Berlin-Köpenick - Ist das Glas halb voll oder halb leer? Diese Frage mussten sich die Spieler und der Trainer des 1. FC Union nach dem 2:2 gegen den starken VfL Wolfsburg, bei dem in Überzahl dennoch mehr drin gewesen wäre, ganz allgemein stellen, und beantworteten sie unterschiedlich. Torschütze Robert Andrich hätte „lieber gewonnen, als getroffen“, Trainer Urs Fischer war mit dem „gewonnenen Punkt“ indes eher zufrieden.

Für Abwehrspieler Florian Hübner bekam die Frage jedoch noch eine andere Dimension. Der 29-Jährige absolvierte gegen die Niedersachsen seine 270. Spielminute in der laufenden Saison - mehr als etwa die Kollegen Andy Gogia, Keita Endo, Niko Gießelmann oder Joel Pohjanpalo - doch gleichsam erst seinen dritten Einsatz im 15. Saisonspiel. Immerhin war es schon der zweite in Folge, nachdem Hübner im vergangenen Herbst lediglich beim Sieg bei der TSG Hoffenheim auf dem Feld stand.

Der Aufstiegsheld, dessen Abgang aufgrund seines im Sommer auslaufenden Vertrages und seiner bis vor kurzem noch sehr überschaubaren Einsatzzeiten als ziemlich wahrscheinlich galt, spielt immer dann eine Rolle, wenn die Eisernen mit einer Dreierkette in der Defensive auflaufen. Das war in der laufenden Saison bislang dreimal der Fall, dreimal absolvierte Hübner die komplette Partie über 90 Minuten und erledigte seine Aufgabe gewohnt souverän und kompromisslos, gegen Bremen und Wolfsburg sah er jeweils die Gelbe Karte.

Hübner will spielen - in Köpenick oder anderswo

Wenn Trainer Urs Fischer die Dienste des Defensivspielers benötigt, ist der stets zur Stelle und hält seinen offensiver eingestellten Kollegen Robin Knoche oder Marvin Friedrich den Rücken frei. Auch weil Fischers vierte Option, Leihspieler Nico Schlotterbeck, noch immer nicht ganz spielbereit ist, vor allem aber, weil sich der Schweizer voll und ganz auf Hübner verlassen kann. Im Training beschwert sich der gebürtige Wiesbadener darüber hinaus nie, stellt sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft, machte in der Vergangenheit allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er gerne regelmäßiger spielen wolle - in Köpenick oder anderswo.

Genau diese Zukunftsfrage ist nach den jüngsten Einsätzen aber wieder offen. Denn klar ist: Hübner ist Teil eines erfolgreichen Teams, ein geachteter und verdienter Unioner, der sich grundsätzlich im Vereinsumfeld wohlfühlt, und den die Eisernen keinesfalls einfach so ziehen lassen würden, wenn es nicht sein ausdrücklicher Wunsch ist.

Stellte sich vor einigen Wochen noch die Frage, ob Hübner spielen will, lautet sie nun: Wie will Hübner spielen? Will er in einem anderen Team als erfahrener Führungsspieler in der Startelf auflaufen? Oder ist er damit zufrieden, bei den Eisernen als „Feuerwehrmann“ einzuspringen und voll da zu sein, wenn er gebraucht wird? Können ihm die Köpenicker da eine konkrete Perspektive anbieten?

Sicher ist: Mit jedem Einsatz für die Unioner kann Hübner sich beweisen, seinen sportlichen Wert auf der großen Bühne unter Beweis stellen. Und jede gute Leistung, wie zuletzt gegen Wolfsburg, würde einen Abschied umso komplizierter machen. Der Verteidiger ist ohnehin schon einer von nur noch acht Aufstiegshelden im Kader der Köpenicker. Doch auch Hübner muss sich entscheiden: Halb voll oder halb leer?