Der 1. FC Union und der ganz besondere Druck in einem Endspiel, das keines ist

Unabhängig vom Ausgang des Parallelspiels können die Berliner den Verbleib in der Europa League sichern. Auf die Unterstützung ihrer Fans müssen sie verzichten.

Julian Ryerson (l.) und der 1. FC Union Berlin haben sich vergangene Woche mit dem Sieg gegen Sporting Braga eine sehr gute Ausgangslage für die Partie am Donnerstag erspielt.
Julian Ryerson (l.) und der 1. FC Union Berlin haben sich vergangene Woche mit dem Sieg gegen Sporting Braga eine sehr gute Ausgangslage für die Partie am Donnerstag erspielt.AFP/Stefanie Loos

Je näher das Spiel rückt, umso häufiger wird wieder ein Wort benutzt: Endspiel. Zwei davon, ja eigentlich drei wurden dem 1. FC Union Berlin in den vergangenen Wochen schon zugeschrieben. Mit zwei Siegen gegen Malmö wurde dabei zunächst das europäische Überwintern gesichert, mit einem Erfolg gegen Braga zuletzt die Chance auf die K.-o.-Phase in der Europa League am Leben gehalten. Nun also wartet auf die Mannschaft von Trainer Urs Fischer am Donnerstag (21 Uhr/RTL+) bei Royale Union Saint-Gilloise in Belgien das nächste Endspiel. Wobei man allerdings mit der Begrifflichkeit eines Endspiels etwas vorsichtig sein sollte. Der Duden erklärt dessen Bedeutung etwa wie folgt: „Spiel, in dem der Sieger eines Wettbewerbs nach vorausgegangenen Qualifikationsspielen ermittelt wird“.

Im Herbst dieses Jahres ist man in der Europa League und in allen anderen Wettbewerben natürlich noch weit davon entfernt, ein Endspiel im Sinne dieser, seiner eigentlichen Bedeutung zu absolvieren. Für die zuletzt drei Siege am Stück in der Vorrundengruppe D hat der 1. FC Union noch keinen Titel gewonnen, sich dafür aber in eine gute Ausgangslage gebracht: Mit einem vierten Erfolg in Serie würden die Eisernen als Gruppenzweiter die Zwischenrunde des Wettbewerbs erreichen. Kein End-, dafür aber ein entscheidendes Spiel, da am Donnerstagabend feststeht, ob die Unioner die Gruppe als Zweiter oder Dritter beenden werden.

Wenn der 1. FC Union spielt, endet die Partie 1:0

So eine Konstellation erzeugt natürlich erneut ein Gefühl von Endspiel. Drohte in den vergangenen Wochen noch das europäische Aus, geht es jetzt um den Verbleib in der Europa oder den Gang in die Conference League. Eine besondere Konstellation, die auch den Druck auf die Spieler dementsprechend vergrößert. Dass seine Mannschaft mit dieser Art von Spielen ganz gut umgehen könne, habe sie in den Spielen gegen Malmö gezeigt, sagte Urs Fischer vor dem Spiel gegen Braga und sie bestätigte ihren Trainer einen Tag später mit dem knappen 1:0-Sieg gegen die Portugiesen.

Wie sollte es auch anders sein. Denn: Wenn der 1. FC Union Berlin in dieser Saison ein Spiel in der Europa League bestritten hat, endete es immer mit einem 1:0 für die Eisernen oder eben die Gegner. So, wie im Hinspiel gegen Saint-Gilloise im Stadion An der Alten Försterei. Diesem historischen, weil ersten internationalen Spiel in der Geschichte der Köpenicker in ihrer so besonderen Heimstätte. Dem einzigen Spiel aber auch, in dem man so ein wenig das Gefühl hatte, dass die Mannschaft mit dem Druck nicht so recht umgehen konnte und das schlechteste aller bislang fünf Spiele absolvierte.

Dass die Spieler von Urs Fischer mit Druck aber durchaus zurechtkommen und Reaktionen auf (bislang selten gezeigte) schlechte Leistungen zeigen können, haben sie in den drei bislang so oft als Endspielen bezeichneten Partien in der Europa League eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zuletzt bei den Siegen daheim gegen Malmö und Braga, als Robin Knoche vom Elfmeterpunkt jeweils in der Schlussphase die Nerven behielt und beim so mental schwierigen, weil von Ausschreitungen überschatteten und lange unterbrochenen Auswärtsspiel in Malmö, welches die Mannschaft zudem in der zweiten Hälfte in Unterzahl bestreiten musste.

Dieses Fehlverhalten einiger Personen, die man an dieser Stelle weiterhin nicht als Union-Fans bezeichnen sollte, hat im Nachgang übrigens dafür gesorgt, dass die Köpenicker am Donnerstag ohne eigene Fans auskommen müssen. Dem 1. FC Union war es als Konsequenz dieser Vorkommnisse verboten worden, Tickets für das Spiel in Belgien zu verkaufen. Vielleicht auch als Folge der Bilder des 1. FC Köln, der in der Conference League zwei Auswärtsspiele ohne Fans auskommen musste, in Belgrad und vergangene Woche in Tschechien aber dennoch von einigen Anhängern unterstützt wurde, hat der Bürgermeister von Leuven ein Betretungsverbot der Stadt ausgesprochen, „um eine mögliche Anreise von Union-Anhängern ohne Tickets zu unterbinden“.

Union-Präsident Dirk Zingler zeigt sich enttäuscht

Vor dem Hintergrund, dass sich beide Vereine im Vorfeld der Partie über eine organisatorische Lösung ausgetauscht hatten, damit die Union-Fans die Reise nach Belgien dennoch antreten können, zeigte sich Dirk Zingler ob dieses Verbotes enttäuscht: „Ich halte diese Maßnahme der belgischen Behörden für unverhältnismäßig und falsch. Sie bestraft mal wieder nicht die Täter, sondern viele friedliche Fußballfans. Zudem entspricht der Erlass auch nicht dem Urteil der Uefa, die kein Reiseverbot gegen Union-Fans verhängt hat, sondern lediglich uns als Klub untersagt hat, Karten für den Gästeblock in Leuven zu verkaufen“, wurde der Union-Präsident in einer Stellungnahme zitiert.

Die Spieler, um die muss man sich aktuell keine Sorgen machen, werden auch mit dieser Situation umgehen. Vor allem der späte 2:1-Sieg am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach „hat positive Energie ausgelöst und das müssen wir mitnehmen“, sagte Abwehrspieler Julian Ryerson am Mittwochnachmittag auf der Pressekonferenz vor der Partie. Dem nächsten Endspiel, wenn man es so nennen möchte. Auch wenn es von seiner Bedeutung her keins ist.