Berlin-Köpenick - Müde lächeln würde Urs Fischer, wenn man ihn fragte, ob das Bundesligaspiel seines 1. FC Union gegen Eintracht Frankfurt (Sonnabend, 15.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) das letzte „leichte“ Ligaspiel ist, ehe es für die Eisernen zunächst ins Derby gegen Hertha BSC und dann gegen die Großen der Liga geht. Vielleicht wäre er auch ein wenig grantig ob der dreisten Abwertung eines Gegners, der vielleicht keinen so großen Namen wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund hat, allerdings schwer zu bespielen ist. Und der Schweizer hätte recht.

So mancher sieht im Aufeinandertreffen mit der Eintracht, derzeit Tabellen-Elfter, so etwas wie ein „Kann man mal gewinnen“-Spiel, eine Partie, in die die Eisernen mit ihrem neuen Status als Überraschungsmannschaft der Liga durchaus als Favorit gehen könnten. Doch diese Einstellung würde das geballte Potenzial verkennen, das die Frankfurter in ihren Reihen haben.

„Das ist eine eingespielte Mannschaft, die eine sehr gute Mischung aus dynamischen, kräftigen, routinierten und intelligenten Spielern hat“, erläuterte deshalb auch Fischer die Stärken der Gäste aus Hessen, ohne dabei konkret auf einzelne Spieler einzugehen. Gemeint waren mindestens André Silva, Bas Dost und Daichi Kamada im Angriff sowie Evan N’Dicka in der Defensive.

Zu gut für die Frankfurter

Das Quintett ragt durchaus aus dem sehr ordentlich besetzten Kader der Frankfurter heraus. Während der Niederländer Dost mit seiner Größe und seinem massigen Körper gut Bälle behaupten und in der Luft einfangen kann, kommt der wieselflinke Japaner Kamada über sehenswerte Technik und eine enorme Schnelligkeit. Der Portugiese Silva, vor der Saison zum Schnäppchenpreis von neun Millionen Euro vom AC Mailand fest verpflichtet, vereint die Fähigkeiten seiner beiden Kollegen und ist hinter Hoffenheims Andrej Kramaric der wahrscheinlich beste Bundesliga-Stürmer unter dem Radar. Schon fünf Saisontore belegen das, auch wenn der komplette Stürmer keinesfalls nur an seinen Toren zu messen ist. Bei allem Respekt für die Eintracht, doch Silva ist eigentlich zu gut für das Team.

Gleiches gilt für Evan N’Dicka. Der Franzose ist einer dieser Verteidiger, der für jeden Stürmer schwer zu bezwingen ist und den sich Trainer und Manager gerne backen würden, wenn personelle Verstärkungen doch nur so einfach wären. Mit 1,92 Metern ist der in Paris geborene Abräumer perfekt für den Luftkampf, dabei aber beweglich und dynamisch, mit einem ordentlichen Sinn für das Aufbauspiel ausgestattet, das er mit einem starken linken Fuß vorantreibt. Bereits im Sommer galt ein Abgang zu Paris Saint-Germain als wahrscheinlich, scheiterte aber. Zumindest für den Moment.

Mit N’Dicka wird es aller Voraussicht nach Taiwo Awoniyi zu tun bekommen. Der Stürmer der Eisernen kann körperlich durchaus mit dem Franzosen mithalten und überraschte zuletzt mit genau dem Selbstbewusstsein, das man dem Frankfurter Verteidiger entgegensetzen muss, um sich Chancen zu erarbeiten. André Silva wird indes das Problem von Marvin Friedrich und Robin Knoche in der eisernen Innenverteidigung. Wobei es nicht unwahrscheinlich ist, dass Fischer, wie schon im Spiel gegen die TSG Hoffenheim, die Dreierkette der Gäste spiegelt, um auch einen besseren Zugriff auf Daichi Kamada und Bas Dost zu bekommen, der nach der Corona-Infektion des zuletzt formstarken Aymen Barkok wieder von Beginn an auflaufen könnte.

Voraussetzung dafür wäre allerdings die Matchfitness von Florian Hübner. Der Aufstiegsheld verletzte sich just vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln, konnte unter der Woche aber immerhin individuell trainieren. „Wir hoffen, dass er das Abschlusstraining mit der Mannschaft bestreiten kann“, erklärte Fischer vielsagend. Eine Alternative hat er nicht, weil auch Nico Schlotterbeck verletzt ausfällt. Fehlt auch Hübner, muss es die Viererkette richten.

Dafür gaben unter der Woche Sebastian Griesbeck und auch Marius Bülter Entwarnung. Griesbeck hatte im Spiel gegen den 1. FC Köln einen Tritt auf das Sprunggelenk bekommen und wurde vorsorglich ausgewechselt. Er konnte aber genauso wieder mit dem Team trainieren wie der Senkrechtstarter der Vorsaison Bülter, den nach einem schwierigen Start in seine zweite Bundesligasaison auch eine positive Corona-Infektion ausbremste, die erste bei den Eisernen. „Marius konnte direkt nach dem positiven Test in Rücksprache mit den Ärzten erst einmal gar nichts machen, nach einigen Tagen in der Quarantäne aber wieder erste Übungen absolvieren und sich dann langsam steigern“, erklärte Fischer das Quarantäne-Training des 27-Jährigen, von dessen Fitness der Schweizer dennoch beeindruckt war: „Er hat seit seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining so gut trainiert, dass ich ihn selbst fragen musste, warum er so fit ist.“

Auch wenn Bülter gegen Frankfurt wohl noch nicht in der Startelf steht, können die Eisernen doch froh sein, eine weitere Option im Angriff zu haben. Die Qualität, um die Köpenicker zu ärgern, hat Eintracht Frankfurt allemal. Und die Eisernen tun gut daran, die Hessen bei allen hochkarätigen Gegnern, die sich in den kommenden Wochen im Stadion An der Alten Försterei ankündigen, nicht zu unterschätzen.