Berlin-Köpenick - Es gibt so Sachen, die vergisst man nicht. Unions Trainer Urs Fischer beispielsweise, hat noch eine Szene aus dem Hinspiel in bester – oder genauer gesagt in unschöner – Erinnerung: Stuttgarts eingewechselter Angreifer Sasa Kalajdzic nimmt eine hohe Flanke im Strafraum mit der Brust an und trifft gekonnt per Dropkick ins rechte Toreck. Es war der späte Ausgleich zum 2:2. Wenige Minuten zuvor hatte der österreichische Nationalspieler schon den Anschlusstreffer für die Schwaben erzielt. Die Bilder von damals sind noch immer auf Fischers Festplatte gespeichert. 

Urs Fischer schwärmt von Sasa Kalajdzic

Der Schweizer kommt nahezu ins Schwärmen, wenn er von dem 23-Jährigen spricht. „Er traut sich einiges zu, ist nicht nur mit dem Kopf stark, sondern auch mit den Füßen“, so der 55-Jährige. Folglich gelte es diesmal, „Flanken zu unterbinden und im Strafraum konsequent zu verteidigen“, so seine nachdrücklichen Mahnungen eingedenk des verspielten 2:0-Vorsprungs kurz vor Weihnachten. 

Denn das können sich die Eisernen diesmal nicht leisten, wenn sie ihr neues Ziel konsequent angehen wollen. Erstmals wird in Köpenick offen und nicht mehr nur im Kabinentrakt von Europa gesprochen. Das Stichwort Europapokal steht nach dem erreichten Klassenerhalt also nicht mehr auf dem Index. „Wir stehen da oben und wollen bis zum Schluss kämpfen, um da oben zu bleiben. Da ist es logisch, dass wir die Plätze angreifen, die zum internationalen Geschäft führen“, so Fischer ungewohnt offensiv.

Der VfB als Prüfstein für Union

Die Schwaben sind da ein echter Prüfstein mit ihren Qualitäten. Sie liegen nur einen Zähler hinter den Eisernen und sind damit ebenso wie die Köpenicker noch dick im Rennen um Platz sechs oder sieben. Letzterer würde ja zu den Playoff-Spielen der Europa Conference League berechtigen, wenn Dortmund und Leipzig Ende des Monats ins DFB-Pokalfinale einziehen sollten. 

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Für Edition Nr. 3 konnten wir Christoph Biermann als Autor gewinnen. Der renommierte Journalist gibt Antwort auf die Frage: Wer sind die eigentlich, diese Unioner? Wir haben mit Kapitän Christopher Trimmel gesprochen, der Einblicke in sein Privatleben gibt. Und wir statteten Professor Bernd Wolfarth und seinem Kollegen Clemens Gwinner in der Charité einen Besuch ab. Die beiden beraten Union bei der medizinischen Versorgung der Profis, koordinieren zudem die Corona-Testungen im Verein.

Ein Sieg würde die Schwaben distanzieren und Unions Ansprüche auf das neu ausgerufene Ziel untermauern. Übrigens wäre es der erste Erfolg für Union in bislang fünf Versuchen mit den Schwaben. Selbst der Aufstieg in der Relegation 2019 wurde ja nach zwei Unentschieden nur aufgrund der Auswärtstorregel bewerkstelligt. Jetzt ein Dreier, und Union hätte außer gegen Bayern und Wolfsburg gegen alle aktuellen Bundesligisten im DFL-Bereich gewonnen.

Was ja irgendwie auch zeigt, dass Union in seinem erst zweiten Bundesligajahr ähnlich wie der Aufsteiger aus dem Ländle eine tolle Entwicklung gemacht hat. Dem Gegner zollt Fischer auch Rechnung: „Das ist eine spielerisch starke Mannschaft, die sehr kompakt auf dem Feld steht und solidarisch nach hinten verteidigt. Man darf ihnen keinen Raum zur Entfaltung geben. Es ist eine Mannschaft mit Qualität.“ 

Christopher Trimmel mit Maske

Die Worte, mit denen Fischer den VfB lobt, könnte man auch für eine Zustandsbeschreibung der Eisernen nutzen. Die kamen mit breiter Brust von ihrer letzten Gastspielreise zurück und der Erfahrung, dass ihnen das, was ihnen im Schwabenland kurz vor Weihnachten widerfuhr, sie auch anderen zuteil werden lassen können. Und sei es gar dem Branchenprimus! „Wenn du einen Punkt gewinnst in München, gibt das Selbstvertrauen. Es war wichtig, dass die Mannschaft auf den Rückstand reagieren konnte und selbst Druck aufbauen konnte. Das sind positive Augenblicke, die du mitnimmst“, so der Schweizer. Der daraus aber nichts für das Match am Sonnabend („Das Spiel gegen Stuttgart beginnt wieder bei 0:0!“) ableiten wollte.

Positives nahm Fischer aus der Trainingswoche mit nachdem zuvor Christopher Trimmel einen Nasenbeinbruch aus dem Fight gegen die Münchner mitgebracht hatte. Seine OP sei gut verlaufen, die Maske bereite keine Probleme - weder beim Atmen noch beim Sehen. Union kann also auf seinen Capitano zurückgreifen. Was hilfreich ist, wenn man die Flanken und Zuspiele zu dessen Landsmann Kalajdzic unterbinden möchte.