Die traurige Bremen-Rückkehr von Levin Öztunali

Vor eineinhalb Jahren wechselte Levin Öztunali zum 1. FC Union Berlin. Ein sportliches Missverständnis, wie sich spätestens in dieser Saison gezeigt hat.

Levin Öztunali sieht man beim 1. FC Union Berlin fast nur noch im Training am Ball.
Levin Öztunali sieht man beim 1. FC Union Berlin fast nur noch im Training am Ball.Matthias Koch

Es wäre eine maßlose Übertreibung, wenn man schreiben würde, dass Levin Öztunali sich in dieser Saison mit einem Platz auf der Bank des 1. FC Union Berlin zufriedengeben muss. In den 16 Spielen der laufenden Bundesliga-Spielzeit schaffte er es bislang dreimal in den Köpenicker Kader. Ansonsten ist sein Stammplatz die Tribüne.

Am vergangenen Sonnabend war es mal wieder so weit. Gegen Hoffenheim saß er auf der Bank, wurde von Trainer Urs Fischer diesmal sogar eingewechselt, und bereitete als Joker das Tor zum 3:1-Endstand von Jamie Leweling vor. Es dürfte ein seltenes Glücksgefühl im Trikot der Eisernen bleiben.

Öztunali hat auf seiner Position im Mittelfeld große Konkurrenz vor der Nase. Janik Haberer, Genki Haraguchi, Paul Seguin, András Schäfer oder Morten Thorsby, der allerdings noch immer Trainingsrückstand aufweist. In dieser Hierarchie steht der 26-Jährige weit hinten. Daran ändert auch das bevorstehende Aufeinandertreffen mit Öztunalis Ex-Verein Werder Bremen (Mittwoch, 20.30 Uhr) nichts. Für Romantik ist im Fußballgeschäft bekanntlich zu wenig Platz.

Rückblick: Als das sportliche Zuhause des 1. FC Union Berlin noch das Tabellenmittelfeld der Zweiten Bundesliga war, ging Öztunalis Stern in Bremen auf. Seine ersten Schritte im Profifußball hatte der gebürtige Hamburger bei Bayer Leverkusen gemacht, kam als junger Spieler aber nur sporadisch zu Einsatzzeiten und schloss sich im Januar vor acht Jahren dem Verein aus der Hansestadt an. Da war er gerade 18 Jahre alt.

Für die Medien waren allein schon die Familienverhältnisse von Öztunali bemerkenswert genug, um ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Rampenlicht zu stellen. Nur ging es dann selten um den jungen Fußballer Levin, viel mehr um den Enkel von Uwe Seeler. Mal lief es gut, dann las man Schlagzeilen wie „Der Seeler-Enkel startet durch“. Lief es schlechter, war vom „ewigen Seeler-Enkel“ die Rede. Verbunden mit der Frage, warum er sein Talent denn ausschließlich in den U-Nationalmannschaften Deutschlands zeigen würde.

Urs Fischer: „Wir planen weiter mit ihm“

Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Als junger Profi drückte er dem Spiel von Werder Bremen seinerzeit den Stempel auf, versprühte mit seinem unbekümmerten Stil Freude am Fußball und half dabei, dass der Verein von der Weser in Öztunalis erstem Jahr am Ende nichts mit dem Abstieg zu tun hatte. Nach einem weiteren Jahr bei Werder ging es zum FSV Mainz 05. Fünf Jahre blieb er bei den Nullfünfern, ehe der erste Anruf aus Köpenick kam.

„Ich glaube, dass man sieht, dass wir nach wie vor mit Levin planen“, sagte Urs Fischer auf der Pressekonferenz vor der Partie in Bremen und verwies auf dessen Einwechslung gegen Hoffenheim. Dass die allerdings auch unmittelbar mit den Ausfällen von Schäfer und Thorsby zusammenhing, ist kein Geheimnis. Wird Öztunali noch in diesem Winter abgegeben? „Zu Personalentscheidungen äußere ich mich nicht“, erklärte Fischer. Thema beendet.

Für Öztunali dürfte es also eine traurige Rückkehr ins Weserstadion werden, wenn er es denn in den Kader schafft. Dass er Bundesliga-Format besitzt, hat er in 190 Spielen im deutschen Fußball-Oberhaus bewiesen. Zahlen lügen meistens nicht. Nur hat Urs Fischer eben auch keinerlei Grund, an seinem Stammpersonal herumzubasteln. Der riesige Erfolg gibt dem Trainer recht.