Berlin-Köpenick - Joel Pohjanpalo zeigt mit Daumen und Zeigefinger einen beachtlichen Abstand. „So groß etwa“, sagt der Stürmer des 1. FC Union grinsend und ergänzt: „Vielleicht so sieben, siebeneinhalb Zentimeter.“ Der Finne spricht über die Länge der Schrauben, die in seinem Knöchel stecken und es fällt schwer, nicht zu erschaudern. Zu allem Überfluss schiebt der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Torjäger noch nach: „Eine dritte sollte noch rein, die ist aber zerbrochen. Der Knöchel war zu stark.“

Doch genug der Schauergeschichten! Denn eigentlich hat Pohjanpalo viel Positives zu erzählen. Im November, in der letzten Länderspielpause des Jahres 2020, musste er nach einem Foul im Spiel gegen Bulgarien mit kaputtem Sprunggelenk vom Platz getragen werden, wurde kurz darauf erfolgreich operiert. Nur zehn Wochen später gab der Finne bereits sein Comeback. „Das ist nicht selbstverständlich“, betont er und bedankt sich im selben Zuge bei der medizinischen Leitung der Eisernen und seines Stammvereins Bayer 04 Leverkusen. Im Rheinland absolvierte der Stürmer einen Großteil seiner Reha sowie in seinem eigenen Reha-Zentrum in Helsinki, das er mit Torwart Jesse Joronen (Brescia Calcio) betreibt.

Petar Musa trainiert schon mit dem Team

Gut möglich, dass Pohjanpalo nach dem Kurzeinsatz gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Sonnabend beim FSV Mainz 05 schon sein Startelfcomeback geben kann. Ein wenig, das betont er auch selbst, fehlt es ihm noch an Spielpraxis. Doch die bekommt der Stürmer eben nur durch Einsätze. Und während sich Kollege Taiwo Awoniyi, der seit Pohjanpalos Verletzung im Angriff wochenlang die Stellung hielt, über eine wohlverdiente Pause sicher freuen würde, konnte Neuzugang Petar Musa am Dienstag zwar schon mit den neuen Mannschaftskollegen trainieren, dürfte aber im wichtigen Ligaspiel gegen den Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt noch keine entscheidende Rolle spielen.

„Taiwo hat das in den vergangenen Wochen super gemacht und auch Petar ist richtig gut, doch jetzt will auch ich dem Trainer wieder zeigen, dass er sich auf mich verlassen kann“, bekräftigt Pohjanpalo. Der Finne, dessen Highlight in diesem Jahr ganz klar die Europameisterschaft mit seinem Heimatland ist, will für das paneuropäische Turnier, an dem die Finnen erstmals in der Geschichte teilnehmen, bestens vorbereitet sein.

Ein Einsatz gegen Mainz wäre da der perfekte Einstieg. Auch, weil Pohjanpalo beste Erinnerungen an die Rheinhessen hat. Im Hinspiel, seinem Debüt für die Köpenicker, gelang ihm wenige Sekunden nach seiner Einwechslung auch gleich das erste Tor im Dress der Eisernen. Ob er für die auch im kommenden Jahr auf Torejagd gehen wird, will der 26-Jährige indes noch nicht entscheiden.

Klar ist, dass die Unioner eine Kaufoption für den Stürmer haben und Pohjanpalo im Sommer noch ein Vertragsjahr in Leverkusen bleibt. Im besten Fußballalter stehen ihm damit so ziemlich alle Optionen offen – zumal auch hier wieder die Europameisterschaft ins Spiel kommt. Liefert er da eine ordentliche Leistung ab, könnten auch Klubs aus dem Ausland schnell Interesse bekunden. Doch über all das macht sich der ausgeglichene Nordmann noch keine Gedanken. „Vor uns liegen noch 15 Spiele, in denen wir noch viele Punkte holen und ich noch viele Tore schießen kann“, bekräftigt er. Die gruseligen Nägel in seinem Knöchel behindern ihn dabei auf jeden Fall nicht. Raus kommen auch die: „Frühestens nach der EM.“