Berlin-Köpenick - Eigentlich könnten sich die Profis des 1. FC Union wirklich mal ein paar Tage Ruhe gönnen. Seit der im Grunde nicht vorhandenen Winterpause hatten die Spieler und das Trainerteam der Eisernen kein einziges freies Wochenende, stattdessen wurde konsequent durchgespielt, 13 Partien am Stück. Dennoch nutzen die Köpenicker um Trainer Urs Fischer das ersehnte freie Wochenende, um am Donnerstag gegen Eintracht Braunschweig (15 Uhr) noch einmal den Profis eine Chance zu geben, die zuletzt eher selten zum Zug kamen oder deren genaue Rolle in der Mannschaft auch nach 26 Spieltagen nicht so recht klar ist. Bei dem einen oder anderen gilt es dabei auch noch eine personelle Entscheidung zu fällen, ob ein Vertrag verlängert oder eine Kaufoption gezogen wird. So lohnt sich ein Blick auf die Kandidaten, die gegen Braunschweig für sich werben dürfen.

Da wären auf der Torwartposition zum Beispiel Loris Karius und Jakob Busk. Der Däne akzeptiert nun schon im dritten Jahr in Folge mannschaftsdienlich seinen Status als Reservekeeper, verlängerte erst im Sommer um ein weiteres Jahr. Mit 27 ist der frühere U21-Nationalspieler im besten Fußballalter, doch als gestandenes Mitglied der Mannschaft ist durchaus davon auszugehen, dass er erneut verlängert. Was man von Loris Karius eher nicht sagen kann. Die Leihgabe des FC Liverpool bekräftigte zuletzt zwar, dass er sich in Berlin pudelwohl fühle – doch eine langfristige Verpflichtung des ebenfalls 27-Jährigen dürfte spätestens am Finanziellen scheitern.

In der Defensive dürfte sich indes Florian Hübner gegen Braunschweig noch einmal zeigen dürfen. Der Aufstiegsheld rotierte zwischendurch in die Dreierkette und absolvierte nach der Winterpause immerhin vier Partien am Stück, ehe er durch seine Sperre und die Genesung von Nico Schlotterbeck auf die Bank zurückbeordert wurde. In der Innenverteidiger-Hierarchie ist er nur die Nummer vier, eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages dürfte vor allem für ihn selbst kaum ein Thema sein.

In der Offensive kämpfen gleich vier Spieler um ein wenig mehr Spielzeit. In dem Quartett aus Leon Dajaku, Keita Endo, Marius Bülter und Akaki Gogia hat der Senkrechtstarter des vergangenen Spieljahres, Bülter, derzeit die beste Ausgangslage, weil sein Vertrag nicht ausläuft und er bereits bewiesen hat, dass er sich in der Bundesliga durchsetzen kann.

Diesen Beweis muss Keita Endo hingegen noch erfüllen. Für ihn spricht, dass er zuletzt starke Ansätze zeigen konnte und die Kaufoption nicht ganz so hoch sein soll. Das kann man bei den ausgehandelten 2,5 Millionen Euro für Leon Dajaku nicht behaupten. Die Leihgabe des FC Bayern kam unter Urs Fischer noch überhaupt nicht zum Zuge. Zuletzt hieß es, dass seine bis 2022 ausgehandelte Leihe bereits frühzeitig beendet werden könnte. Für die Bank hat der Deutsch-Kosovare eigentlich zu viel Talent.

Am kompliziertesten ist die Situation bei Andy Gogia. Der Aufstiegsheld und Fan-Liebling, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, scheint für Urs Fischer bestenfalls eine Joker-Lösung zu sein. Mit 29 Jahren geht es so langsam in den Spätsommer seiner Karriere, den er kaum auf der Bank verbringen will. Aber: Gogia ist für die Teamchemie ungemein wichtig und nach dem Abgang von Christopher Lenz müssen sich die Eisernen fragen, ob sie einen weiteren „Verbindungsspieler“ ziehen lassen wollen.