Berlin-KöpenickEs ist schon kurios: Wer in diesen Tagen ein Bild von Cedric Teuchert im Trikot des 1. FC Union sucht, findet nahezu ausschließlich Aufnahmen, auf denen der 23-Jährige bis über beide Ohren strahlt. Ob beim Bejubeln seiner Joker-Tore gegen die TSG Hoffenheim und Arminia Bielefeld oder einfach beim Training – der Stürmer sieht einfach immer glücklich aus. Und das Beste: Er ist es auch, obwohl seine sportliche Situation durchaus anderes vermuten lassen würde.

Mit großen Hoffnungen kam der gebürtige Coburger im Sommer an die Alte Försterei. Nach einem erfolgreichen Leihgeschäft bei Zweitligist Hannover 96 wollte der ehemalige Wunderstürmer der deutschen U21-Nationalmannschaft (acht Tore in acht Einsätzen) noch einmal in der Bundesliga durchstarten. Die Eisernen suchten indes einen hängenden Stürmer, der sowohl in der Lage ist abzuschließen als auch das Spiel zu dirigieren, denn sie wollten in der Offensive flexibler agieren.

Dass der beim 1. FC Nürnberg ausgebildete Profi den Saisonstart allerdings auf der Bank erlebte, lag weniger an der Verpflichtung von Max Kruse, der sich auf Teucherts Position in den vergangenen Wochen als derzeit wohl bester deutscher Spieler überhaupt etablierte, sondern vielmehr daran, dass sich die Eisernen taktisch zunächst einmal selbst neu erfinden mussten. Versuchte es Trainer Urs Fischer zunächst mit einer Spitze, Marcus Ingvartsen gegen Augsburg und Taiwo Awoniyi gegen Mönchengladbach, schlug dann ab dem dritten Spieltag, beim 4:0 gegen den FSV Mainz 05, Kruse als zweite Spitze richtig ein und war fortan aus der Startelf nicht mehr wegzudenken. Für Teuchert blieb bislang nur die Rolle des Einwechselspielers.

Cedric Teuchert: „Max Kruse ist ein extremer Gönner“

Bemerkenswert: Der 23-Jährige nahm sein Ego zurück und wartete geduldig auf seine Chancen. „Ich bin kein Spieler, der Stunk macht. Hauptsache, wir haben Erfolg“, erklärt er. Diese Einstellung brachte er auf den Trainingsplatz, was nicht nur Trainer Fischer beeindruckte, der Teuchert zumindest immer wieder für Kurzeinsätze aufs Feld beorderte, sondern auch Mitspieler Kruse. In der Schlussphase des 3:1 gegen die TSG Hoffenheim „schenkte“ der Routinier dem Joker den sicheren Schlusstreffer. „Ich wusste, dass er mir den Ball querspielt, weil er ein extremer Gönner ist. Ich habe mich, glaube ich, tausendmal bei ihm bedankt“, erinnert sich Teuchert an die Szene.

Eine knappe Woche später brauchte es beim 5:0 gegen Arminia Bielefeld nicht einmal die Hilfe Kruses für Teucherts zweites Saisontor. Gegen die Ostwestfalen traf er nach schöner Vorlage von Andy Gogia. Ein Tor, das dem Stürmer noch mehr Selbstvertrauen verlieh. „Wenn ich Selbstvertrauen habe, weiß ich, dass ich ein ganz anderes Spiel habe“, gesteht er und ergänzt: „Ich glaube, ich bin ein Kopfmensch, der dieses Selbstvertrauen auch braucht.“

Dabei hilft ihm auch die, wie er selbst sagt, „unfassbare“ Stimmung im Team der Köpenicker. „Ich habe auf und neben dem Platz noch nie so eine gut befreundete Mannschaft erlebt. Ich habe mich seit dem ersten Tag wohlgefühlt“, schwärmt er. Auch deshalb strahlt der Stürmer derzeit auf jedem Bild. „Im Moment bin ich wirklich glücklich, nicht nur wegen der Tore, sondern auch ganz allgemein.“ Zufrieden ist er, ganz der Profifußballer, aber nie so ganz: „Mein nächstes Ziel ist jetzt natürlich, weiter zu treffen und so bald wie möglich auch von Beginn an zu spielen.“

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch. Max Kruse, derzeit nach einer verschleppten Verletzung aus seiner Zeit bei Fenerbahce Istanbul ohnehin noch nicht im Vollbesitz seiner Fitness, hatte schon in der Vergangenheit immer mal wieder mit kleineren Blessuren zu kämpfen, dürfte kaum die kommenden 28 Spiele über 90 Minuten voll bestreiten. Jeder starke Einsatz von Teuchert zeigt Trainer Urs Fischer, dass er dann noch einen selbstbewussten Angreifer in der Hinterhand hat.