Berlin - Wenn sich Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, in einem Brief an die Mitglieder des Klubs wendet, birgt der Inhalt des Briefes fast immer Brisantes. So auch in diesem Fall, denn was sich zunächst wie eine Grußbotschaft zum Start in die Vorbereitung auf die dritte Bundesligasaison der Eisernen liest, entpuppt sich in der Folge als Ankündigung, zugleich auch als Erklärungsversuch für einen Tabubruch.

Ja, der 1. FC Union Berlin wird seine Spiele in der European Conference League im Berliner Olympiastadion austragen, also in der Arena des Stadtrivalen Hertha BSC und demzufolge auf Feindesgebiet. Nur wenn aufgrund der Pandemie keine Zuschauer zugelassen sein sollten, ist das Stadion An der Alten Försterei eine Option. Was trotz der Ausbreitung der Delta-Variante ja nicht zu erwarten ist.

Als Grund nannte Zingler die Verzögerungen beim Ausbau der Heimspielstätte, insofern sei man quasi zum Umzug gezwungen. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) verlangt schon für die Play-off-Spiele, die im August stattfinden werden, eine Kapazität von mindestens 4500 Sitzplätzen, in der Gruppenphase wären es gar 8000. Zudem sind Stehplätze gar nicht erlaubt, was Zingler in einem Schreiben an die Uefa offensichtlich moniert hat. Europapokal in der Alten Försterei ist also im Moment tatsächlich nur im Rahmen eines Geisterspiels denkbar.

Zingler weiß, was er mit diesem Schritt seinen treuesten Anhängern zumutet. Andererseits ist dieser Schritt einfach nur als vernünftig zu bewerten, eröffnet dem Klub eben auch allerhand Möglichkeiten, wobei die Aussicht auf eine satte Einnahme nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Weitaus reizvoller ist da schon der Gedanke, dass man im besten Falle erstmals alle 38.000 Mitglieder des Vereins an einem Abend in einer Arena zusammenbringen und ein dementsprechendes Fußballfest feiern kann. Dass man dabei dem Stadtrivalen zudem vor Augen führen kann, wie man dieses für die Hertha oftmals viel zu große Olympiastadion innerhalb weniger Stunden ausverkauft bekommt.

Also: Union goes West, klingt komisch, aber als Slogan für die Europapokal-Kampagne des Klubs gar nicht so schlecht.