Kevin Behrens will beim 1. FC Union der Unruhestifter sein

Im Trainingslager des 1. FC Union Berlin wirkt der Stürmer wild entschlossen – und verweist auf besondere Qualitäten.

Kevin Behrens blickt der Rückrunde mit dem 1. FC Union Berlin mit Freude entgegen.
Kevin Behrens blickt der Rückrunde mit dem 1. FC Union Berlin mit Freude entgegen.imgo/Sebastian Räppold

SV Wilhelmshaven, Alemannia Aachen, 1. FC Saarbrücken, Rot-Weiß Essen: Es sind – gemessen am sportlichen Erfolg dieser Vereine in den vergangenen Jahren – nicht die attraktivsten Stationen, die Kevin Behrens in seiner Vita vorweisen kann. Es ist eine persönliche Erfolgsgeschichte, die der Stürmer des 1. FC Union Berlin geschrieben hat. Lange Jahre in der Regionalliga, ehe es über Zweitligist SV Sandhausen im Sommer 2021 nach Köpenick ging.

Dort hat der gebürtige Bremer in seiner zweiten Spielzeit eine auffällige erste Saisonhälfte gespielt. In allen 15 Liga-Spielen (zwei Tore) kam er zum Einsatz, rückte spätestens im Herbst immer näher an die erste Elf.

Als Joker schoss Behrens wichtige Tore für den 1. FC Union

„In meiner ersten Saison musste ich mich zunächst noch anpassen, an den Spielstil und generell an die Bundesliga gewöhnen“, erklärt Behrens seine Entwicklung, die nicht zuletzt deshalb bemerkenswert ist, weil er sich mit 31 Jahren schon im gehobenen Fußballeralter befindet. Meist kam er als Joker zum Einsatz, schoss wichtige Tore wie beim Pokalsieg in Chemnitz (2:1 n.V.) und beim Last-minute-Erfolg gegen Gladbach (2:1).

Was ihn aber in erster Linie auszeichnet, ist die Fähigkeit, seine Mitspieler und das Stadion nach Einwechslung noch einmal voll mitzureißen. „Ich versuche mich auf die Minuten, die ich bekomme, voll zu konzentrieren, Unruhe zu stiften und der Mannschaft damit zu helfen“, sagt der dreifache Familienvater. Im Trainingslager der Eisernen im spanischen Campoamor wirkt er spritzig, agil. Seine Wucht geht dadurch offenbar nicht verloren.

Weil Sturm-Konkurrent Jordan Siebatcheu nach herausragendem Start zum Ende des Jahres schwächelte, im Angriffszentrum nicht mehr die ganz große Präsenz ausstrahlte, dürften die Chancen von Kevin Behrens auf weitere Startelf-Einsätze gar nicht schlecht stehen. Dazu ist weiter nicht ausgeschlossen, dass Sheraldo Becker den Verein bei einem finanzkräftigen Angebot noch im Winter verlässt. Vor dem Jahreswechsel wurde der Nationalstürmer Surinames immer wieder mit Premier-League-Aufsteiger Nottingham Forest in Verbindung gebracht.

Spiel in Bremen als Highlight

Für Behrens selbst ist ein Wechsel indes kein Thema. Im Berliner Südosten fühlt er sich mit seiner Familie wohl: „Ich habe in meiner Zeit hier nie eine Sekunde daran verschwendet, an der Situation etwas zu verändern“, erklärt er und blickt gleichermaßen entspannt auf die kommenden Monate: „Was die Zukunft bringt, wird man sehen. Mal schauen, wie sich der Verein das vorstellt und wie ich mir das vorstelle. Irgendwann werden wir eine Entscheidung treffen.“ Behrens’ Vertrag läuft im Sommer nach dann zwei Jahren aus.

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung, welchem Spiel, welchem Moment, er in den nächsten Monaten entgegenfiebert, hat der kantige Stürmer eine klare Antwort: „Das Europa-League-Spiel in Amsterdam wird sicherlich ein riesiges Highlight. Aber für mich als Bremer Jungen wird natürlich auch das Spiel im Weserstadion sehr emotional.“ Hintergrund: Kevin Behrens ist in der Hansestadt geboren, aufgewachsen, spielte erst in der Bremer Vorstadt Weyhe, später dann in der Werder-Jugend, aber eben noch nie in einem Pflichtspiel im Stadion der Profis. Am 25. Januar, gleich in der ersten Englischen Woche nach der Saison-Fortsetzung, könnte sich dieser Traum nun also erfüllen.

Laurenz Dehl schließt sich Viktoria an

Derweil hat Union-Eigengewächs Laurenz Dehl den Verein vorübergehend verlassen. Wie der Verein am Mittwoch mitteilte, wird der 21-Jährige bis Saisonende an Regionalligist Viktoria Berlin verliehen. „Wir hoffen natürlich, dass er die Zeit bei Viktoria bestmöglich nutzen kann und wird“, so Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball.

Dehls ehemalige Teamkollegen stehen auch heute wieder in zwei Trainingseinheiten auf dem Platz. Am Samstag wird dann um 13 und um 15 Uhr mit zwei unterschiedlichen Formationen gegen Bundesliga-Konkurrent FC Augsburg getestet. Sonntag haben die Spieler frei.