Grob fahrlässig: Flick verzichtet bei der WM auf Unions Khedira und Knoche

Warum der Bundestrainer bei der Nominierung des WM-Kaders über die Erfolgsgeschichte der Köpenicker hinwegsieht, ist nicht nachvollziehbar.

Ab in den Urlaub: Robin Knoche (l.) und Rani Khedira sind bei der WM in Katar nicht mit von der Partie.
Ab in den Urlaub: Robin Knoche (l.) und Rani Khedira sind bei der WM in Katar nicht mit von der Partie.Imago/Contrast

Die Weltmeisterschaft in Katar ist in vielerlei Hinsicht anders. Auch im Hinblick auf die Zeit, die den Nationaltrainern bleibt, um aus den von ihnen nominierten Spielern eine Mannschaft zu formen, spieltaktische Automatismen und Standardsituationen einzuüben et cetera. Im Endeffekt bleibt ihnen dafür aufgrund des engen Terminkalenders gerade mal eine Woche.

Insofern möchte man glauben, dass auch Hansi Flick bei der endgültigen Kadernominierung den Faktor „aktuelle Form“ als äußerst wichtig erachtet hat, dass der Bundestrainer sich also bei der Auswahl der 26 Kandidaten nicht von Möglichkeiten, sondern von gegenwärtigen Wahrheiten hat leiten lassen. Aber denkste: Flick verzichtet tatsächlich bei dem am Sonntag schon in acht Tagen beginnenden Turnier sowohl auf Rani Khedira als auch auf Robin Knoche.

Back-up-Option für Kimmich

Auf die beiden Profis, die als konstante Größen und anerkannte Führungskräfte maßgeblichen Anteil am Aufschwung des 1. FC Union Berlin haben. Die aber nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern auch hinsichtlich ihrer Charakterstärke in einer über Wochen hinweg geforderten Gemeinschaft als absolut WM-tauglich angesehen werden dürfen.

Was Flick dazu bewogen hat, über die beiden Könner aus Köpenick und damit auch über die Erfolgsgeschichte der Eisernen hinwegzusehen, ist nicht nachzuvollziehen, ja rätselhaft – und womöglich, das werden schon die Spiele in der Gruppenphase gegen Japan, Costa Rica und Spanien, sogar fahrlässig. 

Er selbst sprach ja am Donnerstag vom Momentum, das der eine oder andere Spieler derzeit auf seiner Seite habe, dies allerdings im Besonderen im Zusammenhang mit dem von ihm berufenen Stürmer Niclas Füllkrug (Werder Bremen). Khedira hätte mit seiner Aggressivität und seiner Widerstandsfähigkeit allemal eine Hilfe und eine sehr gute Back-up-Option für seinen Kumpel Joshua Kimmich sein können, Knoche wiederum mit seiner Kopfball- und Nervenstärke sowie mit seinem guten Positionsspiel eine Stütze in der Defensive. Hinzu kommt, dass beide infolge der zahlreichen Erfolgsmomente mit Union in Liga, Pokal und Europa League in diesen Tagen voller Selbstvertrauen sind. Und auf all dies will Flick verzichten? Nun gut, wenn er sich’s erlauben kann.