BerlinDie Niederlage im Derby, dazu der Platzverweis für Robert Andrich, der jetzt für drei Spiele in der Liga gesperrt wurde und bis zum Pokalspiel gegen Paderborn (22. Dezember) zuschauen muss. Natürlich der Ausfall von Max Kruse mit Muskelbündelriss bis mindestens Anfang Februar.  Und ausgerechnet jetzt kommen die Bayern (Sonnabend, 18.30 Uhr/Sky) nach Köpenick.

Welch gefundenes Fressen für den Boulevard, der ja der Liebe zum Differenzieren eher wenig verdächtig ist. Schwarz oder weiß, himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, dazwischen kommt eher nix. So wundert es kaum, dass ausgerechnet diejenigen, die Union schon eilends nach Europa gejubelt haben – ein Spiel, das Unions Trainer Urs Fischer mit ehrlichem Entsetzen nie mitgemacht hatte – jetzt schon lustvoll den drohenden Absturz skizzieren.

Angesichts des Programms bis zum Hinrunden-Ende – die Eisernen haben vor allem mit den Top-Fünf der Liga zu tun – scheint es fast folgerichtig, dass die Köpenicker sich in der Tabelle in Bälde in Regionen wiederfinden könnten, die ihrem natürlichen Lebensraum entsprechen würden.

Unions stets bodenständig gebliebener Trainer, der in dieser Woche seinen Vertrag bis sogar wohl 2023 verlängert hatte, wollte eh nie was vom Europacup hören. Seine Mission ist der Klassenerhalt, sein Ziel ist es, den Köpenickern ein drittes Jahr in der Bundesliga zu schenken. Der stets geerdet daherkommende Fischer, der das Attribut eines Fußballarbeiters als Prädikatsauszeichnung versteht, denkt ohnehin lieber von Spiel zu Spiel. Und da hat er eine ganz einfache Sichtweise: 40 Zähler sind die magische Grenze. Die muss man einsacken, dann erst darf man mit etwas mehr liebäugeln.

Wobei in den letzten Jahren natürlich immer deutlich weniger Punkte gereicht haben zum Klassenverbleib. 16 Punkte hat der 1.FC Union schon auf der Habenseite. Fehlen also noch genau 24, um auf Nummer sicher zu gehen. Einen drohenden Absturz  vermag Fischer nicht auszumachen. Eher die Rückkehr zur Normalität. Grund, Trübsal zu blasen, sieht er auch nicht. Die Stimmung in Köpenick ist nach wie vor gut. „Das Hertha-Spiel war schwer zu verdauen. Aber nach ein, zwei Tagen ging es, da hat man es verarbeitet. In der Kabine ist die Stimmung nach wie vor super“, verriet Marcus Ingvartsen, der wohl am ehesten in die Rolle des ausfallenden Max Kruses schlüpfen soll, dieser Tage. „Die Stimmung ist auch ein Resultat des Aufwandes den du betreibst. Wieso sollte die jetzt kippen?“, so Fischer gewohnt pragmatisch. 

Also kein Grund, Horrorszenarien zu entwerfen. Selbst wenn man einen Tabellenrechner nähme und alles gegen die Eisernen tippt, wird Union die Festtage schlimmstenfalls auf Rang 13 verbringen. Mit immer noch drei Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz 16. Dieses Worst-Case-Szenario ist aber unwahrscheinlich. Union ist also voll im Soll. Und wäre es auch, wenn am Ende der Saison nur Rang 15 herausspringt.

Natürlich kommen jetzt anstrengende Wochen, in denen Zählbares nicht vom Himmel fällt. Der Weg zum Klassenerhalt war aber schon immer ein Marathon, kein Sprint. „Man wusste natürlich um das Restprogramm. Da ist es natürlich gut, dass wir schon so viele Punkte geholt haben. Wir wollen uns aber nicht ausruhen, sondern jetzt versuchen, weiter zu überraschen“, meint Marius Bülter.

Die Partien gegen Bayern, Dortmund und im neuen Jahr gegen Leverkusen sowie Leipzig sind so etwas wie Bonusspiele für die Köpenicker. Da hat Fischer nicht zwingend etwas „einbudgetiert“, ohne dass er die Punkte abzuschenken gedenkt. Neben den großen Vier der Liga gibt es bis zum Ende der Hinrunde aber auch noch die Duelle gegen die kecken Stuttgarter, Bremen und Wolfsburg. Alles Kicks, in denen Union sich nicht vor Angst in die Hose machen muss.