Berlin-Köpenick - Eine Überraschung war es nicht, als der 1. FC Union in dieser Woche bekannt gab, dass Präsident Dirk Zingler vom Aufsichtsrat der Eisernen für weitere vier Jahre bestätigt wurde und bis 2025 die Zügel des Klubs in der Hand halten wird. Seit 2004 ist der 56-Jährige schließlich im Amt, in der kommenden Amtsperiode wird er sein 20-jähriges Jubiläum feiern. Eine schier unglaubliche Zeit, in der er die Eisernen zunächst noch durch die Tiefen, dann aber zunehmend durch die Höhen ihrer jüngeren Vereinsgeschichte begleitete und diese selbst aktiv mitgestaltete.

Dennoch war es für Zingler nicht selbstverständlich, dass er eine weitere Amtszeit übernimmt. „Bedenken gab es dabei keine, aber ein Nachdenken“, erklärte er in einer Medienrunde am Freitag. „Bis 2025 ist schon noch eine ganz schön lange Zeit. Da fragt man sich: Ist man noch so motiviert und noch so unter Dampf, wie all die Jahre zuvor?“ Weil er und seine Mitstreiter im Präsidium, Jörg Hinze, Oskar Kosche, Lutz Munack und Dirk Thieme, diese Frage mit Ja beantworten konnten, so Zingler, habe man schließlich den Aufsichtsrat informiert.

Und so geht das Führungsteam im Juli in die nächsten vier Jahre, die vor allem von großen infrastrukturellen Umbauarbeiten geprägt sein werden. Das Stadion sei weiterhin das außersportlich wichtigste Projekt, wobei, das bekräftigte Zingler noch einmal, die Verantwortung dafür derzeit nicht beim Klub, allerdings auch nicht bei der Politik liege und somit nicht von den Abgeordnetenhauswahlen im September beeinflusst sei. „Es ist ein verwaltungsrechtliches Verfahren, kein politisches“, erklärte er und blieb optimistisch, was das Baurecht angeht: „Wir wollen weiterhin im Sommer 2022 Baurecht haben.“

Conference-League-Qualifikation wäre „die Kirsche auf einer ganz fetten Sahnetorte“

Sportlich hofft auch Zingler darauf, dass die Eisernen sich in den nächsten Jahren in der Bundesliga etablieren. „Irgendwann mal nicht mehr als einer der ersten Abstiegskandidaten genannt zu werden, ist jetzt unser nächstes Ziel“, betonte er und verwies darauf, dass die Köpenicker auch in der Vergangenheit am erfolgreichsten waren, wenn sie sich den Erfolg in kleinen Schritten erarbeitet haben. „Nachhaltige Entwicklungsschritte erreicht man nicht über eine oder zwei Spielzeiten“, stellte Zingler klar und forderte: „Da müssen wir jetzt auch mal ein bisschen auf dem Teppich bleiben. Wenn man zu viel will, landet man schnell hart auf dem Boden.“ Was nicht bedeutet, dass der Präsident sich nicht über eine Qualifikation für die Conference League freuen würde: „Das im zweiten Bundesliga-Jahr zu schaffen, wäre die Kirsche auf einer ganz fetten Sahnetorte.“

Wer nach der deutlichen Kritik Zinglers an der Champions-League-Reform und den Plänen zur europäischen Super League eine weitere Attacke auf die wirtschaftliche Elite des Fußballs erwartete, wurde allerdings enttäuscht. Im Gegenteil: Der Präsident warb viel mehr für ein Miteinander im deutschen Fußball. „Wir haben in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal: Einen sehr traditionellen, menschenverbundenen Fußball“, betonte er und wurde dann doch kurz etwas kritisch: „Dieses Bashing ist unerträglich, wenn man den deutschen Fußball ins Verhältnis zu den anderen europäischen Ländern setzt.“ Die 50+1-Regel sowie mitgliedergeführte Vereine auf höchster Ebene – so etwas gebe es nur in Deutschland. „Wir sollten uns deshalb nicht bekämpfen, sondern uns vereinen“, forderte Zingler und appellierte auch an „kritische Kurven und Gruppierungen: Wir können immer kritisch sein, aber wir sollten dabei vereint sein“.

Kurzfristig hoffe er, so Zingler, zunächst mal auf eine Normalität im Alltag: „Ich möchte mich so schnell wie möglich wieder in einem vollen Stadion normal verhalten, ein Bier trinken und danach vielleicht auch noch in die Kneipe gehen können“, erklärte er. „Ich brauche nichts Besonderes. Das was uns allen Spaß bereitet, das würde mir genügen.“ Auch das war, genau wie Zinglers Bestätigung im Amt, keine Überraschung.

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