Was für eine wilde Fahrt: Union Berlin und Augsburg treiben sich zu einem 2:2

Die Eisernen liefern sich mit den Fuggerstädtern einen offenen Schlagabtausch. Sie verpassen in der zweiten Hälfte bei zahlreichen guten Chancen den Sieg.

Kevin Behrens schreit nach seinem Treffer zum 2:1 vor Freude und läuft auf Vorarbeiter Niko Gießelmann zu.
Kevin Behrens schreit nach seinem Treffer zum 2:1 vor Freude und läuft auf Vorarbeiter Niko Gießelmann zu.AFP/Schwarz

Die Spieler des 1. FC Union Berlin haben am Mittwochabend die von Trainer Urs Fischer geforderte Reaktion gezeigt, aber das letzte Heimspiel dieses Jahres nicht für sich entscheiden können. Drei Tage nach der 0:5-Ohrfeige von Leverkusen mussten sich die Eisernen in der Auseinandersetzung mit dem FC Augsburg nach 90 kurzweiligen Fußballminuten jedenfalls mit einem 2:2 (2:2) begnügen. Begnügen? Ja, weil sie in der zweiten Hälfte weitaus mehr vom Spiel und die weitaus besseren Chancen hatten. Immerhin: Durch das Remis ist der FCU wieder Tabellenzweiter, weil der SC Freiburg bei RB Leipzig unterlag.

Ja, was die Zuschauer in der Alten Försterei zu sehen bekamen, war von der ersten Minute an tatsächlich eine wilde Fahrt. Wobei der Impuls dafür von Augsburgs Keeper Rafal Gikiewicz kam beziehungsweise von Paul Seguin, der bei seinem Bundesliga-Startelfdebüt für die Eisernen in der siebten Spielminute aus der eigenen Hälfte einen ganz feinen Pass auf Sheraldo Becker schlug. Gikiewicz, der ehemalige Unioner, dachte, er könnte diesen Pass mit einem mutigen Ausflug abfangen, kam allerdings viel zu spät, sodass Becker an ihm vorbeiziehen und den Ball aus extrem spitzem Winkel über gut dreißig Meter hinweg im Tor versenken konnte. Saisontreffer Nummer sieben war das für den Niederländer, der dieses Mal im Sturm Kevin Behrens und nicht Jordan Siebatcheu an seiner Seite hatte. 

Rani Khedira sieht die fünfte Gelbe Karte

Fast postwendend kamen die Gäste allerdings zum Ausgleich, nämlich durch Florian Niederlechner, der nach einem Einwurf und einer unsauberen Abwehraktion von Unions Danilho Doekhi von Sitzfußballer Ruben Vargas angespielt wurde und Union-Keeper Lennart Grill mit einem Schuss aus etwa zwölf Metern keine Chance ließ. 

Aus Platzmangel können wir nur skizzenhaft schildern, was sich im Anschluss an dieses 1:1 so alles ereignete. In der 11. Minute scheiterte Becker an Gikiewicz, der nach seiner Fußabwehr Glück hatte, dass Niko Gießelmann beim Nachschuss nur knapp das Tor verfehlte. Kurz darauf sah Rani Khedira seine fünfte Gelbe Karte, wird deshalb am kommenden Sonntag beim letzten Spiel vor der WM in Freiburg nicht zur Verfügung stehen. Wenige Sekunden später verlängerte Augsburgs Gumny einen Eckstoß seiner Mannschaft geschickt über Grill hinweg Richtung Union-Tor, der Ball allerdings tropfte nur gegen die Querlatte. 

Wir müssen schließlich noch ein bisschen mehr Tempo bei der Berichterstattung aufnehmen und einiges außen vor lassen. Also nur das hier: In der 14. Minute flankte Julian Ryerson, der rechte Flügelmann, auf Gießelmann, den linken Flügelmann, der mit seinem Kopfball an Gikiewicz scheiterte. In der 22. Minute schlug Gießelmann einen Freistoß auf Behrens, der so frei war, dass er lockerer als im Training zum 2:1 einköpfen konnte.

Niederlechner gibt den Artisten

Zwei gefährliche Kopfbälle von Janik Haberer gilt es noch zu erwähnen (25. und 28.). Ach ja, und Augsburg kam in der 39. Minute wie aus dem Nichts zum Ausgleich, weil Ermedin Demirovic aus 25 Metern ansatzlos einen mächtigen Fernschuss Richtung Union-Tor abgab, der Ball von der Querlatte zurück ins Feld sprang, wo Niederlechner den Artisten gab und per Seitfallzieher traf.

Beste Unterhaltung war das, ein Spiel ohne Hemmungen, das in dieser Weise zunächst auch nach dem Seitenwechsel eine Fortsetzung erfuhr. Mit seinem zielgenauen Fuß zirkelte der eifrige Gießelmann zunächst einmal einen Freistoß aus knapp 25 Metern an die Latte, 48 Minuten waren da gespielt. In der 49. Minute stürzte Khedira im Strafraum, forderte einen Elfmeter, den Schiedsrichter Sascha Stegemann zu Recht nicht geben wollte. Becker boten sich beste Gelegenheiten zum finalen Pass, ließ dabei aber das Timing missen.

Die Fans der Eisernen nutzten die ab der 55. Minute einkehrende „Ruhe“ zum minutenlangen Support, sie sangen, sie schwenkten ihre Fahnen, wurden in der 68. Minute aber schon wieder in die nächste Aufregung versetzt. Erneut durch Behrens, der sich mit seinem Auftritt für weitere Startelfeinsätze empfehlen konnte, aber in dieser Szene nach einer Flanke von Seguin nur den Außenpfosten traf. 

Fischer versuchte schließlich über Einwechslungen zum Erfolg zu kommen. Er brachte Genki Haraguchi für Haberer und Sven Michel für Becker, der ob dieser Maßnahme alles andere als begeistert war. In der 82. Minute schickte sein unbarmherziger Trainer auch noch Christopher Trimmel, Morten Thorsby und Jordan Siebatcheu aufs Feld, ging also volles Risiko, ohne das dies noch belohnt wurde. Haraguchi war dem Siegtreffer sehr nah, doch Gikiewicz fing in der 85. Minute seinen Fernschuss sicher ab. Auch Michel bekam noch seine Chance, zog ab, traf den Kollegen Thorsby, von dessen Körper der Ball noch fast ins Tor abgeprallt wäre.