Berlin-Köpenick - Gar nicht mal so unzufrieden sah Urs Fischer am Sonntagmittag aus, als sich der Trainer des 1. FC Union der obligatorischen Medienrunde nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt stellte. Wo bei anderen Bundesligisten nach einer 2:5-Pleite Krisensitzungen angesagt wären, nahm es der Schweizer Übungsleiter locker. „Natürlich will man jedes Spiel gewinnen, aber ich denke, dass man aus solchen Niederlagen mehr lernen kann als aus einem Sieg“, verallgemeinerte Fischer sein Fazit aus dem Auswärtsspiel am Main, um dann noch schnell hinzuzufügen: „Aus einem Sieg kann man allerdings auch allerhand lernen.“

Abgesehen von den Spielminuten 35 bis 41, in denen die Eisernen gleich drei Gegentore kassierten, war der Trainer der Köpenicker auch deshalb milde gestimmt, weil sich die Unioner mit 24:9 Torschüssen über die gesamte Spieldauer ein klares Chancenplus erarbeitet hatten und auch auf dem Rasen keinesfalls wie ein Team aussahen, das bei der Eintracht sang- und klanglos mit 2:5 untergeht. „Die erste Hälfte war in der Kompaktheit und Organisation vielleicht nicht so gut. In den sechs Minuten haben wir uns naiv verhalten, da dürfen wir den Gegner nicht so zu drei Gegentoren einladen“, analysierte Fischer, resümierte dazu aber: „So etwas muss man auch mal erleben.“

Urs Fischer: „Ich glaube, die Fernsehzuschauer hatten Spaß“

Dennoch hätte die Ausbeute von 13 Toren aus den beiden Bundesligaspielen zwischen der Eintracht und den Eisernen durchaus noch höher sein können. „Ich glaube, wenn wir unsere Möglichkeiten besser nutzen, wären es noch mehr Tore geworden. Wir haben ja auch beim Heimspiel in der Hinrunde nach dem frühen 2:0 Chancen für den dritten und vierten Treffer“, erklärte Fischer und ergänzte noch schmunzelnd: „Ich glaube, die Fernsehzuschauer hatten Spaß.“

Mit Sicherheit, denn das zweite Duell der beiden Kontrahenten hatte alle Zutaten für ein tolles Fußballspiel. Die Mannschaften begegneten sich von Anfang an offensiv, drängten immer wieder auf das Tor des Gegners und konterten im Gegenzug dynamisch. Dass die Eisernen dabei erneut Pech im Abschluss hatten, trübte den ansonsten ordentlichen Gesamteindruck höchstens ein bisschen. Ebenso wie das fast schon kuriose Eigentor von Robert Andrich, der mit einem Rückpass Torwart Andreas Luthe dermaßen überraschte, dass der dem Ball nur noch hinterherschauen konnte. „Das ist Fußball, da passieren Fehler“, bekräftigte Fischer und versprach: „Robert musste ich deshalb nicht trösten, er kann damit umgehen. Ich mache ihm ja auch keinen Vorwurf.“

Für die Mehrheit der Eisernen bleibt vor dem Derby gegen Hertha BSC nun Zeit zum Verschnaufen. Nur Kapitän Christopher Trimmel, die Abwehrspieler Nico Schlotterbeck und Julian Ryerson, Mittelfeldspieler Marcus Ingvartsen und die Angreifer Joel Pohjanpalo und Petar Musa reisten teils schon direkt nach dem Spiel aus Frankfurt zu ihren Nationalmannschaften. Der Däne Ingvartsen überraschend, er wurde nachnominiert. „Ich freue mich für sie“, erklärte Fischer, „die Nationalmannschaft ist etwas Spezielles, etwas Besonderes. Sie haben sich das alle verdient.“

Der Rest des Kaders hat am Donnerstag beim Testspiel gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig noch einmal einen Termin, der allerdings vornehmlich für die Spieler sein soll, die zuletzt nicht so recht zum Zuge kamen. Kicker wie Andy Gogia, der in Frankfurt für den verletzten Petar Musa kurzfristig in den Kader rutschte, oder Florian Hübner kämpfen weiterhin um einen neuen Vertrag und können gegen den Ex-Kollegen Felix Kroos und Leihspieler Suleiman Abdullahi noch einmal Werbung in eigener Sache machen.