Berlin - Der 1. FC Union hat das Heimsiegen doch noch nicht verlernt. Kapitän Christopher Trimmel sicherte seiner Mannschaft mit seinem ersten Bundesligatreffer das 2:1 (0:1) gegen den 1. FC Köln (67.), nachdem Max Kruse per Elfmeter (48.) die Führung der Gäste durch Ondrej Duda (45., ebenfalls per Elfmeter) egalisiert hatte. Mit 38 Punkten nimmt die Mannschaft von Urs Fischer nun Platz sieben der Tabelle ein, während die Kölner (22 Punkte) es verpassten, sich im Abstiegskampf etwas Luft zu verschaffen. 

Freudestrahlend trat der Siegtorschütze vor die Kamera des Privatsenders Sky, erklärte seinen Torjubel, der so eine Art Hommage an Jürgen Klopp gewesen sein soll. Die Sonne habe schon etwas tief gestanden, sagte der Österreicher zudem, deshalb wäre das mit der Ballannahme gar nicht so einfach gewesen. Und was ist nun mit Union und Europa, wurde er schließlich gefragt, Trimmel antwortete: „Wir wollen jetzt erst mal 40 Punkte holen. Und dann bis zum letzten Spieltag Gas geben.“

Man muss kein Fußballlehrer sein, um zu erkennen, woran es beim 1. FC Union seit geraumer Zeit hapert. Der Sturm der Eisernen war über Wochen hinweg nur ein Stürmchen, nur sieben Tore im Jahr 2021 hatten die Statistiker bis zu diesem Samstagnachmittag registriert, wobei es zuletzt nicht nur im Abschluss, sondern bereits bei der Entwicklung von Torchancen erhebliche Probleme gegeben hatte. Nun, so leicht ist der Ausfall von zwei Klassestürmern wie Taiwo Awoniyi und Sheraldo Becker dann halt doch nicht zu kompensieren. Die beiden fehlen mit ihrer Wucht, mit ihrem Tempo.

Fischer verändert die Startelf

Fischer musste also einfach mal was Neues probieren, brachte dann auch im Angriff von Beginn an Petar Musa anstelle von Joel Pohjanpalo und Keita Endo anstelle von Marius Bülter. Musa, der sein Startelfdebüt im Trikot der Unioner gab, besetzte das Zentrum, Endo den linken Flügel. Und tatsächlich durfte man aus Sicht der Eisernen sogleich hoffen, dass die Rochaden zu einem frühen Torerfolg führen.

In der sechsten und neunten Minute flankte Endo zweimal gekonnt auf Musa. Beim ersten Versuch war Kölns Keeper Timo Horn zur Stelle, beim zweiten ging Musa etwas zu leichtfertig zu Werke, sodass sein Versuch nicht im Tor, sondern am Gitterzaun landete. Zuvor, in der dritten Minute hatte Grischa Prömel nach einem blitzgescheiten Pass von Nico Schlotterbeck schon eine gute Gelegenheit vergeben, der Mittelfeldspieler verlor im Moment des Torschusses die Balance.

Kurzum: Union wollte endlich mal wieder jubeln, durfte aber erst mal nicht. Wobei man nicht außer Acht lassen sollte, dass die Kölner a) mit dem Glück im Bunde waren sowie b) mit Horn einen ziemlich guten Schlussmann haben. So entschärfte Horn gekonnt einen mächtigen Schuss von Max Kruse aus 16 Metern (25.) So brachte es Noah Katterbach nach einem Kopfball von Schlotterbeck fertig, bei seinem Rettungsversuch die Latte zu treffen (28.).

Imago/Koch
Union führt Schnelltests durch

Der 1. FC Union hat erstmals vor einem Spiel in der Bundesliga Corona-Schnelltests bei Personen durchgeführt, die im Rahmen des Sonderspielbetriebes im Stadion An der Alten Försterei gelistet waren.

Vor der Partie gegen den 1. FC Köln am Samstag konnten sich zutrittsberechtigte Helfer, Ordner, Journalisten und anderen Personen freiwillig einem kostenfreien SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltest unterziehen. Dabei wurde der jeweilige Test in einer von acht Kabinen in der Wuhlebar unterhalb der Haupttribüne durchgeführt. Die Kabinen waren mit weißen Stofftüchern voneinander abgetrennt. Die Tests wurden von medizinischem Fachpersonal durchgeführt, Verzögerungen entstanden keine.

Nach dem Test musste jede Person etwa 15 bis 20 Minuten auf das Ergebnis warten. Bei einem negativen Ergebnis erhielt jede Person einen Code, der als Eintrittskarte in das Stadion diente. Union will aus dem Ablauf Erkenntnisse für einen Einsatz gewinnen, wenn Zuschauer wieder erlaubt sind.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Club an einem solchen Pilotprojekt gearbeitet, die steigenden Infektionszahlen und die noch eingeschränkten Testmöglichkeiten aber verhinderten die Umsetzung. (dpa)

Auf der Gegenseite brachten die Kölner in ihrem Offensivspiel erst mal nicht allzu viel Vernünftiges zusammen, außer einer Chance von Salih Özcan, die allerdings von Union-Torhüter Andreas Luthe per Fußballabwehr vereitelt wurde (23.). Ja, irgendwie hatte man den Anschein, dass die Akteure weniger von der Lust aufs Spiel denn von der Angst vorm nächsten Fehler bewegt wurden.  

Die Partie verlor jedenfalls zusehends an Schwung und an Qualität, bis Kölns ehemaliger Nationalspieler Jonas Hector kurz vor der Pause mit einer kleinen Idee erheblichen Einfluss auf die jeweilige Stimmung in den Mannschaftskabinen ausübte. Hector zog drehte sich nämlich samt Ball geschickt in den Zweikampf mit Robin Knoche, kam über das Schienbein des Union-Abwehrspielers zu Fall, um damit auch Schiedsrichter Deniz Aytekin in eine Verlegenheit zu bringen. Elfmeter der Verdacht, Elfmeter die Gewissheit, nachdem Aytekin die Wiederholung der Aktion auf dem VAR-Monitor gesehen hatte. Ondrej Duda, der ehemalige Herthaner, übernahm die Verantwortung vom Punkt, traf sicher zum 0:1.

Kruse verwandelt den Strafstoß sicher

Was Fischer seiner Mannschaft mit auf den Weg in die zweite Hälfte gab, ist nicht überliefert. Sie wirkte allerdings weitaus stabiler, agierte weitaus entschlossener als in der ersten. Julian Ryerson beispielsweise wirkte wie verwandelt, traute sich vielmehr zu, brachte Kölns Marius Wolf wiederholt in Verlegenheit. Man könnte auch sagen: Der Norweger wurde zum Matchwinner. 

In der 48. Minute flankte er scharf in den Strafraum, Wolf drehte sich ab, bekam den Ball gegen die Hand. Ohne zu zögern entschied Aytekin auch hier auf Strafstoß, obwohl auch in diesem Fall beim Handspiel keine Absicht vorlag. Aber das ist ja nicht mehr entscheidend. Kruse, der im Hinspiel bei einem Elfmeter erst im Nachschuss getroffen hatte, trat an, verzögerte einen Moment im Anlauf, um Horn dann in die falsche Ecke zu schicken. 

Ryersons zweiter Streich war ein gewonnener Zweikampf mit Wolf samt anschließender Flanke, die über Prömel bei Christopher Trimmel landete. Der Spielführer nahm den Ball gekonnt an, zog sofort ab und traf mit einem Vollspannstoß in die lange Ecke. 67 Minuten waren da gespielt und die Unioner ab diesem Moment endgültig wieder von einer eisernen Überzeugung getragen. Sie waren im Anschluss dem dritten Treffer jedenfalls näher als die Kölner dem Ausgleichstreffer.