Berlin - Die Schlagzeile über diesem Text ist kein Versehen, sondern nur ein Hinweis darauf, dass das Spiel zwischen dem 1. FC Union und dem SV Werder Bremen auch für Hertha BSC von großem Interesse war. Dahingehend, dass die Blau-Weißen, die sich ja noch bis zum 29. April wegen mehrerer Corona-Fälle in Quarantäne befinden, im Abstiegskampf auf Schützenhilfe angewiesen sind. Und siehe da: Der Stadtrivale aus Köpenick konnte am Sonnabendnachmittag dergleichen leisten, besiegte die Hanseaten nach einer deutlichen Leistungssteigerung in Hälfte zwei mit 3:1. Mann des Tages war dabei der Finne Joel Pohjanpalo, dem etwas ganz Seltenes gelang: ein lupenreiner Hattrick. 

Während Union mit nun 46 Punkten aus 31 Spielen weiter von Europa und der Teilnahme an der Conference League träumen darf, sieht es für Werder ganz düster aus. Nach sieben Niederlagen in Serie belegt der Traditionsklub von der Weser mit 30 Punkten Platz 14, muss aber aufgrund der Formsteigerung von Arminia Bielefeld, dem FSV Mainz und dem 1. FC Köln wieder mal mit dem Schlimmsten rechnen. Hertha wiederum hat 26 Punkte, aber auch inzwischen drei Spiele weniger als die Hanseaten.

Verschnaufpause für Kapitän Trimmel

Urs Fischer, der Trainer der Eisernen, hatte im Vergleich zum 0:2 in Dortmund vier Wechsel vorgenommen. Nils Schlotterbeck rückte ins Team, weil der Schweizer Fußballlehrer gegen die Hanseaten mit einer Dreierkette in der Abwehr zu Werke gehen wollte. Christopher Trimmel bekam eine Verschnaufpause, für den Kapitän und Vielspieler startete Julian Ryerson in die Partie. Schließlich durften auch Christian Gentner (für Grischa Prömel) und eben Pohjanpalo (für Petar Musa) ran. Aufgrund der taktischen Umstellung fand sich auch noch Keita Endo auf der Ersatzbank wieder.

Dass in Köpenick bei so vielen Veränderungen grundsätzlich niemand mehr ein schlechtes Gefühl haben muss, spricht a) für die Qualität des Kaders und b) für die Arbeit von Fischer. Und doch war da vieles erst mal nicht so flüssig und so griffig wie gewohnt. Schnurstracks ging es für die Eisernen von Beginn an zwar nach vorne, angeführt von Max Kruse, der seinen Freund und ehemaligen Trainer Florian Kohfeldt widerlegen wollte. Kohfeldt hatte bei seinem ehemaligen Spieler nämlich vor der Partie eine gewisse Müdigkeit ausgemacht. Doch was auch immer der 33 Jahre alte Angreifer und seine Kollegen in die Wege zu leiten versuchten, verflüchtigte sich wiederholt vor dem gegnerischen Strafraum.

Bei Kruse zwickt es im Oberschenkel

Der von der Abstiegsangst bewegte SV Werder war halt auch nicht zum Mitspielen, sondern zum Zerstören in die Alte Försterei gekommen, sodass aus den ersten 45 Minuten nicht allzu viel für die Nachberichterstattung notiert werden konnte. Nur so viel: In der 16. Minute malträtierte Robert Andrich nach einem Kruse-Eckball mit zwei Schüssen aufs Werder-Tor den tapferen Marco Friedl. Auf der Gegenseite riss Milot Rashica Union-Keeper Andreas Luthe aus der aufkommenden Langeweile (22.). Der Rest: nicht der Rede wert.

Weil Kruse gegen Ende der ersten Hälfte bei einem Laufduell ein Zwicken im Oberschenkel verspürt hatte, blieb er zur Pause gleich mal in der Kabine. Für ihn kam Musa ins Spiel. Ingvartsen übernahm Kruses Job bei den ruhenden Bällen, was auch gleich beim ersten Versuch einen Treffer zur Folge hatte. Mit viel Wucht trat der Däne in der 50. Minute den Ball vors Tor, Marvin Friedrich kam an den Ball, der schließlich über Werders Niclas Füllkrug beim glücklichen Pohjanpalo landete. Der Finne vollstreckte nüchtern, und schon hier war ihm anzusehen, wie erleichtert er durch diesen Treffer plötzlich war. Es waren ja doch schon ein paar Zweifel aufgekommen, ob er in Köpenick noch glücklich werden kann.

Drei Minuten später erbrachte er sogleich einen weiteren Beleg für seine Klasse. Musa hatte ihm per Kopf den Ball geschickt in den Lauf gelegt, Pohjanpalo zog aus eher ungünstigem Winkel ab, überwand Keeper Jiri Pavlenka aus zehn Metern mit einem Schuss in die lange Ecke. 

Beim 3:0 waren die gleichen Namen im Spiel. Musa als Vorarbeiter, Pohjanpalo als Torschütze, und Pavlenka als derjenige, der mit seiner misslungenen Parade eine unglückliche Figur abgab. 67 Minuten waren da gespielt, fünf Minuten später ersetzte Fischer Pohjanpalo durch Cedric Teuchert. Der Matchwinner nahm schließlich auf der Tribüne Platz, startete einen Plausch mit den Teamkollegen. Und dieser Plausch wurde nur noch einmal unterbrochen: durch den Anschlusstreffer von Gebre Selassie, der einen Lapsus von Luthe für sich nutzen konnte (82.).

Der Schreckmoment des Spiels ging im Schlussjubel dann fast unter. Denn Cedric Teuchert musste nach dem Spiel mit Verdacht auf eine schwere Knieverletzung auf einer Trage vom Platz gebracht werden.