Berlin-Köpenick - Der Worte sind genug gewechselt. Lasst uns endlich Taten sehen. Knapper und präziser als Altmeister Goethe es in seinem „Faust“ skizzierte, kann man die Ausgangslage nicht zusammenfassen vor dem Duell zwischen dem 1. FC Union und RB Leipzig, bei dem die Eisernen am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) viel gewinnen können – Europa –, aber eben auch manches verlieren.

Bleibt zu hoffen, dass diese einleitenden Worte nicht der Tragödie entsprechen, der sie entnommen sind. Denn – Worst-Case-Szenario – den Eisernen droht ja bei einer Pleite sogar ein Absturz auf Rang zehn. Womit sie tabellarisch nur um einen Rang besser platziert wären als in der Vorsaison. Was zumindest optisch die über das ganze Jahr gezeigte Performance ein klein wenig trüben würde.

Dies ungeachtet der Tatsache, dass die Eisernen die ganze Spielzeit hinüber sorgenfrei durch die Liga spazierten – eine Betrachtungsweise, die Urs Fischer mit Sicherheit ablehnen würde, weil sich ja jeder Zähler erst erarbeitet werden musste – und am Ende sechs Punkte mehr auf der Habenseite zu verbuchen haben, selbst im schlimmsten Fall. „Ich werde nicht über was sprechen, wenn es noch nicht eingetroffen ist. Ob ich enttäuscht bin, hängt davon ab. Je nachdem, wie das Spiel läuft. Über die ganze Saison gesehen, ist es unmöglich enttäuscht zu sein, da würde ich den Fußball nicht mehr verstehen“, so der Schweizer deutlich.

So steht an diesem finalen Spieltag eher die Vorfreude im Raum. Auf die Rückkehr der Zuschauer. Auf die Aussicht, noch etwas erreichen zu können. Auf eine dritte Erstligaspielzeit in Folge, was letztmals Energie Cottbus (2006–2009) als einstigem DDR-Oberligisten gelang. „Die Vorfreude ist bei allen groß. Wir spielen am 34. Spieltag und das internationale Geschäft. Das hat so von uns keiner erwartet“, merkte der Schweizer an.

Aroundtown verlängert

Und so ist dieser Tag auch ein Tag, um eisern Danke zu sagen. Dank an den FSV Fürstenwalde, der seine Spielstätte so präpariert hatte, dass die Köpenicker von ihrer Quarantäne aus in Bad Saarow dort beste Arbeitsbedingungen vorfanden. Dank an die Fans. An die Mitarbeiter. Kurz an alle, die ihr Scherflein dazu beigetragen hatten. 

Womit Unions Präsident Dirk Zingler in allerlei Videobotschaften in den Tagen vor dem Match gegen den sächsischen Gegner schon begann. Und sich am Sonnabend im Stadion auch auf den Trikots ausdrücken wird, wo Brustsponsor Aroundtown den Platz für die Grußbotschaft „Danke Unioner“, das in der Mitte mit einem  zum Victory-Zeichen geformten Hand ausgeschmückt wird. Diesen Verzicht auf seine für gewöhnlich weithin sichtbare Werbung kann das Immobilienunternehmen übrigens locker verknusen, sind sie ja nach frisch erfolgter Vertragsverlängerung auch in der kommenden Spielzeit auf dem Jersey der Köpenicker zu finden. 

EISERN Magazin Nr. 3

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Für Edition Nr. 3 konnten wir Christoph Biermann als Autor gewinnen. Der renommierte Journalist gibt Antwort auf die Frage: Wer sind die eigentlich, diese Unioner? Wir haben mit Kapitän Christopher Trimmel gesprochen, der Einblicke in sein Privatleben gibt. Und wir statteten Professor Bernd Wolfarth und seinem Kollegen Clemens Gwinner in der Charité einen Besuch ab. Die beiden beraten Union bei der medizinischen Versorgung der Profis, koordinieren zudem die Corona-Testungen im Verein.

Doch zurück zum Spiel. Hopp oder Top, Himmelhoch jauchzend oder betrübt? Für Union geht es am letzten Spieltag um alles. Von Rang sieben und den Playoffs zur neuen Conference League bis Blechrang acht oder gar der Absturz auf Platz zehn – sozusagen nur „Best of the rest“ – ist alles drin für die Eisernen, denen die Konkurrenz aus Mönchengladbach, Stuttgart und Freiburg nur zu gerne noch in die Suppe spucken möchte. Dass muss passieren, damit Union in den kontinentalen Wettbewerb einzieht.

Union gewinnt: Dann ist völlig unerheblich, was die drei verbliebenen Konkurrenten machen. Die Eisernen wären dann mit ihren 50 Zählern nicht mehr von Rang sieben zu verdrängen.

Union spielt Unentschieden: Langt für Europa, wenn Gladbach nicht in Bremen gewinnt und Stuttgart gegen Bielefeld mit nicht mehr als zwei Toren Vorsprung siegt und Freiburg in Frankfurt auch keinen Sieg mit mehr als drei Toren Differenz holt.

Union verliert: Dann darf Gladbach in Bremen nicht punkten und die beiden Teams aus dem Ländle dürfen ihrerseits höchstens einen Zähler holen.

Einfach wird es nicht. Zumal Fischer neben dem gesperrten Rob Andrich ja auch noch auf Angreifer Joel Pohjanpalo verzichten muss, der aus Leverkusen angeblich eine nicht näher bezeichnete Blessur mitgebracht hat, die ihn am Spielen hindert. Wovon übrigens beim Postmacht-Finterview wenig zu sehen war. Die Ausfälle von Grischa Prömel, Anthony Ujah, Leon Dajaku und Florian Hübner sind ja ohnehin bekannt. 

Doch all das ficht Fischer natürlich nicht an. Der ist auf das Ziel fokussiert. Und will entsprechend eingreifen, wenn auf den anderen Plätzen der Republik etwas passiert, was Unions großem Ziel Europa im Wege stehen könnte. „Wir werden auf dem  Laufenden sein innerhalb des Trainerteams.  Es ist auch wichtig in einem solchen Spiel, dass du Bescheid weißt, wie es auf den anderen Plätzen ausschaut“, so der 55-Jährige. Stimmt nur unter einer Prämisse – der, dass Union nicht selber führt.