Und auf einmal erklang Andrea Boccelis Riesenhit „Time To Say Goodbye“ am Trainingsplatz in Köpenick. Passend für Grischa Prömel, möchte man meinen. Denn Unions Vizekapitän gibt am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) gegen den VfL Bochum seine Abschiedsvorstellung für die Köpenicker.

Doch diese per Handy eingespielten Klänge galten nicht dem 27-Jährigen, sondern einem Reporterkollegen, der die Hauptstadt verlässt. Und trefflicher wäre in Prömels Fall sicherlich Peter Maffeys „So bist du“ gewesen. Denn die darin enthaltene Zeile „und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir“ beschreibt viel eher die Gefühlslage des nach Hoffenheim abwandernden Mittelfeldspielers.

Grischa Prömel ist wehmütig

„Ich kam hierher als junger Mensch. Als unerfahrener Zweitligaprofi, jetzt gehe ich als gestandener Spieler, als Vizekapitän eines Bundesligisten, der sich zum zweiten Mal in Folge für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert hat. Das hinterlässt Spuren“, meinte der 27-Jährige, der in dieser Saison mit seinen sieben Treffern seine bisher beste Spielzeit bei den Köpenickern abliefert.

Auf Rekord-Treffer Nummer acht kann er verzichten. Auch wenn es das i-Tüpfelchen bei seiner Abschiedsvorstellung vor Freunden, Familie und Unionanhang wäre. „Kleine Ziele brauche ich nicht, eher das Große. Wenn man dann noch dazu beiträgt, wäre das Weltklasse“, zeigt Prömel ungebrochen Ehrgeiz. Es soll die Europa League werden für Union, nicht nur die Conference League.

Anders als noch bei seiner Vertragsunterschrift zu Jahresbeginn steht sein künftiger Arbeitgeber Hoffenheim nicht mehr auf einem Platz, der zum internationalen Geschäft berechtigt. Prömel ist zum Zuschauen verdammt, wenn seine Kollegen künftig weiter in Europa reüssieren. „Dann werde ich halt jetzt donnerstags im Trikot vor dem Fernseher sitzen und die Daumen drücken“, so der gebürtige Stuttgarter.

Union-Fans riefen Grischa Prömels Namen

Denn natürlich bleibt er den Eisernen emotional verbunden. Nur ein Teil geht zurück ins Ländle. Der andere bleibt eben hier in Köpenick. „Diese fünf Jahre machen schon was mit einem. So wie die Fans einen pushen. Wie sie nach dem 1:1 gegen Fürth nicht aus dem Stadion rausgehen wollten und immer weiter deinen Namen gerufen haben. Das hätte ich vor fünf Jahren nie für möglich gehalten“, so Prömel.

Bis so etwas in Hoffenheim geschieht, muss dort einiges passieren. An einen schwierigen Start glaubt er dort nicht: „Ich kenne da ja noch alles. Sogar einige Mitspieler noch. Und ich muss keinen Kaltstart hinlegen, sondern habe im Sommer die Vorbereitung“, drückte er eine solide Zuversicht aus, dass er sich beim Wechsel nur ein bisschen verwachst hat, was das internationale Geschäft angeht. Nicht aber bei den Finanzen oder gar seiner künftigen Spielzeit.