Berlin-Köpenick - Na endlich sagt es mal jemand! Nachdem sich der 1. FC Union bereits seit Monaten fern jeglicher Abstiegssorgen bewegt hatte, jedoch niemand im Verein so richtig nach vorne preschen und den Klassenerhalt verkünden wollte, fasste sich Sportchef Oliver Ruhnert am Montag nach dem Derby gegen Hertha BSC (1:1) ein Herz und verkündete: „Die Planungen laufen klar in Richtung Bundesliga. Der Abstieg wird nicht mehr passieren.“ 39 Punkte haben die Eisernen nach dem Remis gegen den Stadtrivalen auf dem Konto, sodass Ruhnerts Aussage auch keinesfalls gewagt war.

Dabei hätten die Eisernen das dritte Derby in Folge ohne Zuschauer durchaus auch für sich entscheiden und auch die Zahlenspieler mit den Saisonpunkten 40 und 41 noch zufriedenstellen können. 13:4 Torschüsse sowie eine klar bessere Passquote und Laufleistung untermauerten die Dominanz der Köpenicker gegen sich demgegenüber aber durchaus clever anstellende Herthaner. Nicht ohne Grund betonte Torschütze Robert Andrich nach dem Spiel: „Du kannst natürlich nicht komplett aufmachen, weil die Konter von Hertha immer brandgefährlich sein können.“ Der 26-Jährige hatte gegen seinen Ex-Klub gleich mehrfach Grund zu jubeln. Mit seinem Treffer egalisierte er seine Rote Karte aus dem Hinspiel und offenbarte beim anschließenden Jubel auch gleich noch die Vorfreude auf eine anstehende Vaterschaft: „Ich habe gehofft, dass ich ein Tor schieße, so ein Jubel gehört dann ein bisschen dazu. Dann muss man nicht jedem einzelnen Freund zu Hause schreiben.“

Doch auch Andrich hätte nach den zuletzt deutlichen Derbyniederlagen (1:3, 0:4) gerne mal wieder gegen die Herthaner gewonnen. Zudem verhüllt der Tabellenplatz der Eisernen aufgrund der überragenden Hinrunde, dass die Rückrunde in Köpenick bestenfalls durchwachsen verläuft. Erst zwei Siege gelangen in den vergangenen zehn Spielen, die Unioner wären damit derzeit auf Rang 14. Und das, obwohl es wenige Spiele gab, in denen die Köpenicker nicht ganz auf der Höhe waren. Vor allem die Chancenverwertung führte dabei aber zu einigen verlorenen Punkten. Das letzte echte Stürmertor gelang Cedric Teuchert beim 1:0 gegen Bayer 04 Leverkusen im Januar. Taiwo Awoniyi, derzeit verletzt, traf zuletzt am Tag nach Neujahr gegen Werder Bremen, Joel Pohjanpalo seit seiner Verletzung gar nicht mehr. Petar Musa, der am Sonntag gegen Hertha BSC 82 Minuten stürmen durfte, erzielte noch kein Tor für die Köpenicker. Alle Rückrundentreffer erzielten stattdessen Mittelfeldspieler (Grischa Prömel, Marcus Ingvartsen, Robert Andrich), Verteidiger (Robin Knoche, Christopher Trimmel) – und Max Kruse, der damit bei den Eisernen irgendwie schon wieder im Mittelpunkt steht.

Der Floh von Europa

Doch weil Kruse ohnehin noch ein Jahr einen Vertrag in Köpenick hat, dürfte es für Ruhnert und die sportliche Leitung viel interessanter zu beobachten sein, wer sich in den kommenden, nun eher entspannt angehbaren Partien noch in den Vordergrund spielt. Zwölf (Leih-)Verträge laufen aus, bei einigen muss noch entschieden werden, ob eine Zukunft beim 1. FC Union in der Bundesliga oder eben anderswo liegt. Bei anderen, das erklärte Ruhnert am Sonntag, sei eine Entscheidung intern bereits gefallen. Auch Neuzugänge soll es bereits geben, Ruhnert entschied sich dagegen, diese Namen zu nennen.

Und dann wäre da ja noch der Floh von Europa, den die Eisernen dem einen oder anderen Fan schon in der Hinrunde so ein bisschen ins Ohr gesetzt haben. Zwar deutet die aktuelle Punktausbeute derzeit eher auf einen sicheren und soliden Platz im Tabellenmittelfeld hin, doch „wir hätten schon gerne eine Mehrfachbelastung“, wie Ruhnert bekräftigte, auch wenn „man dann irgendwo ein Qualifikationsspiel hat oder sonst eine Geschichte“. Allerdings liege der Fokus, so der 49-Jährige, ganz klar auf der Bundesliga, sowohl in der laufenden als auch in der kommenden Saison. Und das ist für sich ja schon ein überragender Erfolg, den die Eisernen da zu feiern haben. Jetzt auch ganz offiziell.