Berlin - Der 1. FC Union Berlin sei gekommen, um zu bleiben, hieß es im August 2019, als der Klub aus Köpenick nach dem Coup in den Relegationsspielen gegen den VfB Stuttgart sein Debüt in der Bundesliga gab. Sollte heißen: Wir sind hier nicht nur zum Besuch in Liga eins, nein, will wollen uns so schnell wie nur irgendwie möglich in der höchsten deutschen Spielklasse etablieren. 

Ende Mai 2021 lässt sich Folgendes für die so lebendige Fußball-Unternehmung aus dem Osten unserer Stadt bemerken: Union Berlin ist gekommen, um ganz schnell zu wachsen, um anderen, weitaus finanzkräftigeren Klubs vor Augen zu führen, wie man aus ziemlich wenig ganz viel machen kann. Oder aber auch: Union ist gekommen, um mit der Qualifikation zu den Play-offs zur European Conference League einen Traum wahr werden zu lassen, der wohl nur den Verwegensten im August 2019 in den Sinn gekommen war.

Die Leistung dieser Mannschaft und die ihres Trainers Urs Fischer ist dabei nicht unbedingt der Schwäche der Anderen zuzuschreiben. Der Erfolg ist ihr selbst zuzuschreiben. Und es ist ein Erfolg der beharrlichen Arbeit einerseits, andererseits aber auch einer, der auf der Fähigkeit zur schnellen Korrektur beziehungsweise Veränderung beruht. Fischer wusste, dass das Spiel der Eisernen variabler werden muss, in Abwehr und Angriff, damit in der zweiten Bundesligasaison der nächste Entwicklungsschritt genommen werden kann, verpflichtete dahingehend Spieler, übte Woche für Woche an unterschiedlichen taktischen Konzepten.

So entsteht Konstanz, so konnte eine Niederlagenserie vermieden werden, die ja gern mal den guten Geist aus der Kabine weichen lässt. Ja, diese Mannschaft hat das Talent, ihr Talent auszuschöpfen, und hat dabei mit Fischer den wohl denkbar geeignetsten Fußballlehrer an seiner Seite. Der Einzug in die Play-offs der Conference League ist seine ganz persönliche Meisterschaft.

Nur eine Heimniederlage

Dabei mussten die Eisernen in ihrer bis dato erfolgreichsten Saison wegen der Corona-Pandemie auch noch auf ihren X-Faktor verzichten, auf die Zuschauer bei Heim- und Auswärtsspielen. Ein Nachteil war das gegenüber all den anderen Klubs, bei denen die Bindung zwischen Mannschaft und Fans nicht so eng ist wie in Köpenick. Ein Nachteil, der allerdings aus dem Feld geschlagen werden konnte, wie sich an der Heimbilanz ablesen lässt. Acht Siege, acht Unentschieden, nur eine Niederlage stehen da zu Buche.

Nicht auszudenken, was in der kommenden Saison möglich ist, wenn das Stadion An der der Alten Försterei womöglich mal wieder ausverkauft ist. Wie wär's mit einem Sieg gegen FC Bayern in der Bundesliga, mit einem gegen Tottenham Hotspur in der European Conference League oder dem Einzug ins DFB-Pokalfinale? Der 1. FC Union Berlin ist gekommen, um zu beweisen, dass nichts unmöglich ist.