Berlin-KöpenickUrs Fischer war sichtlich entspannt. „Unser Kader ist immer noch groß genug“, entgegnete der Trainer des 1. FC Union auf die Frage, ob ihm bei der anhaltenden Suche nach einer Verstärkung im eisernen Sturmzentrum langsam unwohl werde. „Wir haben jetzt drei verletzte Stürmer – das geht noch im Moment. Wir versuchen etwas und schauen, ob uns das gelingt“, ergänzte er noch und gab das Thema schließlich dahin zurück, wo es hingehört: zu Manager Oliver Ruhnert.

Der arbeitet im Hintergrund dennoch emsig an einer kostengünstigen – möglichst auch geliehenen – Variante, um den Angriff der Köpenicker kurzfristig noch aufzumotzen. Vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) muss der Überraschungs-Fünfte alleine im Angriff in Max Kruse, Anthony Ujah und Joel Pohjanpalo auf drei wichtige Profis verzichten, deren genaue Rückkehr noch nicht abzusehen ist. Und allein auf den zuletzt so torgefährlichen Taiwo Awoniyi zu setzen, ist den Köpenickern zu riskant.

Optionen scheint es – überraschenderweise – doch einige zu geben. „Ich habe den einen oder anderen vorgelegt bekommen“, erklärte Urs Fischer vielsagend. Einer davon dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit der Däne Kasper Junker sein, der in der gerade vergangenen Saison in der norwegischen Eliteserien für Sensationsmeister FK Bodø/Glimt in 25 Spielen 27 Tore erzielte und nebenbei noch elf Assists beisteuerte.

Für die Eisernen gilt zu klären, ob, neben der Konkurrenz, die vor allem aus der Türkei (Galatasaray, Fenerbahce, Trabzonspor) kommen soll, die Tatsache zum Problem werden könnte, dass Junker erst mit 26 Jahren in der unterklassigen norwegischen Liga seinen Durchbruch feiern konnte. Zumal Junker, für den Bodø/Glimt zuletzt 600.000 Euro zahlte, nun mindestens das Doppelte kosten dürfte. Lohnt sich diese Ausgabe für den Spätzünder? Oder wäre ein erfahrener Ruhepol im Team interessanter?

Einer wie Sven Michel zum Beispiel. Der Paderborner schenkte den Eisernen im Pokalspiel zuletzt zwei Treffer ein, gilt als unaufgeregter und konzentrierter Teamplayer, der in seiner Freizeit – kein Witz – lieber im Wald Heilkräuter sammelt, als sich den Versuchungen des Profifußballerdaseins hinzugeben. Allerdings glauben nur wenige in Ostwestfalen daran, dass der Zweitligist seinen derzeit einzig konstanten Angreifer ziehen lassen würde. Ebenso wie wenige in Köpenick daran glauben, dass die Unioner für den Stürmer im höheren Fußballeralter noch eine Million Euro zahlen wollen.

Druck machen sich die Eisernen mit dem Transfer jedenfalls keinen, drei Wochen sind schließlich eine lange Zeit, in der Union noch aktiv werden könnte. Und, wie Fischer sagt, der Kader ist ja auch groß genug.