Genki Haraguchi will bei Union bleiben, muss dafür aber flugs konstanter werden

Der Japaner saß bei den Eisernen in der ersten Saisonhälfte meist auf der Bank. Im Trainingslager kämpft er nicht nur um einen Platz in der Startelf.

Genki Haraguchi kämpft im Union-Trainingslager in Spanien um die Gunst von Trainer Urs Fischer.
Genki Haraguchi kämpft im Union-Trainingslager in Spanien um die Gunst von Trainer Urs Fischer.Matthias Koch

Er läuft und läuft und läuft, aber wie lange noch im Trikot der Eisernen? Genki Haraguchi hat beim 1. FC Union Berlin eine sehr durchwachsene Hinrunde gespielt. Der Japaner ist zwar, wenn er denn darf, Dauerrenner, aber unter Trainer Urs Fischer eben nicht Dauerbrenner. „Genki heißt auf Deutsch übersetzt Energie“, lächelt Haraguchi nach der Frage zu seinen beeindruckenden konditionellen Fähigkeiten. Das Problem: In Pflichtspielen konnte er die zuletzt nur noch selten zeigen.

Lediglich viermal ließ Fischer den Mittelfeldspieler in dieser Bundesliga-Saison von Beginn an ran. Überzeugen konnte Haraguchi den Trainer dabei offenbar zu selten für weitere Einsätze. „Ich muss noch konstanter werden“, weiß der 74-malige Nationalspieler, der nach der Vormittagseinheit im Wintertrainingslager der Unioner im spanischen Campoamor so offen wie nüchtern über die vergangenen Monate und seine aktuelle Situation spricht. 

Bei der WM nur Zuschauer

„Sehr enttäuscht“ sei er von der Nichtberücksichtigung von Nationaltrainer Hajime Moriyasu für die Weltmeisterschaft in Katar gewesen. Die Überraschungssiege gegen Deutschland (2:1) und Spanien (2:1) und den damit verbundenen Einzug ins Achtelfinale, wo die Japaner im Elfmeterschießen an den Kroaten scheiterten, erlebte er so nur vor dem Fernseher.

Klar ist aber auch, dass Haraguchi bei den Eisernen in der laufenden Saison bis dato auf zu wenige Einsatzminuten gekommen ist, als dass eine Teilnahme beim umstrittenen Turnier im Wüstenstaat gerechtfertigt gewesen wäre. Im zentralen Mittelfeld sind Rani Khedira als Abräumer vor der Abwehr und Janik Haberer auf halb linker Position gesetzt und haben sich mit starken Leistungen nahezu unverzichtbar gemacht. Die noch offene Position im halb rechten Mittelfeld bekleidete meist András Schäfer, der nach seiner Fußoperation gerade noch an der Rückkehr ins Mannschaftstraining arbeitet. Ein weiterer Konkurrent, Morten Thorsby, hat die Reise ins Trainingslager gar nicht mitgemacht, weil er sich ebenfalls einem operativen Eingriff unterziehen muss.

Tor per Flugkopfball im Derby

Schlägt nun also die Stunde von Genki Haraguchi? Im Kreis der Reporter will er keine große Kampfansage machen, sagt aber seiner bisherigen Rolle zum Trotz Folgendes: „Ich glaube immer an mich und will meine Leistung zeigen, wenn ich hier wieder die Chance bekomme.“ Und nicht nur für einen Platz in der Startelf wäre das wichtig: Haraguchis Vertrag läuft im Sommer aus. Kurz vor Saisonende feiert er seinen 32. Geburtstag. Da liegt es nicht fern, dass ihm die Verantwortlichen bei den Übungseinheiten momentan ganz genau auf die Füße schauen. „Ich kann mir vorstellen, länger zu bleiben“, sagt Haraguchi, „aber das kann ich nicht entscheiden.“ Beeinflussen aber schon.

In der vergangenen Spielzeit erlebte Haraguchi noch große Momente, gewöhnte sich nach seinem Wechsel aus Hannover rasch wieder an das Tempo in der Bundesliga. In 30 von 34 Spielen kam er zum Einsatz, bereitete sechs Treffer vor, erzielte zwei weitere selbst. Den berauschenden 4:1-Erfolg im Derby bei Hertha BSC brachte er mit seinem Flugkopfball erst auf den Weg.

Nils Malzahn, Reporter der Berliner Zeitung, traf Genki Haraguchi im Trainingslager von Union Berlin.
Nils Malzahn, Reporter der Berliner Zeitung, traf Genki Haraguchi im Trainingslager von Union Berlin.Matthias Koch

„Genki, zu viele Kontakte. Früher spielen“, rief Fischer am Donnerstag über den Platz, als dem der Ball im Zweikampf abgenommen wurde. Kurz darauf zeigte er dann wieder sein ganzes Potenzial, als er in einer fließenden Bewegung den Ball mit der Brust annahm und punktgenau zum Mitspieler weiterleitete. Konstanz – es ist und bleibt das Zauberwort für Genki Haraguchi.

Unterdessen hat sich im Köpenicker Kader eine weitere Personalie geklärt. Fabio Schneider schließt sich dem Greifswalder FC an und läuft ab sofort in der Regionalliga Nordost auf. Bei der Mannschaft von Trainer Roland Kroos hat er einen Vertrag bis 2024 unterschrieben. Nach Laurenz Dehl (ausgeliehen zu Viktoria Berlin, die Berliner Zeitung berichtete) verlässt damit das nächste Eigengewächs den Verein. Bei den Profis kam der 20-Jährige in der Hinrunde nicht zum Einsatz.