Berlin - Am Donnerstagabend hatte Unions Dauerbrenner Robin Knoche, der neben seinem Abwehrkollegen Marvin Friedrich nicht eine Sekunde Spielzeit in dieser Saison verpasste, einen Pflichttermin mit seinem Flachbildschirm im heimischen Wohnzimmer. Denn da flimmerte der kommende Gegner Hoffenheim über die Scheibe, der sich in der Europa League mit dem norwegischen Vertreter FK Molde auseinandersetzen musste. 

Einen extra Antrag, um den häuslichen Familienfrieden zu wahren, muss der 28-Jährige zum Glück bei seiner Frau Anne nicht stellen. „Wir verstehen uns da sehr gut. Sie unterstützt mich in allen Belangen.“ Ernsthafte Spielvorbereitung gehört zum Geschäft. Und so will Knoche beim Betrachten der TV-Bilder da „einige Sachen rausziehen“.

Denn diese besondere Atmosphäre hat für ihn etwas. Dieses Auflaufen bei Flutlicht und Hymne würde er gerne noch mal miterleben und nicht nur bei Freitagsspielen in der Liga. 21 Mal durfte er schon international ran in der Europa League und in der Königsklasse beim VfL Wolfsburg. „Wäre schön, wenn es hieße: Mittendrin statt nur dabei. Das wäre ein Motto, das wir gern hätten“, gibt Knoche zu. 

Wir wissen um unsere Stärken.

Robin Knoche

Dass das nicht mal utopisch bleiben muss, weiß er auch. Und ein Sieg am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim (13.30 Uhr/DAZN) würde dieser Hoffnung weiter Nahrung geben. „Wir können ja alle Tabelle lesen“, so der Innenverteidiger, der mit dafür gesorgt hat, dass der 1. FC Union mit nur 25 Gegentreffern nach bislang 22 Spielen die viertbeste Abwehr der Liga aufzuweisen hat – hinter Leipzig (18), seinem früheren Klub Wolfsburg (19) und Bayer Leverkusen (24). 

„Wir wissen, worin unsere Stärken liegen und dass die Defensive Spiele gewinnen kann. Je länger du die Spiele offen hältst, umso mehr hilft dir das. Wenn ich mich an Leverkusen erinnere, da hatten wir eine schlechte erste Halbzeit und haben am Ende doch gewonnen“, so Knoche über die Gründe für Unions mittlerweile gar nicht mehr überraschenden Höhenflug. 

„Es ist ja eins unserer Markenzeichen, dass wir robust spielen, aggressiv spielen und über die Geschlossenheit kommen“, so der 28-Jährige, der auch glaubt, dass es mit dem zweiten Jahr Erstklassigkeit zu tun hat: „Wenn du das zweite Jahr Bundesliga spielst, haben viele Spieler ja auch mehr Erfahrung gesammelt.“ Dies, gepaart mit dem Willen, sich gegenseitig ständig zu helfen, habe viel zur eisernen Stabilität beigetragen.

Europa ist kein Thema in der Union-Kabine

Doch das wesentliche Merkmal ist und bleibt, dass die Eisernen auf dem Teppich bleiben, eben nicht nach Europa schielen, sondern sich Spieltag für Spieltag nur um ihr Zeugs kümmern. „Es ist irgendwie bemerkenswert, dass das kein Thema in der Kabine ist, sondern wir brutal nur aufs nächste Spiel schauen. Aber ja, je näher das Saisonende rückt, da würde ich nicht verneinen, dass man den einen oder anderen Blick mehr auf die Tabelle wirft. Wenn es für Platz sieben reicht, dann haben wir alles richtig gemacht“, so sein Credo.

„Unter Flutlicht im internationalen Geschäft zu spielen, mit Auswärtsreisen in andere Länder und sich mit anderen Gegnern zu messen als in der Liga, das ist ein schönes Gefühl. Ich konnte das ja schon erleben“, sagt der 1,90 Meter große Abwehrrecke, dem man auf den ersten Blick sein Gardemaß gar nicht so sehr ansieht.

Ja, das würde er dann doch noch gerne mit den Eisernen erreichen. Auch wenn das Saisonziel ein anderes gewesen ist. Aber bei seinem früheren Klub Wolfsburg, auf den er hin und wieder immer noch schaut, hätte ja auch vor der Saison niemand vom Erreichen der Champions League geträumt.

Knoche kennt die Stimmung einer vollen Försterei nur als Gegner

Alles richtig gemacht also, im Sommer des Vorjahres, als Knoche von der Aller an die Spree gewechselt ist. Wenn es etwas zu beklagen gibt, dann die Abwesenheit von Zuschauern. Die vollgepackte Alte Försterei kennt er ja nur als Gastspieler. Wolfsburg absolvierte hier im Vorjahr den letzten Kick vor prall gefüllten Rängen vor dem ersten Lockdown. „Das war weniger schön hier als Gegner. Es stimmt schon, das mit dem zwölften Mann passt hier absolut“, erinnert er sich an das mühsame 2:2 der Wölfe Anfang März 2020. 

Die Heimspielstimmung mitzuerleben in den richtigen Farben, dazu vielleicht endlich mal was von der Stadt wirklich genießen zu können, wäre sein Wunsch. „Vielleicht hat ja einer die Nummer von Merkel. Dann könnte ich sie anrufen und fragen, wann das endlich geht“, so Knoche. Es ist ein Scherz, aber einer, der vielen aus der Seele spricht.