Sebastian Andersson: Verwechselt und in Vergessenheit geraten

Sebastian Andersson war früher Top-Torjäger des 1. FC Union Berlin. Beim 1. FC Köln fällt der Schwede seit fast einem Jahr verletzungsbedingt aus.

Sebastian Andersson fand beim 1. FC Köln nie mehr zu seiner Form aus Union-Zeiten. Seit fast einem Jahr fehlt er nun schon verletzt.
Sebastian Andersson fand beim 1. FC Köln nie mehr zu seiner Form aus Union-Zeiten. Seit fast einem Jahr fehlt er nun schon verletzt.Marton Monus/dpa

Beim 1. FC Union Berlin hat es Tradition, dass Stadionsprecher Christian Arbeit vor den Spielen im Stadion An der Alten Försterei auch den Profis eine große Bühne bereitet, die in der Vergangenheit für die Köpenicker aufgelaufen sind. Während die Union-Fans der Verkündung eines jeden Spielernamens der Gastmannschaft normalerweise ein lautes „Na und?“ folgen lassen, verhält sich das bei den Ehemaligen ein wenig anders. Familie bleibt ja Familie, auch wenn sie woanders wohnt. Dann verliest Arbeit den Namen des Abgewanderten und die Anhänger erwidern ein lautes „Fußballgott“.

Zuletzt war das bei den Schalkern Simon Terodde und Marius Bülter der Fall, zwei Wochen zuvor bei Marcus Ingvartsen, der seine Fußballschuhe mittlerweile für Mainz 05 schnürt. Auch beim Namen von Sebastian Andersson hätten sich die Fans daran erinnert, dass der Schwede den Verein mit zwölf Toren einst zum Bundesliga-Aufstieg schoss, in der Spielzeit darauf noch einmal zwölf Tore als Beitrag für den Klassenverbleib folgen ließ. Doch der 31-Jährige steht am Sonnabend (15.30 Uhr), wenn der 1. FC Köln in der Hauptstadt gastiert, nicht im Kader der Rheinländer.

Seit Monaten ist der einstige Torjäger verletzt und auf die Frage, ob er überhaupt noch einmal in den Profisport zurückkehrt, scheint es keine klare Antwort zu geben. Sein Trainer in Köln, Steffen Baumgart, hatte dem Express Ende des vergangenen Jahres gesagt: „Ich bin mir relativ sicher, dass es ganz schwer wird, ihn noch mal auf dem Platz zu sehen.“

Andersson konterte kurze Zeit später im schwedischen Onlinemedium Fotbollskanalen: „Ich trainiere in meiner Reha und erwarte definitiv, bald wieder Fußball zu spielen. Nichts ist karrierebedrohend.“ Klar ist, dass sich da zwei Menschen alles andere als einig sind. 

Doch was war überhaupt passiert? Im vergangenen Jahr hatte sich Sebastian Andersson einer freiwilligen Knie-OP in Kopenhagen unterzogen und sich nach eigenen Angaben eine Infektion eingefangen, wegen der er noch mehrere Wochen im Krankenhaus lag. Die Ärzte des Vereins hatten ihm von dem Eingriff abgeraten. Fakt ist, dass er seit dem 1. April des vergangenen Jahres kein Pflichtspiel mehr für den aktuell Tabellen-Zwölften bestritten hat. Selbst bei den eigenen Fans gerät er mehr und mehr in Vergessenheit.

Sebastian Andersson beim 1. FC Köln: Nur eine Sternstunde

Seine schwere Verletzung und die offensichtliche Uneinigkeit mit seinem direkten Vorgesetzten können derweil nicht kaschieren, dass es bei Andersson schon unmittelbar nach seinem Wechsel von Berlin nach Köln nicht so richtig rund lief. Für etwas mehr als sechs Millionen Euro ließen die Eisernen ihren damaligen Top-Stürmer ziehen und sein neuer Verein glaubte, einen Torgaranten verpflichtet zu haben. Zweieinhalb Jahre später hat Andersson in 47 Spielen für den Effzeh acht Treffer erzielt.

Seine persönliche Sternstunde erlebte er, als sein Verein im Mai 2021 am sportlichen Abgrund stand. Unter Interimstrainer Friedhelm Funkel hatte Köln das Relegations-Hinspiel gegen Holstein Kiel mit 0:1 verloren, die Rheinländer standen schon mit einem Bein in der 2. Liga. Drei Tage später gelang ihm beim fulminanten 5:1-Sieg im Rückspiel ein Doppelpack. Der Verein blieb auf den letzten Drücker doch noch erstklassig.

Danach übernahm mit Baumgart ein neuer Trainer, stärkte ihm den Rücken und versuchte zu helfen, Anderssons gebrauchtes erstes Jahr in Vergessenheit geraten zu lassen. Doch mit dem Beginn der Amtszeit des neuen Trainers kam auch der vorher nach Frankreich verliehene Anthony Modeste zurück nach Köln und erlebte seinen zweiten Frühling. Andersson rutschte in die zweite Reihe, konnte mit der Torquote des Publikumslieblings, der die Kölner ein zweites Mal nach Europa führte, nicht ansatzweise mithalten.

Vor elf Monaten, ausgerechnet bei der 0:1-Niederlage beim 1. FC Union, absolvierte Andersson sein bis heute letztes Spiel. Seinen zuvor erarbeiteten Platz in der schwedischen Nationalmannschaft hatte er während seiner Zeit in Köln auch schon verloren. Am Ende war der Schritt weg aus Berlin aus sportlicher Sicht die falsche Entscheidung. Im Sommer läuft sein Vertrag nach dann drei Jahren aus und er wird sich eine neue sportliche Heimat suchen müssen. Wenn überhaupt ...