Berlin-KöpenickDie Welt des Fußballs ist manchmal ungerecht und schwer zu verstehen. Eine Saison lang hält ein Spieler die Knochen für seinen Verein hin, gibt alles, um das gemeinsame Ziel, den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga, zu erreichen – und kann die Früchte der harten Arbeit am Ende doch nicht so recht genießen. Elfmal lief Florian Hübner in der ersten Bundesliga-Saison des 1. FC Union für die Eisernen auf. Auf dem Papier kein schlechter Wert, doch tatsächlich konnte sich der Abwehrchef der Aufstiegshelden von 2019 nie richtig in der Startelf festspielen. In der laufenden Saison absolvierte der Wiesbadener seinen ersten Einsatz erst am sechsten Spieltag, beim 3:1 der Köpenicker gegen die TSG Hoffenheim.

Die Ungerechtigkeit dahinter: So richtig Schuld hat niemand an dieser Tatsache. In der vorvergangenen Vorbereitung fiel der zu diesem Zeitpunkt noch als Stammspieler einkalkulierte Innenverteidiger verletzungsbedingt länger aus als befürchtet. Als er wieder einsatzfähig war, hatten Keven Schlotterbeck und Neven Subotic seinen Platz eingenommen. In der vergangenen Vorbereitung blieb Hübner fit, trainierte gut mit, fühlte sich stark und stand doch wieder außen vor. „Ich hatte schon mit mir zu kämpfen, dass ich trotz allem wieder hintendran war“, gesteht er in einem Gespräch. Hübner ist auch nach seinem ersten Saisoneinsatz eine gewisse Schwermütigkeit wegen seiner Situation anzumerken. „Natürlich ist das nicht zufriedenstellend“, sagt er, „und ja, da ist auch Frust dabei. Wenn da kein Frust dabei wäre, wäre ich im falschen Job.“

Keine Kritik am Trainer

Doch Hübner will seine begrenzten Einsatzzeiten nicht auf den Trainer abwälzen: „Der Trainer hatte ja recht mit seinen Personalentscheidungen, es läuft schließlich gut für uns.“ Auch hat der 29-Jährige weiterhin das Gefühl, wichtig für das Team und auch für Urs Fischer zu sein. Er trainiert fleißig und akribisch, bekommt positives Feedback von Mitspielern und dem Trainerteam – und doch reicht es häufig nicht. Wie erwähnt: So richtig Schuld hat niemand daran.

Im Sommer läuft Hübners Vertrag aus. „Grundsätzlich beschäftige ich mich immer damit, wie es bei mir weitergeht. Wir haben erst den sechsten Spieltag gespielt, da habe ich 90 Minuten absolviert, nun schauen wir, was in den nächsten Spielen passiert.“ Sicher passiert, dass mit Nico Schlotterbeck einer von seiner Verletzung zurückkehrt, der vor seinem Ausfall viele bei den Eisernen nachhaltig beeindruckt und überzeugt hat. Wahrscheinlich ist auch, dass die gegen Hoffenheim von Urs Fischer eingesetzte Dreier-Abwehrkette nicht in jedem Spiel auflaufen wird. Und dass Vize-Kapitän Marvin Friedrich und Zugang Robin Knoche derzeit gesetzt sind. Für den Aufstiegshelden fehlt schlichtweg der Platz.

Florian Hübner will spielen. Er hat unbestritten die Qualität für die Bundesliga und in Köpenick, auch mit seiner Geduld in den vergangenen Monaten, unter Beweis gestellt, dass er die Eisernen im Herzen trägt. Er hat verdient, Woche für Woche beweisen zu dürfen, was in ihm steckt. Auch deshalb liegt die Zukunft des Abwehrspielers tendenziell nicht beim 1. FC Union. So ungerecht das auch ist.