Berlin-Köpenick - Neue Stadt, neues Ziel, aber erst einmal vertraute Klänge. Rick van Drongelen, niederländischer Zugang vom Hamburger SV, wurde beim 1. FC Union in seiner Heimatsprache empfangen. Denn Timo Baumgartl, von der PSV Eindhoven entliehen, wollte seine Sprachkenntnisse nicht einrosten lassen, nur weil er wieder in der Heimat kickt. „Er spricht sehr gut niederländisch, versteht alles. Auch die Schimpfwörter“, meinte der 22-Jährige lachend.

Wohl dem, der sich in neuen Gefilden so einleben kann. Auch wenn van Drongelen betont, dass er genug gesehen und erlebt hat, dass er nicht zwingend einen Landsmann um sich wissen muss, um sich wohlzufühlen. Pärchenbildung wird ja scheinbar bei den Eisernen derzeit groß geschrieben. Aus Japan stehen da Keita Endo und Genki Haraguchi unter Vertrag. Dazu gibt es mit Timoteusz Puchacz und Pawel Wszolek ein Neuzugangsduo aus Polen. Die Farben Nigerias halten Anthony Ujah und Suleiman Abdulahi hoch. Die Dänen-Fraktion wird von Jakob Busk und Marcus Ingvartsen gebildet. Einen zweiten Niederländer gibt es bei den Köpenickern ja auch. Nur dass der in Amsterdam geborene Sheraldo Becker gerade seinen vaterländischen Dienst für Surinam beim Gold-Cup verrichtet.

Schon die ersten Tage in eisernen Diensten machten bei dem Innenverteidiger Lust auf mehr. „Ich habe ein total gutes Gefühl. Nur dass ich noch im Hotel bin, ist nicht ideal“, meinte van Drongelen. Aber die Wohnung ist immerhin schon gefunden, kann bald von ihm und seiner Freundin bezogen werden. Dann steht einem Neustart nicht mehr wirklich was im Wege.

Van Drongelen fürchtete einen Rucksack

Denn genau darum geht es dem aus Axel in der Provinz Zeeland stammenden Blondschopf vor allem bei den Köpenickern. Nach vier Jahren beim Hamburger SV inklusive Abstieg, zahlreichen Trainerwechseln und dreifach verpatztem Aufstieg war es Zeit für eine Luftveränderung. „Ich brauchte eine neue Umgebung, um den Kopf freizubekommen. Sonst trägst du einen schweren Rucksack mit dir rum“, meinte der ehemalige Juniorennationalspieler, der die Eiserne eine Sockelablöse von rund 500.000 Euro gekostet hat.

Weil er an der Alster ins Hintertreffen zu geraten drohte nach einer von zwei schweren Verletzungen gezeichneten Saison und der neue Coach Tim Walter ihm kein großes Vertrauen signalisierte, kam van Drongelen das Buhlen der Eisernen gerade recht. Erstens war es wieder Bundesliga, und zweitens vermittelten ihm Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert, dass sie an ihn glauben würden, dass der Linksfuß bei den Eisernen wieder zu alter Stärke zurückfinden würde.

„Union“, so van Drongelen, „passt zu mir.“ Ein Arbeiterklub. Einer mit ehrlichen Wurzeln. „Die Art, wie ich selber ticke. Ich bin kein Superstar, sondern stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft.“ Solche Kicker klingen wie gemalt für die Köpenicker.