Berlin - Der 1. FC Union hat sich bei seinem Gastspiel in Bielefeld mit 0:0 von Aufsteiger Arminia getrennt. Die Eisernen fanden nach einer langen Spielunterbrechung nach nur drei Minuten schwer ins Spiel, stabilisierten sich jedoch im zweiten Durchgang und hätten die Sieg schließlich durchaus verdient. Am Ende reichte es aber nur für einen Punkt.

Mit Spannung war die Entscheidung erwartet worden, auf wen Trainer Urs Fischer nach den Ausfällen von Christopher Lenz und Niko Gießelmann auf der linken Abwehrseite setzen würde - Offensivspieler Marius Bülter oder Defensivallrounder Julian Ryerson? Fischers Antwort: Beide! Ryerson übernahm in einer zur Viererkette umgebauten Abwehrreihe die Defensivaufgabe, Bülter sollte davor offensiv für Impulse sorgen. Dafür rotierte Nico Schlotterbeck als dritter Innenverteidiger auf die Bank. Zudem nahm Andreas Luthe wie geplant wieder seinen Platz im Tor ein, Loris Karius rückte dafür ins zweite Glied.

Kurz darauf schien der personelle Matchplan passé. Nach dreieinhalb Minuten donnerte Luthe bei einem Freistoß der Bielefelder mit Ryerson zusammen und schlug mit der Nase blutend auf dem Boden auf. Auch der Norweger blieb liegen, beide mussten minutenlang behandelt werden, ehe sie schließlich doch weiterspielten. Eine kontroverse Entscheidung, die, vor allem in Anbetracht der eigentlich zunehmenden Sensibilisierung für Kopfverletzungen im Fußball, noch für Diskussionen sorgen könnte. Als in der 26. Minute auch noch Bielefelds Sergio Córdova und Marvin Friedrich zusammenkrachten, ließ sich zumindest der Venezolaner, offensichtlich im Mund verletzt, auswechseln.

Sportlich erwischten die Hausherren trotz der Zwangspause zu Beginn den besseren Start in ein für sie richtungsweisendes Spiel. Nach der Entlassung von Trainer Uwe Neuhaus, der als Übungsleiter einst in Köpenick zur Legende wurde, wollte die Mannschaft unter dem neuen Trainer Frank Kramer offensichtlich etwas beweisen und drückte merklich auf das Tor der Eisernen, die alle Hände damit zu tun hatten, die Stürmer der Arminen vom Tor Luthes fernzuhalten und dabei überhaupt nicht in ihren eigenen Angriffsfluss kamen. Erst Mitte des ersten Durchgangs stabilisierten sich die Köpenicker defensiv, doch Chancen blieben über die kompletten ersten 45 Minuten aus.

Weil das auch, bis auf einen platzierten Kopfball von Marius Bülter in der 50. Minute, den Heimkeeper Stefan Ortega sicher festhielt, auch im zweiten Durchgang so blieb, reagierte Unions Trainer Urs Fischer und brachte nach einer guten Stunde Keita Endo für Ryerson - sodass Bülter nun doch nach hinten rückte - und Petar Musa für den blass gebliebenen Joel Pohjanpalo.

Musa und Endo bringen Schwung

Vor allem der Kroate brachte merklich neuen Schwung in eine Partie, die die Eisernen im zweiten Durchgang defensiv völlig unter Kontrolle hatten und nun eben auf den glücklich erarbeiteten, späten Treffer hofften. Musa selbst versuchte sich nach 72 Minuten an einem ordentlichen Kopfball, Endo verpasste nach 75 Minuten die bis dahin beste Chance der Eisernen, als er nach einem formidablen Friedrich-Zuspiel rechts am Tor vorbeischlenzte.

Dennoch: Die Unioner hatten die Partie nach dem Schreck der ersten Minuten zu ihren Gunsten gedreht und waren nun am Drücker. Und wieder waren es die beiden eingewechselten Musa und Endo, die auch in der 81. Minuten beinahe für die ersehnte und mittlerweile auch verdiente Führung gesorgt hätten. Doch diesmal scheiterte der Japaner an Ortegas Bein. Und so blieb es am Ende bei einem torlosen Remis, was keinem so richtig weiterhalf - den Eisernen nicht, die Bielefeldern schon gar nicht. Wenigstens hatte die Kollision von Luthe und Ryerson kein Nachspiel.