Rückstand? Egal! Union Berlin gewinnt in Bremen und stellt einen Rekord auf

Die Eisernen, bei denen Josip Juranovic sein Debüt gibt, siegen im Weserstadion 2:1 und haben in der Hinrunde 33 Punkte gesammelt. Das hat Platz zwei zur Folge.

Kevin Behrens setzt nach seinem Treffer zum 2:1 zum Jubel an.
Kevin Behrens setzt nach seinem Treffer zum 2:1 zum Jubel an.imago/Koch

Der Schweizer Fußballlehrer Urs Fischer hat offenbar auch in der längsten Winterpause in der Geschichte der Fußball-Bundesliga vieles, vielleicht auch alles richtig gemacht. Es ist jedenfalls so, dass die Mannschaft des 1. FC Union Berlin nach dem 3:1 gegen Hoffenheim auch beim zweiten Pflichtspiel in diesem Jahr einen Sieg davon getragen hat - und das wie schon am vergangenen Sonnabend nach einem Rückstand. Das Endergebnis lautete diesmal: Werder Bremen 1, Union Berlin 2, wobei sich Janik Haberer und Kevin Behrens als Torschützen feiern lassen durften.

In Folge des zehnten Saisonsiegs steht der FCU mit Abschluss der Hinrunde auf Platz zwei, mit stolzen 33 Punkten, was einen Rekord bedeutet und keineswegs der Schwäche der Konkurrenz geschuldet ist, sondern konzentrierter Arbeit und eben auch einer formidablen Personalpolitik. Ein weiteres Beispiel gefällig?

Ryerson trifft für Dortmund

Nachdem, was Fischer am Dienstag vor versammelter Reporter-Mannschaft im Hinblick auf Winterzugang Josip Juranovic von sich gegeben hatte, konnte es nicht überraschen, dass der Kroate nach gerade mal vier Trainingseinheiten mit den neuen Kollegen im Weserstadion gleich mal in der Startelf stand. Als Ersatz für Julian Ryerson, der am Dienstagabend bei seinem zweiten Einsatz für Borussia Dortmund gleich mal ein Tor erzielte, nämlich das 1:0 beim 2:1-Erfolg der Schwarz-Gelben in Mainz. Aber das nur so nebenbei.

Kevin Behrens darf für Jordan Siebatcheu ran

Juranovic durfte jedenfalls auf seiner Lieblingsposition ran, also im bewährten 3-5-2-System auf dem rechten Flügel, was für Christopher Trimmel einen Platz auf der Ersatzbank zur Folge hatte. Dort fand sich auch Paul Jaeckel wieder, weil Diogo Leite nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung stand. Zudem spielte der gebürtige Bremer Behrens in Bremen von Beginn an, statt Jordan Siebatcheu, der seine Formschwäche aus dem November und Dezember vergangenen Jahres - um es mal so auszudrücken - konserviert hat. Behrens hatte nach vier Minuten auch gleich mal eine gute Chance, als er bei einem Bremer Rückpass den schläfrigen Keeper Jiri Pavlenka unter Druck setzte, mit seiner Torschussgrätsche aber nur knapp das Tor verfehlte. 

Debüt im Union-Trikot: Josip Juranovic
Debüt im Union-Trikot: Josip Juranovicimago/Koch

Doch bleiben wir zunächst bei Juranovic. Der WM-Teilnehmer, für den Union die höchste Ablösesumme in der Klubgeschichte (dem Vernehmen nach achteinhalb Millionen Euro gezahlt hat), sah sich von der ersten Minute in einer mitunter turbulenten Begegnung in vielerlei Hinsicht gefordert. Als Anspieloption für Abwehrmann Danilho Doekhi (stabil), als Eckballschütze (fürs Erste: naja), als Abfangjäger eines Konters (prima), musste in der 14. Minute aber gleich mal mit ansehen, wie sein Team nach einem Freistoß in Rückstand geriet.

Pieper hilft Union auf die Sprünge

Über seinen Kopf hinweg flog der von Marvin Duksch getretene Ball dabei in Richtung Union-Tor, Amos Pieper stieg etwa sieben Meter vor diesem hoch, mit ihm auch Unions Abwehrchef Robin Knoche, doch Pieper kam als Erster mit dem Kopf an den Ball. Torhüter Frederik Rönnow versuchte sich an einer Parade, doch eh sich der Däne versah, war ihm der Ball schon durch die Beine ins Netz geflutscht. 

Nur vier Minuten später folgte für Juranovic auf diese negative Erfahrung sogleich eine positive, nämlich in Form des Ausgleichstreffers, der von Pieper maßgeblich begünstigt wurde. Schlampig war dessen Rückpass auf Pavlenka, der Behrens zwar noch am Solo samt Torschuss hindern konnte, mit seiner Abwehraktion letztlich aber Haberer den lockeren Abstauber ins leere Tor ermöglichte. 

Union gegen Bremen: Rönnow hält, was es zu halten gibt

Apropos Pavlenka: Die sieben Gegentreffer in Köln vom vergangenen Wochenende scheinen beim 30-Jährigen nachhaltige Wirkung zu haben. In der 43. Minute zögerte der Tscheche mit dem Ball am Fuß einmal mehr viel zu lang bei der Spieleröffnung. Und wieder war es Behrens, der ihn mächtig ärgerte, seinen Befreiungsschlag blockte. Becker kam an den Ball, jagte diesen nach einem Schlenker aus 18 Metern mit links in Winkel - und drehte sogleich zum Jubel ab. Etwas voreilig, weil Schiedsrichter Bastian Dankert nach Intervention des VAR die Szene noch mal selbst checkte und den Treffer wegen eines Handspiels von Behrens im Nachgang annullierte. 

Wenn man es gar nicht gut mit Pavlenka meint, könnte man ihm auch den Siegtreffer der Unioner zumindest zum Teil mit anlasten. Bei der Ecke, die Juranovic nur eine Minute nach dem Wiederanpfiff viel besser als beim ersten Mal vors Tor schlug, stand er viel zu tief in seinem Tor, sah zu, wie der Ball quer durch den Fünfmeterraum segelte und Behrens viel zu frei zum Kopfstoß kam. So war er zu keiner Reaktion mehr fähig, schüttelte nur noch ungläubig den Kopf. 

Sein Gegenüber gab sich an diesem Abend hingegen keine Blöße mehr. Ja, Rönnow, der in der 22. Minute bei einem Pfostentreffer der Gastgeber noch Glück hatte, hielt in der zweiten Hälfte das, was es zu halten gab. Unter anderem einen Volleyschuss von Niclas Füllkrug (53.) und einen Freistoß von Leonardo Bittencourt (80.). Das ist nicht viel, was für die Abwehr der Unioner spricht. Im Endeffekt war die Elf von Fischer dem 3:1 (siehe Becker in der 61. Minute) näher als Werder dem Ausgleich.