Bad Saarow - Das Kurztrainingslager der Eisernen im Brandenburgischem ist Geschichte, am Sonntag kehrte der 1. FC Union nach dem gemeinsamen Frühstück aus Bad Saarow zurück in die Hauptstadt, um dort einen freien Tag zu genießen, ehe es am Dienstag in die zweite Woche der Vorbereitung geht. Und wenn man die Bilder und Post in den sozialen Medien so nachverfolgt, hat das Kennenlern-Camp der eisernen Profis – bei insgesamt 27 Kickern waren neun der elf Sommerzugänge dabei – der Stimmung extrem gutgetan.

Max Kruse foppt Kevin-Prince Boateng

Dabei tat sich im Besonderen Stürmer und Entertainer Max Kruse hervor. Der künftige Olympia-Teilnehmer konterte jedenfalls zum Vergnügen der Kollegen einen Telefonstreich von Kevin-Prince Boateng auf Instagram. Herthas verlorener und endlich heimgekehrter Sohn hatte am Freitag aus dem blau-weißen Trainingslager in Neuruppin so getan, als hätte er einen Werbe-Anruf aus dem Südosten der Stadt erhalten. Boateng im fiktiven Telefongespräch: „Nein, ich bin nicht mehr da. Ich habe bei Hertha unterschrieben. Ich habe keine Lust, bei euch und bei Union zu spielen.“

Kruses launiger Konter erfolgte prompt. Und er bekam dafür sogar Applaus vom Lokalrivalen. Boateng teilte Kruses Antwort. Der 33-Jährige zeigte ebenfalls auf Instagram sein Handydisplay, auf dem er angeblich von Kevin-Prince Boateng angerufen wurde. Kruse mit breitem Grinsen im Gesicht: „Hallo Prince. Ach, du hast keine Lust bei Union zu spielen? Kein Problem, International ist eh nichts für die Blauen. Reingehauen.“

Baumgartl hat Lust auf die Conference League

Wie heißt es doch so schön: Kleine Stichelleien erhalten die Freundschaft. Andererseits ist der kecke Kommentar ein Indiz dafür, dass sich Kruse mit der einstmals von ihm so ungeliebten Europa Conference League mittlerweile angefreundet und ähnlich Bock darauf hat wie beispielsweise Eindhoven-Leihgabe Timo Baumgartl. Der hatte ja verraten, dass die Aussicht auf internationale Spiele für ihn ein ausschlaggebender Faktor gewesen war, sich Union anzuschließen.

Doch auch die eigenen Kollegen und nicht nur die Jungs aus dem Westend der Stadt blieben von Kruses Späßen nicht verschont. Nach dem Teambuilding-Event, bei dem die Köpenicker sich als Stehpaddler auf einem sogenannten Big Sup – das ist eine Mischung aus Kajakfahren und Surfen, bei dem bis zu zehn Mann auf einem aufblasbaren Bord unterwegs sind – filmte er Rob Andrich und wollte wissen, ob der gerade Spaß hätte. Dessen Bejahung war allerdings untermalt von einer Leichenbittermiene, die aussah als wäre der Mittelfeldspieler gerade dazu verurteilt worden, sieben Tage bei strömendem Regen draußen spielen zu müssen.

Ähnlich hatte sich übrigens Anthony Ujah bei dem Gedanken gefühlt, sich aufs Wasser begeben zu müssen. Offensichtlich sind die Schwimmkünste des Nigerianers eher gering ausgeprägt. Der 30-Jährige war daher sehr erfreut darüber, wieder festen und trockenen Boden unter seinen Füßen zu haben. Wohl aber auch ebenso erfreut darüber, dass er mehr oder weniger ins Mannschaftstraining integriert werden konnte und seine einjährige Leidenszeit mit zwei Knieoperationen sich offenbar wirklich dem Ende zuzuneigen scheint.

Ertrunken ist also keiner. Zumindest wurde nichts darüber bekannt. Die gute Laune hatte also Trumpf. Und man kann den Steh-Paddel-Trip auf dem Scharmützelsee sogar sinnbildlich als Motto für die neue Spielzeit der Eisernen sehen. Frei nach dem Klassiker der berühmten New Yorker HipHop-Band Beastie Boys: Stand up for your right to party!  

Denn dass die Eisernen auch in ihrer dritten Spielzeit im Fußball-Oberhaus die Bundesliga rocken wollen, daran besteht wenig Zweifel. Auch wenn, wie Timo Baumgartl richtig anmerkte, es zunächst wieder einmal darum gehen muss, den Klassenerhalt dingfest zu machen. „Klar müssen wir erst einmal die 40 Punkte voll machen“, so der 25-Jährige.