Schock für Union Berlin: Der Publikumsliebling wechselt sogleich nach Dortmund

Julian Ryerson macht von einer Ausstiegsklausel Gebrauch und folgt umgehend dem Lockruf des BVB. Das ist nachvollziehbar, aber irgendwie auch nicht.

Abschied Richtung Dortmund: Julian Ryerson.
Abschied Richtung Dortmund: Julian Ryerson.imago/Koch

Auch Julian Ryerson ist schwach geworden. Auch der Norweger folgt dem Werben eines vermeintlich potenteren Ligakonkurrenten und verlässt den 1. FC Union Berlin. Und das nicht erst im Sommer, sondern sogleich, weil Borussia Dortmund nach einem Ersatz für den verletzten Rechtsverteidiger Thomas Meunier fahndete und bereit ist, die bei Ryerson im Vertrag mit den Eisernen festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von fünf Millionen Euro zu zahlen. 

Das ist ein Schnäppchen für die Schwarz-Gelben, weil sich Ryerson unter der Führung von Union-Coach Urs Fischer zu einem überdurchschnittlichen Bundesligaspieler entwickelt hatte, der als Allrounder auf dem linken und rechten Flügel, aber auch als Innenverteidiger eingesetzt werden kann. Und nicht nur das: Zuletzt konnte der 15-fache Nationalspieler Norwegens auch in der Offensive Akzente setzen, im Besonderen als zielsicherer Flankengeber.

In gewisser Weise verkörpert der 25-Jährige als Symbolfigur das, wofür die gesamte Mannschaft des FCU steht: leidenschaftliches, folglich auch aggressives, aber eben auch diszipliniertes Spiel. Mit Ryerson bekommt der BVB, der die preiswerte Neuverpflichtung bis 2026 an sich gebunden hat, jedenfalls einen resilienten Fleißarbeiter, der zuletzt frei von Formschwankungen war, immer geliefert hat und noch weiteres Entwicklungspotenzial in sich trägt. 

Typischer Fall von „Denkste!“

Und jetzt mal andersrum: Das ist tatsächlich eine sehr bittere Nachricht für alle Unioner. Für Trainer und Team aus den soeben angeführten Gründen, aber auch, weil Ryerson von vielen Mitspielern als Kumpel, mitunter sogar als Freund geschätzt wurde. Er war wichtig für die Kabine, wie man so schön sagt. Deshalb steht fest: Er, der bei Union 79 Bundesligaspiele bestritt, wird in jedweder Hinsicht nur schwer zu ersetzen sein.

Ja, sein Abgang ist für den Verein sogar noch schmerzhafter als der eines Robert Andrich (Bayer Leverkusen), eines Marvin Friedrich (Borussia Mönchengladbach), eines Max Kruse (VfL Wolfsburg) oder eines Grischa Prömel (TSG Hoffenheim). Bei Ryerson durften die Union-Fans nämlich das Gefühl haben, dass er einer von ihnen wäre, zudem die Hoffnung, dass er bei noch so attraktiven Angeboten Nein sagen würde. Aber: Denkste! 

Er hatte die Chance, zur Legende zu werden

Schon am Dienstagmorgen war Ryerson, wie Sport1, Sky und der norwegische Fernsehsender TV2 berichteten, nach Düsseldorf geflogen, um im Verlauf des Tages in Dortmund den obligatorischen Medizincheck zu absolvieren. Am Sonnabend hatte er indes im Anschluss an das Testspiel gegen MSK Zilina noch eher den Eindruck erweckt, als tendiere er trotz einiger Anfragen aus England und Spanien zu einer Vertragsverlängerung mit den Eisernen. Sein an sich bis Sommer 2023 datierter Vertrag hatte sich infolge einer an eine bestimmte Zahl von Pflichtspieleinsätzen gekoppelte Klausel ja zuletzt erst automatisch um ein weiteres Jahr verlängert.

Aber wie dem auch sei: Sein Entschluss ist einerseits nachvollziehbar, andererseits lässt Ryerson auch die Chance fahren, mit einem außergewöhnlichen Verein Geschichte zu schreiben beziehungsweise bei diesem außergewöhnlichen Verein zur Legende zu werden. Denn Ryerson, der 2018 von Viking Stavanger zum 1. FC Union kam, war beliebt in Köpenick, sehr beliebt sogar: ein Publikumsliebling.