Berlin-Köpenick -  Es gibt ja so Sachen, die lieben sie in den Ländereien zwischen Wuhle und Müggelsee. Wenn ein Fußballspieler in der Öffentlichkeit etwas groß rausposaunt oder etwas verkündet, was der 1. FC Union noch nicht amtlich gemacht hat, sorgt das immer wieder für große Begeisterungsstürme im Forsthaus. Ja, doch, das war Ironie. Es ist wohl eher so, dass Tymoteusz Puchacz mit seinen medialen Auftritten die eher zur Verschwiegenheit neigenden Köpenicker wenig erbaut haben dürfte.

Puchacz spricht von Treffen in Berlin

Der 22 Jahre alte U21-Nationalspieler in den Diensten des polnischen Erstligaelften Lech Posen hatte jüngst in Gazetten des Nachbarlandes davon geschwärmt, wie sehr ihn ein Wechsel zu den Eisernen reizen würde. Nun legte der 1,80 Meter große Linksverteidiger in seiner Heimat beim TV-Sender Canal+ nach: „Ich war mit meinem Berater schon in Berlin, wo ich Sportdirektor und Trainer getroffen habe. Ich warte jetzt auf eine Einigung zwischen beiden Vereinen.“

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Für Edition Nr. 3 konnten wir Christoph Biermann als Autor gewinnen. Der renommierte Journalist gibt Antwort auf die Frage: Wer sind die eigentlich, diese Unioner? Wir haben mit Kapitän Christopher Trimmel gesprochen, der Einblicke in sein Privatleben gibt. Und wir statteten Professor Bernd Wolfarth und seinem Kollegen Clemens Gwinner in der Charité einen Besuch ab. Die beiden beraten Union bei der medizinischen Versorgung der Profis, koordinieren zudem die Corona-Testungen im Verein.

Aha. Dann ist ja alles klar. Eigenbewerbung via TV-Sender. Puchacz als Nachfolger für den im Sommer nach Frankfurt wechselnden Christopher Lenz würde vom Profil her ja passen. In dieser Spielzeit absolvierte der 1,80 Meter große Defensivspezialist 36 Spiele für den siebenfachen polnischen Meister. Dabei kam er in der Meisterschaft, im Pokal und in der Europa League auf immerhin sieben Torbeteiligungen (2 Treffer/5 Assists). Es gab schon schlechtere Daten als Bewerbungsgrundlage. Zudem gilt er mit seinen 22 Jahren als entwicklungsfähig.

Der Haken an der Sache – mal abgesehen davon, dass Union nicht gern über ungelegte Eier redet – ist seine Vertragslaufzeit. Anders als Rani Khedira (Augsburg) und Paul Jaeckel (Fürth), die ablösefrei an die Wuhle kommen sollen, ist Puchacz noch bis 2023 an Lech gebunden. Im Raum steht eine Ablöseforderung, die im Nachbarland auf rund vier Millionen Euro taxiert wird. 

Puchacz mit Druck auf Lech

Das ist nicht nur in Pandemiezeiten viel Geld. Und den Köpenickern sicherlich um einiges zu hoch. Zumal das Talent ja seine Bundesligatauglichkeit noch nirgends unter Beweis hat stellen können. 

So ist denn zu vermuten, dass Puchacz mit der Ankündigung in den Medien Druck auf seinen Verein aufbauen möchte, damit dieser in Sachen Ablöse Abstriche macht. Deutliche zudem. Ob dieser Plan aufgeht, muss sich erweisen. Es könnte sogar zu einer Verhärtung der Fronten führen. Mal abgesehen davon, dass die Eisernen ihre Verhandlungen für gewöhnlich gern im stillen Kämmerlein führen und ungern von den Medien lautstark begleitet sehen.