Berlin-KöpenickEs war wieder eines dieser Spiele, das 2:2 (1:1) zwischen dem 1. FC Union und dem VfL Wolfsburg, wo es den pumpenden Druck der Zuschauer auf den engen Rängen des Stadions An der Alten Försterei benötigt hätte, um der Partie womöglich noch eine andere Wendung zu geben. Man konnte sich nur ausmalen, wie Waldseite, Gegengerade, Wuhleseite und Haupttribüne beim malerischen Freistoßtreffer von Robert Andrich zum 2:1 (52.) explodiert wären, wie es dann gebrodelt hätte, als Schiedsrichter Patrick Ittrich in der 65. Minute nach Konsultation des Videobildes noch auf Elfmeter für die Gäste entschied, obwohl zuvor kaum ein Wolfsburger auch nur auf Strafstoß protestiert hatte.

So blieb es am Ende beim doch insgesamt leistungsgerechten Remis, auch wenn sich die Eisernen doch fragen konnten, warum sie sich zum einen in der Anfangsphase von den Wolfsburgern doch merklich auspressen ließen und zum anderen spätestens aus der Überlegenheit Überzahl keinen weiteren Treffer kreieren konnten.

Nicht falsch verstehen: Die Kritik ist ausdrücklich Jammern auf hohem Niveau, denn ebendieses brachten die Köpenicker auch gegen die Niedersachsen über weite Strecken auf den Rasen. Doch genau deshalb - weil ein Sieg absolut drin gewesen wäre - stellt sich doch die leise Frage nach dem „Warum nicht?“.

Union verpasst die Anfangsphase

Zum einen fiel es den Unionern, wie schon erwähnt, vor allem in der Anfangsphase schwer, Druck auf die Gäste auszuüben. Phasenweise wirkte es, als wollten die Wolfsburger das Team von Trainer Urs Fischer mit den eigenen Waffen - drückendes Pressing und hohe Laufbereitschaft - schlagen. Der Plan, den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen, war damit schon mal passé.

Den Unionern gelang es dann zunächst mit einfachen Spielzügen umso eindrucksvoller, ihren roten Faden wiederzufinden. Vor allem Kapitän Christopher Trimmel, der in Anbetracht seiner zahlreichen Versuche ganz offensichtlich gerne selbst getroffen hätte, kurbelte das Spiel vom rechten Flügel immer wieder an und gab seinem Team so die Starthilfe, die es dann in den weiteren Spielverlauf nahm. Während Nebenmann Sebastian Griesbeck vor allem in der Offensivbewegung etwas übermotiviert agierte, ließ Robert Andrich den Ball gewohnt routiniert laufen.

Auch Marcus Ingvartsen war so fleißig wie immer, doch ihm gelang es, ähnlich wie seinen Kollegen im Angriff, nicht, Ruhe in ihre Aktionen zu bringen. Taiwo Awoniyi, der über seine Tore hinaus auch immer von der Seitenlinie den Zuspruch oder die Kritik von Trainer Fischer bekommt, blieb fahrig und hatte es vor allem im zweiten Durchgang schwer, sich gegen die zwei Abwehrtürme Josuha Guilavogui und John-Anthony Brooks zu behaupten. Sheraldo Becker traf zwar kaltschnäuzig zum Ausgleich, doch seine außergewöhnliche Dynamik konnte er nicht wie gewohnt ins Spiel bringen.

Defensiv ließen die Eisernen indes eigentlich nichts anbrennen. Beim 0:1 durch Renato Steffen (10.) stand Christopher Lenz zu weit vom Wolfsburger entfernt, das 2:2 resultierte aus dem besagten fragwürdigen Strafstoß. Stoßstürmer Wout Weghorst sah gegen seinen Ex-Mitspieler Robin Knoche kein Land und auch der kroatische Nationalstürmer Josip Brekalo blieb nicht nur blass, sondern unsichtbar.

Spätestens nach dem Ausgleich in Unterzahl - Maximilian Arnold hatte in der 50. Minute Rot gesehen - versuchten die Eisernen den Sieg dann zu erzwingen und scheiterten an ungenauen Zuspielen oder einfach am fehlenden Spielglück. Das hätte ein volles Stadion den Köpenickern vielleicht irgendwie ermöglichen können. So blieb es nach dem Schlusspfiff still.