Berlin-KöpenickDer 1. FC Union ist furios in die laufende Bundesligasaison 2020/21 gestartet. Unzählige kleine und große Erfolgsfaktoren haben dabei zu zwölf Punkten aus den ersten sieben Spielen geführt. Und das Beste: Der Erfolg wirkt, als wäre er nachhaltig und nicht vom reinen Glück oder gar von schwachen Gegnern begünstigt.

Einer dieser Erfolgsfaktoren ist das erneut mehr als glückliche Händchen von Sportchef Oliver Ruhnert bei den Transfers. Elf Neuzugänge lotsten die Eisernen an die Alte Försterei, bis auf zwei Ausnahmen sogar ablösefrei. Zeit für ein erstes Transfer-Zwischenfazit.

Absolute Volltreffer

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Max Kruse.

Max Kruse: Der 32-jährige frühere Nationalspieler wird am ehesten mit dem Aufschwung der Eisernen in Verbindung gebracht. Drei Treffer und fünf Vorlagen gelangen dem gebürtigen Reinbeker seit seiner Ankunft in Köpenick. Er erweckt den Anschein, als würde er das Spiel von oben betrachten und hätte stets ein Auge für freie Räume, in die er seine Kollegen schickt oder selbst hineinstößt. Auch neben dem Platz ist Kruse mit seiner entspannten Art eine absolute Bereicherung für die Mannschaft, den Klub und die Bundesliga.

Andreas Luthe: Als der 33-Jährige in Köpenick vorgestellt wurde, rechneten viele damit – aufgrund seiner zuvor überschaubaren Einsätze beim FC Augsburg –,  dass der Keeper hinter einem weiteren Neuzugang auf der Bank Platz nehmen würde. Doch Trainer Urs Fischer vertraute auch nach der Verpflichtung von Loris Karius auf Luthe, der es nicht nur mit seiner großherzigen, kollegialen und bodenständigen Art, sondern auch auf dem Rasen mit starken Paraden dankte.

Wichtige Startelfspieler

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Joel Pohjanpalo.

Joel Pohjanpalo: Der finnische Nationalspieler deutete in seinen sechs Einsätzen für die Eisernen an, dass er ein adäquater Ersatz für den letztjährigen Toptorschützen Sebastian Andersson sein kann – wenn nicht sogar mehr. Denn als Startelfspieler zeichnete er sich, neben dem von Andersson bereits bekannten Fleiß, auch durch eine beeindruckende Beweglichkeit aus. Als Joker wiederum erledigte er das, was man schon zuvor von ihm aus der Bundesliga kannte: Er traf, bei zwei Einwechslungen zweimal.

Robin Knoche: 190 Bundesliga-Einsätze sind ein echtes Brett, die Erfahrung daraus bringt Robin Knoche seit dem ersten Spieltag ausnahmslos auf den Rasen. Kleinere Fehler, wie den beim 3:1 in Hoffenheim, bügelt er mit tollem Einsatz selber aus und harmoniert dabei in der Innenverteidigung mit Marvin Friedrich.

Gute Ansätze

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Sebastian Griesbeck.

Sebastian Griesbeck: Der Zugang aus Heidenheim ist der Allrounder unter den Neuzugängen, kann in der Defensive aushelfen und seinen Gegenspielern mit starkem Einsatz das Spiel vermiesen. Doch auch offensiv hat der 30-Jährige echte Qualitäten, die er in Kurzeinsätzen zumindest schon andeuten durfte.

Nico Schlotterbeck: Beim jüngeren Bruder von Keven Schlotterbeck grätschte ein Muskelfaserriss nach den vielversprechenden ersten beiden Einsätzen dazwischen. Er deutete an, dass er einen für einen Verteidiger starken Fuß hat. Unklar ist, wo sein Platz in der zuletzt bestens funktionierenden Viererkette sein könnte.

Cedric Teuchert: Der Stürmer kam mit großen Hoffnungen an die Alte Försterei und musste dennoch erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Teuchert trainierte eifrig und wurde mit Kurzeinsätzen und zuletzt zwei Jokertoren belohnt.

Keita Endo: Um Geduld hatte Unions Sportchef Oliver Ruhnert mit dem japanischen Youngster geworben, der dennoch kaum erwarten konnte, Bundesligaluft zu schnuppern. Sein Debüt wurde zum Kuriosum: Erst traf er nach drei Minuten, dann musste er verletzt raus. Doch was er auf den Platz bringt, ist vielversprechend.

Taiwo Awoniyi: Die Leihgabe vom FC Liverpool wirkte nach dem Abgang von Sebastian Andersson zunächst wie eine günstige Notlösung. Doch der Nigerianer, der sein erstes Saisontor bei mehreren guten Chancen gegen Hoffenheim nur knapp verpasste, passte sich schnell an Unions Spielweise an und ist zudem neben dem Platz gut für die Stimmung. Er muss allerdings noch konstanter werden.

Benötigen noch Zeit

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Loris Karius.

Loris Karius: Beinahe jeder hatte damit gerechnet, dass Karius die klare Nummer eins in Köpenick sein würde. Doch Urs Fischer vertraut auf Andreas Luthe. Was mehr an Luthe als an Karius liegt, der sich im Training redlich bemüht, am Ende aber eben doch auf der Bank sitzt. Die große Frage lautet: Was passiert, wenn sich das bis zur Winterpause nicht ändert? Ein Jahr auf der Bank eines Bundesligisten macht für den vom FC Liverpool geliehenen Torhüter keinen Sinn.

Niko Gießelmann: Der Zugang von Fortuna Düsseldorf feuert auf der linken Verteidigerseite die Konkurrenz mit Christopher Lenz an. Sagt Christopher Lenz, der Gießelmann deutlich für seinen Trainingseifer lobt. Sieben Bundesliga-Minuten lassen ein faires Fazit zum 29-Jährigen aber noch nicht zu. Am starken Lenz kommt er derzeit kaum vorbei.