Ein Sieg in Europa lindert beim 1. FC Union den Schmerz der ersten Niederlage

Nach der ersten Saisonniederlage in der Bundesliga brennen die Eisernen am Donnerstag auf einen Dreier in Malmö.

Gesichter der Enttäuschung: Timo Baumgartl und Christopher Trimmel (r.) mussten mit dem 1. FC Union Berlin am vergangenen Spieltag die erste Saisonniederlage in der Bundesliga hinnehmen.
Gesichter der Enttäuschung: Timo Baumgartl und Christopher Trimmel (r.) mussten mit dem 1. FC Union Berlin am vergangenen Spieltag die erste Saisonniederlage in der Bundesliga hinnehmen.Imago/Eibner

Nach einer Niederlage ist vor dem nächsten Sieg. Das ist ausnahmsweise kein Spruch von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger. Dabei hat auch er einige Spiele vergeigt. Manche sogar mit Absicht, so jedenfalls die Legende, die sich noch immer hartnäckig um das 3:8 gegen Ungarn in der Vorrunde der WM 1954 rankt.

Wer am Ende triumphiert, ob bei einem großen Turnier, einer Meisterschaft oder einem Pokalwettbewerb, behält schließlich immer recht und hat alles richtig gemacht.

1. FC Union geht 2018 ungeschlagen durch die Hinrunde

Nun also hat auch der 1. FC Union sein erstes Saisonspiel in der Bundesliga verloren, als letztes Team. So lange hat es die Eisernen noch nie ungeschlagen durch die oberste Spielklasse getragen. Nicht einmal in 19 Spielzeiten in der DDR-Oberliga hatten die Männer aus der Alten Försterei einen solchen Lauf. Eine deutlich stärkere Serie ist aber noch gar nicht so lange her. Im Herbst 2018 blieben Christopher Trimmel, Rafal Gikiewicz, Felix Kroos und Co in der kompletten Hinrunde unbezwungen. Erst 24 Stunden vor dem Weihnachtssingen endete die einmalige Serie mit einem 0:3 in Aue. Das klitzekleine Manko: Es war eben „nur“ die Zweite Bundesliga, wenngleich am Saisonende der Aufstieg in die Bundesliga stand.

Mit dem 0:2 in Frankfurt steht übrigens fest, dass es auch im 60. Jahr der Bundesliga keinen Meister geben wird, der ungeschlagen durch die Saison marschiert. Das hat, um die Kirche im Dorf zu lassen, von den Spielern um Trainer Urs Fischer niemand auch nur im Traum erwartet. Schließlich ist es nicht einmal den großen Bayern um Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Paul Breitner und Uli Hoeneß gelungen. Zweimal haben sie es hauchdünn verpasst. 1987 und 2013 holten sie die Meisterschale mit nur einem verlorenen Spiel.

Meistertitel ohne Niederlage sind ohnehin eine absolute Rarität, zumindest in Europa. 1972 hat es in Portugal Benfica Lissabon mit dem einmaligen Eusebio geschafft und 2011 dort der FC Porto. In Italien ist es 1992 dem AC Mailand mit der geballten Oranje-Macht um Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard geglückt und 2012 Juventus Turin um Superstar Andrea Pirlo. In den Niederlanden hat es 1994/95 Ajax Amsterdam um Patrick Kluivert und Finnlands Jahrhundertfußballer Jari Litmanen zur perfekten Saison gebracht und in England 2003/04 der FC Arsenal mit Torhüter Jens Lehmann, Oranje-Stürmer Dennis Bergkamp und den Franzosen-Assen Patrick Vieira und Thierry Henry. In der Ukraine ist 2002 Schachtjor Donezk ohne Niederlage Meister geworden und in Norwegen 2010 Rosenborg Trondheim.

Den Vogel abgeschossen hat bisher Steaua Bukarest. Die damalige Weltklasseelf hat, mit der Saison 1986/87 beginnend, in Rumänien den ungeschlagenen Meister-Hattrick geschafft. 104 Spiele in Folge blieb das Team um den legendären Torhüter Helmut Ducadam, der im europäischen Meistercupfinale 1986 beim Triumph über den FC Barcelona im Elfmeterschießen sagenhafte vier Versuche abgewehrt hat, unbezwungen.

Meisterschaft ohne Niederlage ist keine Garantie für eine rosige Zukunft

Dass eine Meistersaison ohne Niederlage andererseits keine Garantie für eine rosige Zukunft ist, zeigt das Beispiel von Skonto Riga. 1991 gegründet, eilte das Team aus der Hauptstadt Lettlands von Meisterschaft zu Meisterschaft, schaffte den Triumph 1995 ungeschlagen, ist mit 14 Titeln Rekordmeister, ging 2016 allerdings bankrott und wurde aufgelöst. So etwas muss man auch erst einmal hinkriegen …

Was das für den 1. FC Union bedeuten mag? Gar nichts. Als Tabellenführer der Bundesliga darf jeder im Fan-Block natürlich weiterhin träumen. Mancher vom Meistertitel, ein anderer vom Triumph im Pokal, ein dritter vom Durchstarten in der Europa League, wo nach zwei Niederlagen am Donnerstag in Malmö das dritte Spiel bevorsteht. Vielleicht geht es in Europa für die Männer aus der Wuhlheide ja gerade andersherum: Der erste Sieg in Europa würde den Schmerz der ersten Niederlage in der Liga deutlich lindern.