassenerhalt zu sichern. Aber kann das noch der Anspruch sein für ein Team, das in dieser Saison schon so viel Positives erfahren, sich so viel positive Momente erarbeitet hat? Wohl kaum.

Es war ein glücklicher, aber auch ein gewonnener Punkt.

Urs Fischer

„Bis zum Gegentreffer war es ein gutes Spiel von uns, danach haben wir allerdings die Linie verloren“, sagte Kapitän Christopher Trimmel. „Das war mutlos, wir haben nicht mehr richtig nach vorne verteidigt, haben uns reindrängen lassen. Aber grundsätzlich war das doch ein gerechtes Unentschieden.“ Das kann man so sehen, muss man aber nicht. In Anbetracht der Anzahl der jeweiligen Torschüsse kann man auch zu einem anderen Schluss kommen. Trotz Kruse stand in dieser Kategorie nämlich ein 5:14 zu Buche. Das hatte auch Fischer bei seiner Analyse im Blick, unumwunden gestand er: „Es war ein glücklicher, aber auch ein gewonnener Punkt. Hoffenheim hatte über die 90 Minuten die besseren Torchancen. Und wir hatten heute nicht unseren besten Tag.“

Am 4. Dezember vergangenen Jahres hatte sich Kruse beim Stadtderby gegen Hertha BSC einen Muskelbündelriss zugezogen, nachdem er in den Spielen zuvor für die Köpenicker als die erhoffte Verstärkung in Erscheinung getreten war. Es gibt eben nur wenige, die über ein derart gutes Gespür für den richtigen Moment verfügen, die sich so angstfrei über den Platz bewegen wie der 32-Jährige. Aber genug der Lobhudelei: Über seine außerordentlichen Fähigkeiten wurde ja da wie dort schon hinreichend referiert. 

In Fischers 3-3-2-2-System stürmte Kruse jedenfalls an der Seite von Joel Pohjanpalo. Für Marius Bülter hatte dies einen Platz auf der Ersatzbank zur Folge. Ein wenig mehr Finesse, dafür etwas weniger Wucht war also im Spiel der Eisernen, was bereits nach acht Minuten die gewünschte Wirkung zeigte.

Österreicher foult Österreicher

Kruse war auf den rechten Flügel ausgewichen, drehte sich nach einem Zuspiel aus dem Mittelfeld gekonnt in Position, erkannte, dass Trimmel mit der Erwartung eines Zuspiels in den Hoffenheimer Strafraum eingelaufen war. Kruse passte flugs in die Tiefe, Trimmel kam vor Florian Grillitsch an den Ball, der Österreicher in Weiß brachte den Österreicher in Rot zu Fall: Elfmeter. Und das ist natürlich eine Sache für Kruse, der den Ball nach drei Schritten Anlauf zum 1:0 in den Winkel jagte. „Den treff ich schon nicht schlecht“, sagte Kruse im Nachgang, gestand dabei, dass er den Winkel gar nicht anvisiert hatte. Es war sein siebtes Saisontor.

So ein früher Führungstreffer hilft einem für gewöhnlich ja dabei, Automatismen in Gang zu setzen. Doch was Fischer von seiner Mannschaft zu sehen bekam, war eine seltsame Unentschlossenheit im Handeln beziehungsweise allerlei Schlampereien im Einmaleins des Bundesligafußballs. Ja, seine Elf setzte nicht das um, was er von ihr gefordert hatte, geriet deshalb wiederholt in Notsituationen.

Keeper Karius ist gefordert

Keeper Loris Karius war schließlich gefordert, parierte mehrmals prächtig. In der 13. Minute lenkte er einen Fernschuss von Grillitsch um den Pfosten, in der 20. Minute war er mutig und handlungsschnell zur Stelle, als Nico Schlotterbeck seinen Gegenspieler Ihlas Bebou aus den Augen verlor. Nur in 29. Minute hatte der Schlussmann keine Fortune, als er sich in eine Flanke von Andrej Kramaric warf, mit seiner Abwehraktion aber letztlich den Kollegen Nico Schlotterbeck zum Eigentorschützen machte. 

Fischer sah sich bereits nach 45 Minuten zur Reaktion gezwungen, brachte Bülter für Christopher Lenz, der das Gegentor mit einem Fehlpass eingeleitet hatte. Doch all die personellen Eingriffe, die der Schweizer an diesem Nachmittag tätigte, änderten nichts am Lauf der Dinge. Harmlos im Angriff, anfällig in der Defensive war seine Mannschaft, die Glück hatte, dass Schlotterbeck in der 80. Minute per Kopf einen Ball von der Linie kratzte und zwei Minuten später bei einem Treffer Pavel Kaderabek wegen einer Abseitsstellung der Videoschiedsrichter in Köln aktiv wurde.