Deutschlands stabilster Abwehrspieler: Deshalb muss Unions Knoche mit zur WM

Der 30-Jährige ist die zentrale Figur in der besten Abwehr der Liga und im Gegensatz zu dem ein oder anderen Auswahl-Verteidiger in einer prächtigen Form.

Unions Robin Knoche übernimmt Verantwortung und verwandelt in der 89. Minute einen Elfmeter zum 1:0.
Unions Robin Knoche übernimmt Verantwortung und verwandelt in der 89. Minute einen Elfmeter zum 1:0.imago/Behrendt

Wer ist die zentrale Figur in der derzeit besten Abwehrreihe der Bundesliga? Wer bringt gegnerische Stürmer Woche für Woche mit seiner Schärfe im Zweikampf zu Boden und in der Luft sowie mit seinem gekonnten Stellungsspiel schier zur Verzweiflung? Wer macht beim Spielaufbau nur ganz selten einen Fehler? Und wer blieb am Donnerstagabend, als es im Stadion An der Alten Försterei beim Europa-League-Spiels zwischen dem 1. FC Union und Malmö FF zu einer fiebrigen Schlussphase kam, ganz cool und übernahm in der 89. Minute bei einem Elfmeter die Verantwortung, traf schließlich zum ekstatisch gefeierten 1:0? Also: Wer ist derzeit Deutschlands stabilster Abwehrmann? Richtig: Robin Knoche.

So kommt man zu einem Schluss, der nicht etwa Teil einer Pro-Union-Kampagne, sondern einfach nur sinnvoll ist: Der 30 Jahre alte Knoche muss mit zur Weltmeisterschaft in Katar. Genauso wie Rani Khedira, für den wir in diesem Zusammenhang erst vor wenigen Wochen ein Plädoyer eingebracht haben. Wer sollte also deshalb am kommenden Sonntag beim Spitzenspiel der Bundesliga, wenn Knoche mit den Eisernen vor heimischem Publikum auf Borussia Dortmund und damit auch auf die Nationalmannschafts-Verteidiger Niklas Süle, Nico Schlotterbeck und Mats Hummels trifft, unbedingt ab 17.30 Uhr vor Ort sein? Richtig: Bundestrainer Hansi Flick, der wenige Wochen vor dem WM-Auftaktspiel gegen Japan vielleicht eine Ahnung, aber noch keine Überzeugung hat, mit wem er seine Abwehrreihe bestückt.

Mit kühlem Kopf verteidigt

Knoche mag nicht so schnell sein wie Süle, nicht so spielstark wie Schlotterbeck oder so elegant wie Hummels. Neben Freiburgs Matthias Ginter und Antonio Rüdiger, der auch bei Real Madrid inzwischen Fuß gefasst hat, ist der gebürtige Braunschweiger, der manchmal etwas ungelenk wirkt, aber so zuverlässig wie kaum ein anderer seinen Job erledigt, zweifellos der deutsche Abwehrmann der Stunde, während in den vergangenen Wochen im Besonderen Süle und Schlotterbeck mitunter ganz schön wackelten.

Gegen Malmö FF verhinderte Knoche beispielsweise gleich zu Beginn einen frühen Rückstand, als er im eigenen Strafraum sofort erkannte, was Malmös Angreifer Isaac Kiese Thelin im Schilde führt, nicht übereifrig ins Tackling ging, sondern im richtigen Moment mit Thelin in die Bewegung ging und dessen Versuch, ins Dribbling zu gehen, ganz nüchtern stoppte. Auch in der Folge verteidigte er mit kühlem Kopf das wenige weg, was durch die von Khedira geführte Mittelfeldreihe geschlüpft war. Und es spricht doch für sich, dass er nach einem Foul am eingewechselten Kevin Behrens die erste Option war, um wenige Minuten vor Schluss mit einem verwandelten Strafstoß das Glück der Köpenicker perfekt zu machen. Das Glück, mit dem zweiten Sieg in der Europa League zumindest schon mal die Teilnahme im Sechzehntelfinale der Conference League sicher zu haben.

Knoche, der im Jahr 2014 von Flicks Vorgänger Joachim Löw schon mal für ein Länderspiel nominiert worden war, aber gegen Spanien nicht zum Einsatz kam, hat die Hoffnung auf eine Berufung durch den DFB jedenfalls noch nicht aufgegeben, warum auch? In einem Interview mit dem Bezahlsender Sky sagte er neulich: „Natürlich wäre das ein absoluter Wunsch oder ein Traum, da noch mal irgendwo ein Länderspiel zu machen oder dabei zu sein. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die das beurteilen. Beziehungsweise hat man anders keinen Einfluss, außer Woche für Woche seine Leistung zu bringen. Und da muss man einfach sehen, egal, um wen es bei uns geht.“