Berlin-Köpenick - VfL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen, RB Leipzig. Naja, und Werder Bremen. Das Restprogramm des 1. FC Union in der Saison 2020/21 liest sich dennoch recht knackig, ehe es für die Eisernen nach einer so verdichteten wie umjubelt starken Spielzeit schließlich in die verdiente Sommerpause geht. Die Köpenicker haben den Klassenerhalt längst sicher, könnten sich nun ein wenig zurücknehmen und das anstrengende Spieljahr, das nicht einmal eine „echte“ Winterpause hatte, ausklingen lassen. Doch darauf hat Trainer Urs Fischer noch keine Lust. Vor dem Heimspiel gegen die Bremer (Sonnabend, 15.30 Uhr) verkündet der Schweizer deshalb: „Wir wollen alles daran setzen, die Teams über uns noch ein bisschen zu ärgern.“

Späte Attacke von Urs Fischer

Oberflächlich betrachtet wirkt die späte Attacke des Erfolgstrainers fast ein wenig überraschend. War er doch im Saisonverlauf stets die treibende Kraft hinter der Strategie gewesen, den Ball flach zu halten und auf das Saisonziel Klassenerhalt zu verweisen, wenn die Öffentlichkeit schon von der Europa League oder gar der Champions League träumte. Doch nun, wo eben dieses Saisonziel erreicht ist, haben die Eisernen, so platt es auch klingt, wenig zu verlieren. Und so ist die kleine Attacke auf die Spitzenteams der Liga erfreulich berechtigt.

Mehr noch: Besagte Mannschaften sollten sich warm anziehen, denn die Köpenicker sind stets besonders motiviert, wenn es darum geht, andere Teams zu ärgern. In der Hinrunde verloren die Eisernen beim 1:2 in Leipzig nur ein einziges Mal gegen ein Team aus dem oberen Tabellendrittel, in der Rückrunde kamen zumindest noch die Niederlagen gegen Eintracht Frankfurt (2:5) und zuletzt Borussia Dortmund (0:2) hinzu. Dabei waren die Unioner in diesen beiden Rückrundenpartien keinesfalls die schlechtere Mannschaft. In Frankfurt gelang es ihnen aber nicht, von 25 Torschüssen mehr als zwei zu verwandeln, in Dortmund traf das Abschlusspech auf Schiedsrichterfrust.

Dennoch könnten die Eisernen im Kampf um die internationalen Ränge zum entscheidenden Faktor werden und das Kandidatenfeld noch einmal mächtig aufwirbeln – selbst wenn ihnen der eigene Sprung in die Conference League womöglich nicht mehr gelingt. Zuvor haben sie jedoch noch einmal einen Anteil am Abstiegskampf. Im Spiel gegen Bremen geht es zum einen darum, die gute Heimbilanz von sechs Siegen, acht Remis und nur einer Niederlage auszubauen. Zum anderen könnten die Köpenicker aber auch noch Schützenhilfe für den in Quarantäne befindenden Lokalrivalen Hertha BSC leisten, der als derzeit Drittletzter für einen Sieg der Unioner gegen die ebenfalls abstiegsbedrohten Hansestädter äußerst dankbar sein dürfte.

Max Kruse hat „Ideen im Kopf, was uns hilft“

Hierbei soll vor allem Ex-Bremer Max Kruse helfen. Der Offensivspieler, der von Trainer Fischer vor der Partie ebenfalls ungewohnt euphorisch als „Verbindungsspieler, der Ideen im Kopf hat, was uns hilft“, bezeichnet wurde, trifft, nachdem er das Hinspiel noch verletzungsbedingt verpasst hatte, erstmals im Trikot der Eisernen auf seinen früheren Klub. Der hat nach dem vereinseigenen Negativ-Rekord von sechs Niederlagen in Folge alle Hände voll zu tun, den in der vergangenen Saison in letzter Sekunde abgewendeten Abstieg nicht in diesem Spieljahr noch nachzuholen. „Wir brauchen Punkte und es ist egal gegen wen“,  brachte sich Trainer Florian Kohfeldt schon mal auf Betriebstemperatur. Da war die kleine Kampfansage von Union-Trainer Urs Fischer allemal leidenschaftlicher.

EISERN Magazin Nr. 3

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Für Edition Nr. 3 konnten wir Christoph Biermann als Autor gewinnen. Der renommierte Journalist gibt Antwort auf die Frage: Wer sind die eigentlich, diese Unioner? Wir haben mit Kapitän Christopher Trimmel gesprochen, der Einblicke in sein Privatleben gibt. Und wir statteten Professor Bernd Wolfarth und seinem Kollegen Clemens Gwinner in der Charité einen Besuch ab. Die beiden beraten Union bei der medizinischen Versorgung der Profis, koordinieren zudem die Corona-Testungen im Verein.