Union Berlin gibt in Wolfsburg wenige Minuten vor Schluss den Sieg aus der Hand

Auch gegen Wolfsburg erlauben sich die Eisernen ein paar Unachtsamkeiten. Deshalb reicht ein von Juranovic verwandelter Strafstoß nicht zum Sieg. 

Juranovic erzielt per Strafstoß die Führung für Union.
Juranovic erzielt per Strafstoß die Führung für Union.imago/Contrast

Man sollte immer genau hinhören, wenn Christopher Trimmel, der Kapitän des 1. FC Union Berlin, im Nachgang von Fußballspielen vor die Mikrofone der Reporter tritt. Der Österreicher verliert sich dabei halt nicht nur in irgendeinem Blabla, sondern spricht auch mal eine unangenehme Wahrheit aus. Neulich zum Beispiel, unmittelbar nach dem 0:0 gegen den 1. FC Köln, bemerkte Trimmel in Bezug auf die Probleme im Angriffsspiel des FCU Folgendes: „Natürlich stellen sich die Gegner immer besser auf uns ein ... sie nehmen unsere tiefen Läufe inzwischen sehr gut auf ... “ 

Nun, zu den Gegnern, die sich immer besser auf die Eisernen einstellen, zählt offensichtlich auch der VfL Wolfsburg. Es ist jedenfalls so, dass die Elf von Trainer Urs Fischer am Sonntagabend beim Gastspiel im Stadion am Mittellandkanal nicht gänzlich überzeugen konnte, ein paar Unachtsamkeiten und Unkonzentriertheiten in ihrem Spiel hatte und ein von Josip Juranovic verwandelter Foulelfmeter deshalb auch nicht zum Sieg reichte. Aber vielleicht sollte man doch etwas bescheidener sein und von einem Punktgewinn berichten. Denn das war es letztlich auch.

Michel darf von Beginn an ran

Im Sturm der Eisernen durfte dieses Mal Sven Michel von Beginn an ran. Klar, einerseits hatte sich der 32-Jährige am Donnerstagabend beim 3:3 im Achtelfinalhinspiel der Europa League gegen Royale Union Saint-Gilloise mit seinem späten Ausgleichstreffer für einen Startelfeinsatz empfohlen, andererseits war es in Anbetracht der sportlichen Glücklosigkeit von Jordan Siebatcheu und Kevin Behrens auch mal an der Zeit, etwas zu ändern.

Das galt auch fürs Mittelfeld, in dem auf den Halbpositionen Morten Thorsby (links) und Aïssa Bilal Laïdouni (rechts), in der Zentrale Rani Khedira und auf den Außenbahnen Niko Gießelmann (links) und Josip Juranovic (rechts) zum Einsatz kamen. Für den bereits erwähnten Trimmel, aber auch für Janik Haberer hatte dies zur Folge, dass sie die Partie zunächst aus der Perspektive eines Ersatzspielers verfolgen mussten beziehungsweise durften. 

Union-Keeper Frederik Rönnow wehrt einen Schuss von Kilian Fischer ab.
Union-Keeper Frederik Rönnow wehrt einen Schuss von Kilian Fischer ab.imago/Koch

Was sie und die 23.500 Zuschauer (darunter 2700 Union-Fans) zu sehen bekamen, war ein Michel voller Tatendrang, ein Michel mit einer ersten Torchance, nachdem eine Becker-Flanke über Umwege vor seinem linken Fuß gelandet war. Doch sein Schuss geriet zu einem Fall für den Balljungen.

Nach diesem mutigen Einstieg und einer anfänglichen Dominanz ihrer Kollegen war der Blick der Reserve und damit auch Fischers Blick allerdings immer öfter Richtung eigene Spielhälfte gerichtet. Wo schließlich auch die ersten defensiven Turbulenzen auszumachen waren. In Abwesenheit von Standardspezialist Marc Arnold setzte sich in der 15. Minute Mattias Svanberg beim Wolfsburger Schützenstreit durch, jagte einen Freistoß gegen die Querlatte. Und nur eine Minute später sah sich Union-Keeper Frederik zu einem Noteinsatz gezwungen, da Diogo Leite und Danilho Doekhi im Strafraum VfL-Außenverteidiger Kilian Fischer nicht vom Torschuss hatten abhalten können.

Doekhi und Leite laden Wolfsburg zu einer Großchance ein

Apropos Leite und Doekhi: Der Portugiese und der Niederländer haben über Wochen hinweg herausragende Leistungen auf den Platz gebracht, sich fast keine Fehler erlaubt, zuletzt allerdings war das ein bisschen anders. Vielleicht auch, weil sie nicht mehr nur aus ihrer Position heraus verteidigen, sondern auch mal mitmarschieren wollten.

Das ist aller Ehren wert, aber auch saugefährlich, wie sich in der 44. Minute zeigte, als Doekhi in der Vorwärtsbewegung den Ball verlor, Leite sich nach der prompten Ballrückeroberung einen Fehlpass erlaubte und Wolfsburgs Omar Marmoush nach einem gewonnenen Zweikampf gegen Robin Knoche allein auf Rönnow zulief. Zum Glück für die Eisernen entschied sich Marmoush für den erwartbaren Schlenzer in die lange Ecke. Sein Schlenzer strich letztlich um fast einen Meter am Pfosten vorbei.

Umringt von grünen Männchen: Unions Danilho Doekhi.
Umringt von grünen Männchen: Unions Danilho Doekhi.imago/Nordphoto

Auch in der 58. Minute waren der inzwischen offenbar leicht angeschlagene Doekhi und Leite nicht in der Lage, Yannik Gerhardt vom Flanken und Marmoush vom Köpfen abzuhalten. Rönnow allerdings machte das, was er machen muss, sicherte die kurze Ecke ab und parierte ohne große Mühe.

Nach gut einer Stunde nahm Fischer mit Einwechslungen Einfluss auf die Partie. Oder sagen wir so: Er wollte mit frischen Kräften Einfluss auf die Partie nehmen. Timo Baumgartl kam für Doekhi, Paul Seguin für den seit der 8. Minute mit einer Gelben Karte vorbelasteten Khedira, schließlich auch Jérôme Roussillon für Gießelmann. Inwieweit der Elfmeter in der 72. Minute in einem Zusammenhang mit dem Dreifachwechsel zehn Minuten zuvor steht, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Fakt ist, dass Laïdouni nach einer Michel-Flanke von Josuha Guilavogui an der Ferse getroffen wurde, Schiedsrichter Robert Schröder sogleich auf den Punkt zeigte. Juranovic schließlich die Verantwortung übernahm und mit einem Schuss in die Tormitte das 1:0 markierte. 

Dieser Treffer sollte allerdings nicht zum Sieg reichen. Weil die Eisernen in der 84. Minute nicht in der Lage waren, mit einer klaren Abwehraktion die Gefahr aus ihrem Strafraum zu verbannen. Letztlich traf der eingewechselte Patrick Wimmer mit einem Schuss aus zwölf Metern, bei dem Rönnow aufgrund der mit allerlei Vorderleuten verstellten Sicht keine Abwehrchance hatte.