Berlin - Es hagelte Kritik. Und Unverständnis. Zu gehen? Nach mehr als 200 Spielen. Als offizieller Vizekapitän und designierter neuer Spielführer. Nach Deutschland in die Zweite Liga? Christopher Trimmel kann sich noch gut daran erinnern, was alles auf ihn einprasselte, als er 2014 bekannt gab, Rapid Wien verlassen zu wollen.

Noch ist seine Zukunft beim 1. FC Union offen, nachdem er mit 216 Spielen nun sogar mehr Kicks für die Eisernen als für den österreichischen Rekordmeister absolviert hat. Der Vertrag bei den Köpenickern läuft am Saisonende aus. Und der 33-Jährige sorgte für Aufhorchen, als er jüngst erklärte: „Manchmal muss man auch aus seinem gewohnten Umfeld ausbrechen, um sich weiterzuentwickeln. Das war bei meinem Abschied von Rapid der Fall und passiert in Zukunft vielleicht noch mal.“ Spekulationen schossen ins Kraut, dass er damit seinen Abschied von den Eisernen ankündigen wollte. 

Das habe er damit nicht befeuern wollen, stellte der Burgenländer in einer virtuellen Medienrunde klar. Ihm sei es nur darum gegangen zu erklären, was ihn zu dem Wechsel zu Union bewogen hatte. „Auch mal auszubrechen aus dem, was man kennt, bezog sich für mich mehr auf meine seinerzeitige Situation bei Rapid. Das war damals ein wichtiger Schritt für mich. In Österreich haben wir ja viermal im Jahr gegeneinander gespielt“, erinnert sich der eiserne Flankengott an die Situation im Jahr 2014 zurück. 

Damit ist ein Verbleib in Köpenick zwar noch nicht final geklärt, aber die Weichen in diese Richtung gestellt. „Ich kann noch nichts dazu sagen, da ist alles offen. Aber ich fühle mich wohl bei Union, spiele in der Liga, wo jeder hin möchte. Die Bundesliga ist top, top, top. Wenn man sich so gut fühlt, wie ich jetzt, und in so einer geilen Liga spielt, muss man schauen, ob man wirklich in eine exotische Liga wechselt“, mahnt Trimmel zur Gelassenheit. Denn gerade in Corona-Zeiten, wo das Geld bei allen Vereinen knapp sei und man nicht mehr so „easy-peasy“ den Klub wechselt, sei es nur logisch, dass Entscheidungen nicht übers Knie gebrochen werden. „Vereine schmeißen das Geld nicht mehr so raus, das schiebt sich alles ein Stückchen nach hinten raus“, so Trimmel.

Eine ähnliche Gelassenheit legt Trimmel an den Tag, wenn es um die letzten Spiele der Köpenicker geht. Schon fünfmal in Folge wurde vergeblich einem Dreier hinterhergehechelt. „Gott sei Dank ist es so, dass wir intern keine Krise ausrufen. Das ist völlig normal, dass so eine Serie mal kommt. In der letzten Saison hatten wir vor der Corona-Unterbrechung und nach Wiederbeginn auch mal so eine Phase, da waren es, glaube ich, sogar sieben Spiele am Stück. Außer den Bayern geht es doch jeder Mannschaft im Laufe der Saison einmal so“, meint der Burgenländer.

Dass sich das Blatt bald wieder wenden wird, davon ist Trimmel überzeugt. „Uns ist und war wichtig die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Wenn wir jetzt alle Spiele schlecht gespielt hätten, dann wäre das schlimmer“, sagte der 33-Jährige. Leipzig und Augsburg wären gute Spiele gewesen. Auch Schalke. Nur dass man sich da nicht belohnt habe. „Positiv ist doch, dass wir uns Torchancen erspielen. Als Max Kruse verletzt ausfiel, haben viele gedacht, da wird etwas wegbrechen. Das ist aber auch nicht passiert. Jetzt haben wir eben eine kleine Phase, wo uns vielleicht das Matchglück ein bisschen fehlt“, sagte Trimmel weiter. 

Mit dazu beitragen könnte natürlich, wenn Vorlagenkönig Trimmel selber mal treffen würde. Seine letzte Bude datiert noch aus grauen Zweitligatagen, als er zum Saisonauftakt 2017/18 in Ingolstadt den Siegtreffer markierte.  

Also wann, bitte schön, macht er jetzt mal sein Tor? Eine Bemerkung, die ihn herzhaft lachen lässt. Die Kritik müsse er sich gefallen lassen. „Ich bin Verteidiger, bei dem Thema mache ich mir keinen Druck. Das wäre anders, wenn ich Stürmer wäre. Da könntet ihr jetzt Minuten zählen.“ Er hat zudem eine einfache Erklärung für seine Torungefährlichkeit: „In einer Viererkette ist es nun mal schwierig, als Rechtsverteidiger zu Abschlüssen zu kommen. In der Fünferkette bin ich etwas offensiver aufgestellt, da kommt das eher infrage. In Augsburg war ich ja schon nahe dran.“

Wichtiger ist ihm da, dass seine Flanken und Eckstöße wieder zum Torerfolg führen. „Das ist schon eine Waffe. Das üben wir jede Woche“, sagt der 33-Jährige. Denn zum Siegen gehören Tore. Und die sind Union seit 239 Minuten nicht mehr gelungen.