Berlin-Köpenick - Das, was sich am Sonnabend so ab Minute 65 im Stadion An der Alten Försterei abspielte, hatte den Stoff für ganz großes Kino. Mitten im hart, aber fair umkämpften Kick zwischen dem 1. FC Union und Borussia Mönchengladbach musste Stammkeeper Andreas Luthe raus und Liverpools Leihgabe Loris Karius unvermittelt für ihn einspringen. Das Spiel stand auf Messers Schneide. Man bangte um die Schwere der Verletzung Luthes. Und jeder fragte sich, was da wohl jetzt kommen werde? Würde Karius gar zum Helden werden können? Oder eher wieder so wie beim Pokal-Aus gegen Paderborn kurz vor Weihnachten eine unglückliche Figur abgeben? Von null auf hundert aus dem Kalten ist ja keine so ganz einfache Aufgabe.

Dass es am Ende hieß: „Drama? Welches Drama?“, lag zum einen dann an Karius selber. Der fischte nämlich in der Nachspielzeit einen kreuzgefährlichen Kopfball von Gladbachs Marcus Thuram aus dem Winkel, sicherte mit dieser Glanztat das 1:1 (1:0)-Unentschieden, mit dem die Köpenicker nach zuletzt zwei Pleiten in Folge wieder ein Achtungszeichen sendeten. Achtungszeichen auch deshalb, weil die Borussia als Champions-League-Achtelfinalist ja alles andere als Laufkundschaft ist dieser Tage. 

Den anderen Part zur Minderung der Dramatik lieferte Luthe dann selber am Sonntag via Twitter. „Kopfschmerzen und ein weiterer Punkt. Gute Teamleistung“, lautete das Fazit des 33-Jährigen, der sich allerdings noch einem gründlichen Medizincheck unterziehen wird, um sicherzugehen, dass er sich nicht doch noch eine stärkere Gehirnerschütterung zugezogen hatte.

Dass dem so sein könnte, danach hatte es ja zunächst ausgesehen. Im Getümmel um den Ball ging Luthe volles Risiko, bekam zunächst Thurams Oberschenkel an den Kopf und landeten zu allem Überfluss dann mit dem Schädel auch noch krachend auf dem Beckenknochen von Mitspieler Robin Knoche. Dass der seinen ersten Treffer für die Eisernen (31.) erzielt hatte und so dem Spiel die richtige Wendung gab, war im Drehbuch zwar erfreut aufgenommen worden, wenn auch nicht zwingend vorgesehen. Doch als Prellbock für seinen Torhüterkollegen, das hätte es aus Köpenicker Sicht nicht zwingend gebraucht.

Minutenlang lag Luthe auf dem Rasen und wurde behandelt. Beim Gang zur Seitenlinie wirkte der 1,95 m lange Schlussmann reichlich benommen. Aber immerhin ging er auf eigenen Füßen, auch wenn ihm schummerig vor den Augen geworden war. Am Ende des Abends war er auch ansprechbar. Nichts passiert also, auch wenn er natürlich noch den Auswärtstrip nach Mainz am kommenden Wochenende eventuell verpassen könnte. 

Fischer sieht keine Torwartdebatte

Auch das mögliche Aufkommen einer Torwartdebatte sah Fischer als nicht gegeben. Selbst wenn Karius am kommenden Spieltag noch ein weiteres Mal zum Zuge kommen sollte. Luthe, so Fischer, habe doch bislang überzeugend agiert. „Ich wüsste nicht, warum jetzt eine Debatte ausbrechen sollte. Es gibt aus meiner Sicht keine Diskussion“, so der Schweizer Fußballlehrer.

Zuletzt trug das Remis gegen den Champions-League-Achtelfinalisten dazu bei, alles Weitere zu entdramatisieren. Die zwei Niederlagen zuvor haben die Eisernen nicht in einen Abwärtssog gezogen. Besorgt über eine solche Gefahr hatte sich Fischer ohnehin nicht sonderlich gezeigt. „Solche Phasen hat jede Mannschaft einmal. Wir hatten sie noch nicht in dieser Saison“, sagte Fischer, der darauf verwies, dass Union aus seiner Sicht in Leipzig und Augsburg keine schlechten Spiele gemacht, eben nur die Punkte habe liegen lassen. 

Bei noch 15 ausstehenden Spielen sollte es den Köpenickern also nicht schwerfallen, die noch benötigten elf Zähler zum Klassenerhalt einzusacken. Und das völlig unabhängig davon, wer im Tor steht.