Der 1. FC Union wandelt auf den Spuren von früheren Welt- und Europameistern

Dank bester Moral werden die Eisernen in ihrem vierten Bundesligajahr immer besser darin, aus einem Rückstand einen Sieg zu machen.

Die Last-minute-Jubler: Der 1. FC Union wird immer besser darin, einen Rückstand in einen Sieg umzuwandeln.
Die Last-minute-Jubler: Der 1. FC Union wird immer besser darin, einen Rückstand in einen Sieg umzuwandeln.Matthias Koch/imago

Es ist schon wieder passiert. Besser vielleicht: Der 1. FC Union hat es mal wieder geschafft, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und mit dem 3:1 gegen die TSG Hoffenheim einen der schönsten Siege einzufahren, den es im Punkte-Alltag gibt. Das ist der nach einem Rückstand und bei dem es lange nach einer Niederlage aussieht, im aktuellen Fall gar nach einem Fehlstart ins neue Jahr und dem Bröckeln der Festung Alte Försterei. Dass es nach 90 plus sechs Minuten gegen die Männer aus dem Südwesten der Republik im Lager der Eisernen nur strahlende Gesichter gegeben hat, vor allem beim zweifachen Ecken-Einnicker Danilho Doekhi, liegt an einer intakten Moral, dem Vertrauen ins eigene Können und, zugegeben, an einer Portion, zumindest einer klitzekleinen, Glück.

Aus einem Rückstand einen Sieg zu machen, das ist nicht alltäglich, braucht als Mannschaft sozusagen den ganzen Kerl und will ein wenig auch gelernt sein. Auch die Rot-Weißen haben eine ganze Weile gebraucht, um diese Pirouette in ihr Repertoire aufzunehmen. In ihrem Bundesliga-Premierenjahr ist es ihnen kein einziges Mal geglückt.

Vergangene Saison konnten die Eisernen drei Spiele drehen

Aber dann! In der zweiten Saison schon hatten sie es gegen Köln und Leipzig drauf. Den Vogel damit, ein 0:1 in ein 2:1 zu drehen, schossen die Jungs aus der Wuhlheide im vorigen Spieljahr ab: in Mainz, gegen Hoffenheim und bei den Rasenballern mit dem Sven-Michel/Kevin-Behrens-Tor-des Monats. In jener Spielzeit klappte es sogar im Pokal: 3:1 in Mannheim und 2:1 gegen St. Pauli. In dieser Spur wähnen sich die Eisernen in dieser Saison auch ein wenig. Zumindest hat es vor dem Dreier gegen die 1899er auch schon gegen Mönchengladbach geklappt und im Pokal in Chemnitz.

Manchmal, das zeigt die Historie, ist es mit dem Sieg nach einem Rückstand eine regelrechte Crux, manchmal dafür läuft es wie geschmiert. Als die Weltmeisterschaft ein wenig noch in ihren Kinderschuhen steckte, gehörte für den neuen Champion ein Fehlstart im Finale fast zum guten Ton. Uruguay holte sich 1930 so den Titel gegen Argentinien, Italien 1934 gegen die Tschechoslowakei, Deutschland 1954 gegen Ungarn (da sogar nach einem 0:2), Brasilien 1958 gegen Schweden und 1962 gegen die CSSR, dazu England 1966 gegen Deutschland. Das bisher letzte Mal, dass ein Team im WM-Finale ein 0:1 drehte, passierte 1974 mit dem 2:1 von Kaiser Franz (Beckenbauer) mit dem DFB-Team gegen König Johan (Cruyff) mit der Elftal. 

Bei Europameisterschaften mit bisher 16 Endspielen ist so etwas dagegen erst dreimal mit jeweils 2:1 passiert. 1960 gelang das der Sowjetunion gegen Jugoslawien, 1996 Deutschland gegen Tschechien und im Jahr 2000 Frankreich gegen Italien.

Diesen Nervenkitzel braucht eigentlich keiner. Denn ob die halbe oder manchmal auch ganze Drehung gelingt, steht ebenso in den Sternen wie vieles andere. Manch Team, das kommt viel öfter vor, bricht nach einem Rückstand zusammen. Man frage nur bei den Eisernen nach, wie sie ausgangs des vorigen Jahres in Leverkusen und in Freiburg abgeschmiert sind.

In Bremen hat der 1. FC Union bislang beide Spiele gewonnen

Was das für die Partie in Bremen zu bedeuten hat? Nichts. Gegen Werder hat es vieles schon gegeben, Auswärtssiege hier wie da und einst in der Alten Försterei einen Hattrick von Joel Pohjanpalo. Außerdem, allerdings haben erst zwei Spiele dort stattgefunden, sind die Eisernen im Weserstadion bei zwei Siegen noch ohne jegliche Schramme. Natürlich hat auch das nichts zu sagen, könnte im erneuten Fall aber zusätzlich für eine breite Brust vor dem Derby drei Tage später bei Hertha BSC sorgen.

Nur: Gerade gegen die aus dem Westend ist es auch schon mal ganz anders gelaufen, als einen Rückstand zu drehen. Da hat es mal eine Führung gegeben, kurz danach eine Rote Karte und am Ende ein 1:3. Wie für jede Partie gilt deshalb auch für die an der Weser wie die im Olympiastadion: Ein Rückstand bedeutet, so lange nicht abgepfiffen ist, noch lange keine Niederlage.