Berlin-Köpenick - So richtig unzufrieden war Urs Fischer nach dem 1:2 seines 1. FC Union beim FC Augsburg eigentlich nur mit einem Spieler. „Ich habe Rafal nach dem Spiel gesagt, dass ich von seiner Leistung enttäuscht bin“, erklärte der Trainer der Eisernen am Tag nach der zweiten Niederlage in Folge – erstmals in der laufenden Bundesligasaison - und konnte schon wieder ein bisschen schmunzeln. „Da hat er uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, lobte er die Leistung des einstigen Unioners Gikiewicz, der seinen neuen Kollegen mit einem gehaltenen Elfmeter und mehreren starken Paraden den zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel gegen die Eisernen sicherte.

Die entspannte Einschätzung des Schweizers war, wenige Stunden nach der Niederlage in der Fuggerstadt, auch irgendwie Programm. „Ich glaube, die Mannschaft hat ein gutes Spiel gemacht und unheimlich viele Bälle im Gegenpressing erobert“, fand der gewohnt direkt analysierende Fischer vor allem lobende Worte für sein Team. Auf den letzten Metern habe jedoch „die letzte Konsequenz gefehlt. Vielleicht auch die jeweils richtige Entscheidung.“

Erschwerend hinzu kam, dass die Hausherren im eigenen Stadion überraschend tief verteidigten und den Köpenickern so den Spielaufbau blockierten. „So viele Spiele hatten wir noch nicht, wo eine Mannschaft so tief stand. Wir werden versuchen, das im Training zu simulieren“, erklärte der 55-Jährige, der sich allerdings keine Sorgen macht, dass auch andere Teams dieses Mittel gegen die Unioner einsetzen werden: „Erst mal konzentrieren wir uns auf das Heimspiel gegen Mönchengladbach und dann sehen wir weiter. Wir hatten jetzt ein Beispiel, und das haben wir entsprechend analysiert. Jetzt versuchen wir, es künftig besser zu machen.“ Als Erfolg wollte Fischer das gezahlte Lehrgeld dann aber doch nicht verbuchen: „Aus Niederlagen kann man lernen, ja, aber ich hätte trotzdem lieber gewonnen.“

Zwingend notwendig war das nach 28 Punkten aus nun 18 Saisonspielen freilich nicht. Auch deshalb verlieren die Köpenicker nach den Niederlagen gegen RB Leipzig und nun eben auch gegen Augsburg nicht gleich die Fassung. Doch musste die obligatorische Frage nach dem Warum gestattet sein. Insbesondere, welche Rolle Rückkehrer Nico Schlotterbeck spielte, der bei beiden Gegentoren auf den ersten Blick kein gutes Bild abgab. Beim 0:1 hatte er, weit vom eigenen Strafraum entfernt, das Kopfballduell gegen André Hahn, welches wiederum den Angriff von Florian Niederlechner einleitete, verloren. Beim 1:2 kam er am Boden gegen Hahn zu spät.

„Nicos Comeback war sehr gut“, erklärte Fischer und verlor dabei sogar kurzzeitig seine ansonsten gute Laune. „Vor allem, wenn man so lange gefehlt hat wie er. Natürlich verliert er das Kopfballduell, aber das kann man auch mal verlieren. Da hat vor allem der Rest nicht gut verteidigt.“ Robin Knoche habe die Flugbahn des Balles falsch antizipiert, Nebenmann Marvin Friedrich zu spät ins Geschehen eingegriffen. Eine Schuld Schlotterbecks, der erstmals seit dem 4:0 gegen Mainz 05 am 2. Oktober 2020 wieder auf dem Rasen stand, verbat sich Fischer. Das Positive, das war ihm wichtig, überwog dann doch. Trotz Niederlage.