Eine Frage der Kette: Wie Coach Fischer Union unberechenbarer machen will

Schon in der ersten Einheit beim Wintertrainingslager in Spanien wird klar, worum es Unions Cheftrainer geht: Seine Elf soll taktisch flexibler werden.

Urs Fischer und die Spieler des 1. FC Union Berlin.
Urs Fischer und die Spieler des 1. FC Union Berlin.Stefan Bröhl

Die Sonne schien strahlend vom Himmel, als Urs Fischer, der Cheftrainer des 1. FC Union Berlin, seine Mannschaft am Dienstagvormittag zum Aufgalopp des neuen Jahres erstmals auf einem der Trainingsplätze des Resorts Real Club de Golf Campoamor begrüßte. Im spanischen Touristenstädtchen Campoamor, südlich von Alicante an der Costa Blanca gelegen, bereitet sich der Tross der Eisernen seit Dienstag mit der entsprechenden Intensität auf die zweite Saisonhälfte vor.

Und die hat es gleich in sich. Weil noch zwei Spiele der Hinrunde ausstehen, die Eisernen dazu in der Europa League in Hin- und Rückspiel des Sechzehntelfinals auf Ajax Amsterdam (16./23. Februar) treffen und darüber hinaus auch noch im DFB-Pokal vertreten sind, warten gleich einige englische Wochen auf die Köpenicker. Da kann es nicht schaden, taktisch flexibel zu bleiben, gar noch flexibler zu werden. Schon in der ersten Einheit im Trainingslager wurde klar, worum es dem Schweizer Übungsleiter in diesen Tagen geht: Die Viererkette soll einstudiert werden!

Knoche spricht von einem „Alternativsystem“

Das sei wichtig, um ein „Alternativsystem“ spielen zu können, wie es Verteidiger Robin Knoche in der Medienrunde nach der ersten Trainingseinheit formulierte. „So können wir auch mal innerhalb eines Spiels variieren“, erklärte der Abwehrchef. Neu ist das für ihn keineswegs. Mit dem VfL Wolfsburg spielte der Routinier einst auf noch deutlich höherem Niveau Viererkette, er kennt die Gegebenheiten und Unterschiede längst aus dem Effeff: „Im Endeffekt habe ich vor Union jedes Jahr so gespielt, den Pokal geholt, Champions League mit Viererkette gespielt. Wenn wir das weiter trainieren, werden wir da auch gut in die Abläufe kommen. Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“

Ähnlich hatte sich zuletzt schon Kapitän Christopher Trimmel, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, im Interview mit der Zeitung Bild geäußert: „Egal ob wir mit ihr spielen oder nicht: Es ist nicht schlecht, wenn man dies in der Vorbereitung ein bisschen testet. Es gibt Spiele, in denen es notwendig wird, etwas umzustellen – zum Beispiel nach Platzverweisen. Damit wir Spieler ungefähr wissen, was wir zu tun haben.“

Erstmals über einen längeren Zeitraum dürfte dies im Doppeltest gegen Ligakonkurrent FC Augsburg am Sonnabend zu sehen sein. Die eine Hälfte seiner Spieler lässt Fischer um 13 Uhr ran, die andere direkt im Anschluss um 15 Uhr.

Leistung statt markige Worte

Außerdem will der Coach gemeinsam mit dem Team letzte Zweifel beseitigen, dass die drei enttäuschenden Resultate zum Jahresausklang (0:5 in Leverkusen, 2:2 gegen Augsburg, 1:4 in Freiburg) zum Start in 2023 noch eine Belastung sein könnten. „In diesen Partien ist einfach vieles gegen uns gelaufen“, erinnert sich Knoche insbesondere an das letzte Spiel im Breisgau, als Union schon zur Pause mit 0:4 in Rückstand gelegen hatte, er selbst noch in der Anfangsphase einen Elfmeter verschoss.

Nicht mit dabei in Campoamor ist übrigens Morten Thorsby. Der norwegische Nationalspieler muss sich in dieser Woche einem operativen Eingriff unterziehen und wird erst nach der Rückkehr seiner Teamkollegen wieder im Kreis der Mannschaft trainieren. Wie erwartet, dürfen sich im Trainingslager dagegen Torhüter Yannic Stein, Sechser Aljoscha Kemlein und Innenverteidiger Mathis Bruns aus der eigenen U19 bei den Profis beweisen. Bei ihnen wird Fischer mit Sicherheit ganz genau hinsehen.

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung wollte Knoche indes kein angriffslustigeres Saisonziel als die viel zitierten 40 Punkte ausgeben. „Dafür“, so der 30-Jährige, „müssen wir erst einmal hart genug arbeiten. Alles, was darüber hinaus noch kommt, nehmen wir dann gerne mit.“ Aus der Vorsicht sprechen natürlich auch aus Knoches Worten die guten Erfahrungen aus den letzten Jahren. Nacheinander waren es in der Endabrechnung 41, 50 und im Mai letzten Jahres sogar 57 Zähler. Und das ganz ohne markige Worte, dafür umso mehr mit Leistung auf dem Platz.

Vor dem Punktspiel-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim (Sonnabend, 21. Januar, 15.30 Uhr) testet Union sogar noch ein weiteres Mal: Am 14. Januar (15.30 Uhr) gastiert der MSK Zilina aus der Slowakei in der Alten Försterei. Tickets dafür sind seit Dienstag im Vorverkauf erhältlich, kosten sieben (Stehplatz) beziehungsweise zwölf Euro (Sitzplatz).