Stuttgart/BerlinZum Leidwesen des 1. FC Union erwies sich Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo ein Stück weit cleverer als sein Angreifer Sasa Kalajdzic. Der Coach der Schwaben warf den Österreicher gegen die Eisernen noch mal ins Rennen, als die Lage schon aussichtslos erschien. Mit einem Doppelpack (85./90.) wendete der  gebürtige Wiener die Pleite noch ab und entriss den Eisernen beim 2:2 (0:1) den nach Toren von Marvin Friedrich (4.) und Taiwo Awoniyi (77.) schon sicher geglaubten Dreier. Der österreichische Jungnationalspieler freute sich also über seine zwei Buden, ärgerte sich aber über ein Missgeschick beim einem Fußball-Managerspiel im Internet. „Ich Trottel habe mich nicht mal aufgestellt“, sagte der 23-Jährige über sein virtuelles Missgeschick. 

Union wäre lieber, es wäre ihm auf dem Feld passiert. In der Vorsaison kam Kalajdzic durch einen Kreuzbandriss nur auf sechs Spiele für die Schwaben mit nur einem Treffer. In dieser Spielzeit zeigte er mit bislang fünf Buden, dass die Ablöse von 2,5 Millionen Euro kein so schlechtes Investment gewesen ist. 

Was bleibt nach dem Duell der beiden Überraschungsteams, ist ein latentes Grummeln bei den Köpenickern, auch wenn sie mit dem einen Zähler nicht ganz unzufrieden waren. Grummeln, weil Union wieder einmal einen Vorsprung verspielt hat. Zum fünften Mal schon in dieser Spielzeit. Zum zweiten Mal sogar einen Zwei-Tore-Vorsprung. Einmal mehr sah Unions Trainer Urs Fischer sich darin bestätigt, dass ein 2:0 ein kreuzgefährliches Ergebnis ist, oftmals eine trügerische Sicherheit verheißt und  keinesfalls wirklich eine Vorentscheidung ist. „Wenn du einen in so einer Situation bekommst, ist das Spiel sofort wieder offen“, so Urs Fischer, der mit dem Punkt am Ende leben konnte. 

Platz sechs wurde gehalten. Und die ungewohnte Höhenluft fängt sichtlich an, den Eisernen Spaß zu machen. Man gefällt sich in der Rolle des kecken Spielverderbes für eine besser betuchte und derzeit angesichts der vielen Ausfälle bei Union auch personell besser aufgestellten Konkurrenz. „Natürlich ist es sehr ärgerlich, aber es waren zwei sehr schöne Tore von Sasa (Kalajdzic; d. Red.)“, meinte Trimmel, der nach der Partie mit seinem österreichischen Teamkollegen noch ein paar freundliche Worte wechselte. „Das ist eben Fußball, man bekommt eine Standardsituation, am Schluss müssen wir den langen Ball besser verteidigen, aber er macht das super. Das macht es so speziell“, meinte Unions Capitano nach dem Kick bei Sky.

Doch viel Zeit zum Ärgern oder gar Verschnaufen bleibt Union nicht. Was villeicht auch gut so ist. Schon am Freitag kommt mit Dortmund (20.30/DAZN) der nächste Gegner in die Alte Försterei. Pokal ist dann am Dienstag auch noch gegen Paderborn. Und Union kann gegen die Borussia wieder in seiner Lieblingsrolle aufwarten – der des Außenseiters. Was ihnen schon einige hübsche Zähler in dieser Spielzeit bescherte. In Gladbach, in Hoffenheim oder gar gegen die Bayern. Als Underdog fühlt sich die Elf von Trainer Urs Fischer pudelwohl. 

So sollte der Zorn schnell verraucht sein. „Auf diese Leistung kann man aufbauen“, urteilte dann auch Marvin Friedrich. Denn auf der nach der Derby-Niederlage eingeschlagenen Marschroute – 24 Spiele für 24 Punkte, um die ominösen 40 Zähler für den sicheren Klassenerhalt einzusammeln –  sind die Köpenicker voll auf Kurs. Gegen die Bayern und eben beim VfB wurden zwei Zähler geholt. Langt für das angepeilte Ziel, auch wenn mehr drin gewesen wäre. Wie schon erhofft, sind die Partien bis zum Fest tatsächlich Bonusspiele für die Eisernen, denen mach einer ja schon den Absturz prophezeit hat. 

Nun kommt der BVB, den Union in der virtuellen Tabelle während des Auftritts in Bad Cannstatt sogar zwischenzeitlich überholt hatte, ehe die Schwarz-Gelben in Bremen das Ding noch drehten und Union eben noch zwei Tore fressen musste. 

Doch die Westfalen sind ungeachtet ihrer Klasse derzeit noch lange nicht wieder so gefestigt, dass die Partie bei Union für sie ein Selbstgänger werden könnte. Solche Voraussetzung liebt man in Köpenick ...